Erste Ermittlungen in Schießkanal

Nach der tödlichen Explosion in einer Schießanlage in Desselbrunn (Bezirk Vöcklabruck) haben am Montag die Ermittlungen des Landeskriminalamtes begonnen, um die Ursache für den Brand herauszufinden.

Das Betreten des Stollens war bisher aus Sicherheitsgründen nicht möglich. Eines der beiden Opfer, ein 50-Jähriger aus Eberstalzell, ist am Wochenende gestorben. Der Zustand des zweiten Sportschützen, der durch den Brand und die Explosionen in dem Schießstand schwer verletzt wurde, ist laut Auskunft des Landeskrankenhauses Salzburg stabil.

Ermittlungen seit Montag 9 Uhr

Der gesperrte Schießplatz ist am Montag gegen neun Uhr früh von den Brandermittlern des Landeskriminalamtes geöffnet worden. Gemeinsam mit der Tatortgruppe und einem Experten der Brandverhütungsstelle werden sie die Kurzwaffenanlage, die durch das Feuer arg in Mitleidenschaft gezogen wurde, genau in Augenschein nehmen.

Schießstand
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Schießstand Viecht in Desselbrunn im Bezirk Vöcklabruck

Polizeisprecherin Kerstin Hinterecker sagt: „Nachdem die Feuerwehr diese Schießanlage mit Schaum geflutet hat, ist es heute erstmals möglich, diese Stelle gefahrlos zu betreten.“

Der Raum sei verraucht. Die Spurensicherung sei bedacht, jeder Spur nachzugehen und alle Beweismittel zu sichern, so Hinterecker. Mit einem Ergebnis sei vermutlich erst nächste Woche zu rechnen.

Experte hält mehrere Brandursachen für möglich

Für den ehemaligen Polizisten und Schießstand-Sachverständigen Karl Mayer aus Wien kommen aufgrund der bisher bekannten Informationen mehrere Ursachen für den Brand in Frage. Grundsätzlich habe es eine Zündquelle geben müssen, so Mayer: „Diese Zündquelle könnte eine glühende Zigarette gewesen sein, aber auch ein heißes, glühendes Pulverteilchen, das auf den Boden gefallen ist, oder unter Umständen auch die brennenden Pulvergase die beim Abfeuern eines Schusses den Lauf verlassen.“

Experte Karl Mayer
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Schießstand-Experte Karl Mayer im Gespräch mit ORF Redakteur Roland Huber

„Muss brennbares Material gegeben haben“

Zusätzlich müsse sich aber auch leicht entzündliches Material in dem Schützenstand befunden haben: „Wenn dieser Schützenstand lange nicht gereinigt worden ist, kann es unter Umständen dazu kommen, dass sich die abgelagerten Treibladungspulverreste am Boden oder auch in der Wandverkleidung entzündet haben und zu einer sehr raschen Verpuffung geführt haben.

Ö-Norm bisher nicht verbindlich

Der Wiener war im Innenministerium gut 25 Jahre lang für die Schießanlagen der Exekutive zuständig. Grundsätzlich meint der Experte, dass man einen Brand, in einer Schießanlage nicht ausschließen könne, aber „durch die richtigen Sicherheitsmaßnahmen könnte man die Auswirkungen stark einschränken. Etwa wenn beim Bau und Betrieb die Ö-Normen für Schießstätten eingehalten würden, so Mayer. Der Gesetzgeber hat diese Empfehlungen allerdings bisher nicht für verbindlich erklärt.

Schießkanal war seit Donnerstag versperrt

Der Schießkanal für Langwaffen am Areal des Schießparks Viecht in Desselbrunn, in der Nähe des Traunfalles, war seit dem Unglück am Donnerstag versperrt und versiegelt. Ein Betreten war bisher nicht möglich, so Johann Baumgartner von der Landespolizeidirektion am Montag in der Früh: „Durch den Brand und die andauernden Explosionen gab es im Stollen eine sehr starke Hitzeentwicklung. Der Stollen wurde von der Feuerwehr mit Schaum geflutet und versperrt. Jetzt muss man sich ansehen, ob man den Stollen schon betreten kann.“

Spuren könnten vernichtet worden sein

Die Ermittler des Landeskriminalamtes werden das am Montag jedenfalls versuchen. Ob die Spurensicherer und Brandermittler in dem Schießstollen, der in das Gelände gebaut wurde, fündig werden, bleibt abzuwarten. Die Spuren könnten durch den Löschschaum vernichtet worden sein, so Baumgartner.

Männer von Stichflamme verletzt

Zu dem Unglück war es Donnerstagmittag gekommen. Zwei Hobbyschützen aus Eberstalzell hatten in dem Schießstollen mit einer Langwaffe geschossen. Plötzlich entwickelte sich in dem Bereich, in dem die beiden standen, eine Stichflamme. Die Eberstalzeller wurden von den Flammen erfasst, dann fing auch noch dort gelagerte Munition Feuer und explodierte über einen längeren Zeitraum.

Cobra zog Verletzten aus Schießkanal

Ein Schütze konnte sich schwerverletzt aus dem Stollen retten, der zweite wurde von Cobrabeamten, die zufällig auf dem Gelände trainierten, in das Freie gebracht. Einer der beiden Männer, ein 50-jähriger Mann aus Eberstalzell, ist am Wochenende im Winer AKH seinen Brandverletzungen erlegen. Sein 62-jähriger Sportschützenkollege befindet sich mittlerweile laut Auskunft des Salzburger Landeskrankenhauses außer Lebensgefahr. Er soll noch diese Woche zum Unfallhergang befragt werden.

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