Sobotka: „Haus darf nicht erkennbar sein“

Das Geburtshaus Adolf Hitlers in Braunau soll laut Innenminister Wolfgang Sobotka (ÖVP) derart umgestaltet werden, dass das Haus „vor allem in der Außenform nicht erkennbar sein“ dürfe, sagte der Ressortchef am Dienstag vor der Ministerratssitzung.

Wesentlich sei, dass das Haus kein Gedenk- oder Versammlungsort für Neonazis sein kann. Der Ort solle keine Erinnerung an die Person Hitlers mehr zeigen, sagte Sobotka zur aktuellen Debatte. Ob man dies als Abriss bezeichnen kann, darüber könne man diskutieren, sagte Sobotka. Er sei über die Empfehlungen der Expertenkommission sehr froh, betonte er. Am Montag hatte er sich noch für einen Abriss des Hitlerhauses ausgesprochen. Mehr dazu auf Hitler-Haus: Abrissempfehlung in Diskussion (ooe.orf.at)

Hitlers Geburtshaus Braunau
ORF
Am Montag verkündete Sobotka den Abriss des Hitlerhauses. Nun spricht er von einer „tiefgreifende Umgestaltung“.

Architektenwettbewerb für Umgestaltung

1889 wurde Adolf Hitler im Haus in Braunau geboren, wenige Wochen später zog die Familie Hitler um, drei Jahre später übersiedelten sie nach Passau. Nach Ende des 2. Weltkrieges, 1952, verkaufte die Republik das Haus wieder an die ursprüngliche Eigentumsfamilie. Vom Innenministerium wurde es regelmäßig angemietet, zuletzt stand es leer und die Eigentümerin bekam monatlich rund 5.000 Euro Miete. In diesem Jahr wurde die Frau schließlich enteignet. Seither wird gestritten, ob das Haus abgerissen oder umgestaltet werden soll.

Es werde für die Umgestaltung einen Architektenwettbewerb geben, sagte der Ressortchef. Hinsichtlich der Nachnutzung komme eine soziale Einrichtung oder eine

behördliche Nutzung in Betracht, dies werde man gemeinsam mit der Stadt Braunau entscheiden. Fix ist, dass der Ort keine museale Erinnerungsstätte werden soll. Dazu habe man mit dem ehemaligen Konzentrationslager Mauthausen eine hervorragende Dokumentationsstelle.

Einmal mehr verwies Sobotka darauf, dass am Dienstag im Innenausschuss des Nationalrates die bereits Mitte Juli im Ministerrat abgesegnete Enteignung und Entschädigung der Besitzerin des unter Denkmalschutz stehenden Hauses auf den parlamentarischen Weg gebracht wird.

Historiker skeptisch

Florian Kotanko, Vorsitzender des Vereins für Zeitgeschichte in Braunau, sieht einen Abriss des Gebäudes ebenfalls problematisch. „Es würde das Problem - Braunau als Geburtsort Hitlers - nicht lösen. Der Abriss wäre ein Prozess, der sich erst in Jahren verwirklichen lässt. Was kommt danach?“ Für Kotanko sei wesentlich, dass die Beschäftigung mit der Zeitgeschichte damit nicht zu Ende sein.

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