Valie Export Center in Linzer Tabakfabrik

In den 1960er Jahren hat Valie Export, heute eine der international bedeutendsten Künstlerinnen Österreichs, Linz verlassen, weil „nichts los war“. Nun hat sie ihrer Heimatstadt für das Valie Export Center ihr Archiv überlassen.

2015 hat die Stadt Linz den Vorlass von Valie Export erworben, was für das Lentos „eine große Bereicherung der Bestände“ dargestellt habe, wie Direktorin Hemma Schmutz am Dienstag in einer Pressekonferenz betonte. Die zahlreichen Werke, Skizzen, Entwürfe, Negative etc. bilden den Grundstock für ein nach der Künstlerin benanntes Center in der Linzer Tabakfabrik, das vom Lentos in Kooperation mit der Linzer Kunstuniversität betrieben wird.

Archiv soll laufend ergänzt werden

Valie Export freut sich, dass ihr Vermächtnis in Linz „sehr gut und professionell behandelt wird“. Das Archiv soll laufend ergänzt werden, die Künstlerin selbst will es in den nächsten Jahren noch begleiten - auch um sicher zu gehen, dass alles richtig eingeordnet sei. Aber die Strategie wolle sie anderen überlassen. Allerdings gibt sie zu: „Loslassen ist schwer.“

Valie Export
Violetta Wakolbinger

Ihr Wunsch wäre eine Forschungseinrichtung, die sich mit Kunst der 1960er, 1970er und 1980er befasst, von Arte Povera über Konzeptkunst bis hin zum experimentellen Film, skizzierte Valie Export ihre Vision und betonte die politische Relevanz der Kunst: „Sie war immer eine politische Sache für mich. Hätten wir den künstlerischen Ausdruck nicht, würde uns ein großer Teil fehlen.“

Die Finanzierung der Archivaufarbeitung hänge von der nächsten Leistungsvereinbarung ab, sagte Kunstuni-Rektor Reinhard Kannonier. Valie Export habe internationale Bedeutung, „und das geht auch die Bundesregierung etwas an“, gab er sich jedoch vorsichtig optimistisch. „Es ist fantastisch, dass Oberösterreich Kulturikonen wie Adalbert Stifter oder Anton Bruckner hat“, aber es stehe der Stadt auch gut an, jemanden aus dem 20. und 21. Jahrhundert vorweisen zu können. „Es besteht international bereits großes Interesse, ein PhD im Bereich der performativen und feministischen Kunst am Linzer Valie Export Center zu machen.“

„Nichts los“ in Linz

Während das Center nun die weite Welt nach Linz bringen soll, hat Valie Export einst den umgekehrten Weg genommen: Sie sei in den 1960er Jahren „schon gerne weggegangen aus Linz“, denn hier sei „nichts los“ gewesen. Dennoch habe sie positive Erinnerungen, etwa an die Kubin-Ausstellungen in der städtischen Galerie und an die Tabakfabrik.

Der Behrens-Bau, in dem ihr Vorlass nun ein Zuhause gefunden hat, habe ihr Architekturverständnis geprägt. Mit ihrer Kunst kam sie zuerst international zu Renommee, bevor ihr auch zu Hause Anerkennung zuteilwurde. Aber schließlich war eine Gastprofessur an der Linzer Kunstuni, deren erste Ehrendoktorin sie ist, ein erster versöhnlicher Schritt zurück.

Eröffnung am 10. November

Die Eröffnung des Centers am 10. November wird von einer Reihe anderer Programmpunkte begleitet: Nach einem Festakt am Vormittag diskutieren am Nachmittag internationale Gäste im Rahmen eines Symposiums mit dem Titel „Wilde Archive. Kunst und ihre papiernen Spuren“ über den Umgang mit den Hinterlassenschaften künstlerischer und kuratorischer Arbeit.

Bereits einen Tag zuvor wird im Untergeschoß des Kunstmuseums Lentos die Ausstellung „Valie Export. Das Archiv als Ort künstlerischer Forschung“ eröffnet. In der Schau nähert sich Sabine Folie, ehemalige Leiterin der Generali Foundation, auf experimentelle Art der vielschichtigen Künstlerpersönlichkeit an. Gezeigt werden Dokumente, Skizzen, Briefe, Fotos und Notizen aus mehr als 50 Jahren.

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