Brucknerhaus: Kritik und Reaktionen

Am Montag wurde im Linzer Kontrollausschuss jener Bericht präsentiert, den das Kontrollamt über die stadteigene Veranstaltungsagentur LIVA und das Brucknerhaus erstellt hat. Kritisiert wurden etwa Management, Positionierung und Verkaufsstrategien.

Die Mitglieder des Kontrollausschusses haben vor allem fünf große Punkte zu diskutieren. Erstens kritisierte das Kontrollamt das interne Management der LIVA. Es gebe kein Risikomanagement, dazu fehlten bei LIVA und Brucknerhaus Wirtschaftspläne, Sponsoring. Außerdem kritisiert der Bericht das Vertragsmanagement. So etwa seien die allgemeinen Geschäftsbedingungen nicht einheitlich und veraltet. Darüber hinaus wären Verträge mit Künstlern oder Agenturen für die Kontrolleure nicht nachvollziehbar, so das Papier.

“Positionierung Brucknerhaus verabsäumt“

Das Brucknerhaus betreffend habe das Kontrollamt bereits 2010 darauf hingewiesen, dass eine neue Positionierung nötig sei. „Das Management hat es verabsäumt, sich Gedanken über neue Kundenschichten zu machen“, denn seit der Eröffnung des Musiktheaters gäbe es neue Parameter für den Kulturmarkt in Linz. Dazu kämen überfällige Sanierungen wie Bestuhlung, Teppiche, Instrumente, Gastronomie.

Zugnummern fehlten

Die künstlerischen Leistungen seien gut, so das Kontrollamt - dennoch würden echte Zugnummern wie die Wiener Philharmoniker oder Thomas Hampson nur Auslastungen von 40 bis 60 Prozent bringen. Da stimme etwas nicht, das sei auch nur in Linz so. Die Auslastungszahlen bei Brucknerhaus und Brucknerfest sind seit Jahren rückläufig. Im Vorjahr betrug die Auslastung beim Brucknerfest laut Bericht nur 42 Prozent. Die Experten kritisierten weiter, dass es für die Angebote der LIVA wie Brucknerhaus, Posthof oder Kuddelmuddel keine Dachmarke gebe. Und schließlich brauche es einen raschen Ausbau des Online-Ticketverkaufs.

Der Kontrollamtsbericht griff auch die Reisen - für Operninszenierungen etwa in Minsk, Sofia, Wladiwostok oder als Jurymitglied - des künstlerischen Leiters auf, von denen manche als Dienstreisen verbucht worden seien, obwohl das laut Dienstvertrag nicht vereinbart sei. Generell brauche es bei der LIVA rasch einheitliche Spielregeln, was Dienstreisen anlange, empfiehlt das Kontrollamt.

Baier: „Vertrauen erschüttert“

Scharfe Worte gegenüber der Leitung fand auch Vizebürgermeister und Kulturstadtrat Bernhard Baier (ÖVP). Sein Vertrauen sei nach den Vorgängen im Konzerthaus „erschüttert“, so Baier im ORF OÖ Interview.

Bernhard Baier im Gespräch mit Gernot Ecker

Welche Konsequenzen aus dem Kontrollamtsbericht zu ziehen sind, wird der Ausschuss beschließen, so Baier.

Luger verteidigt Management

Es sei zu leicht, alles auf das Versagen des Managements zu schieben, sagte hingegen der Linzer Bürgermeister Klaus Luger (SPÖ) als Reaktion auf die scharfe Kritik Baiers. Im Gespräch mit ORF Redakteur Klaus Obereder verteidigte er Frey, stimmte aber zu, dass das Risikomanagement besser werden müsse. Die Schwierigkeiten des Brucknerhauses lägen aber unter anderem daran, dass sich die Kulturlandschaft insgesamt verändere, so Luger. „Wir müssen in Linz neue Wege beschreiten.“

Viele der Veranstaltungen hätten sich in den vergangenen 30 Jahren nicht verändert und an Spannung verloren. Konkret nannte Luger das Linz- und das Brucknerfest. „Wir brauchen eine Reform aller Veranstaltungen - es ist Zeit für Neues und Frisches“, so Luger.