Matinee: Klimt am Attersee - Die gemietete Zeit

Viele Sommer entflieht Gustav Klimt den Hundstagen in Wien und geht mit seinem Lebensmensch Emilie Flöge auf Sommerfrische. Der Attersee ist dabei bis zu seinem Tod 1918 seine bevorzugte Landschaft, zu sehen in der „Matinee“ am 26. August um 10.35 Uhr in ORF 2.

Nach einem geregelten Tagesablauf lebt und arbeitet Klimt in dieser gemieteten Zeit, der Großteil seiner Landschaftsgemälde entsteht dort. Gemälde die ebenso wegbereitend sind wie seine Frauenporträts, in der öffentlichen Wahrnehmung aber im Hintergrund stehen.

Matinee Klimt am Attersee

Henry Steinbock

„Ich male Tag um Tag von morgens bis abends“

„Malen und zeichnen kann ich. Ich interessiere mich nicht für die eigene Person – eher für andere Menschen, weibliche ... Ich male Tag um Tag von morgens bis abends - Figurenbilder und Landschaften, seltener Porträts. Schon wenn ich einen einfachen Brief schreiben soll, wird mir Angst und Bang wie vor einer drohenden Seekrankheit. Wer was über mich wissen will, soll meine Bilder aufmerksam betrachten, daraus erkennen zu suchen, was ich bin und will.“

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Das schreibt Gustav Klimt über sich selbst, und die Dokumentation „Klimt am Attersee – Die gemietete Zeit“ nimmt ihn beim Wort. Der Künstler, der schon zu Lebzeiten anerkannt und mit vielen Aufträgen versorgt war, mietet sich von 1900 bis 1916, mit Ausnahme 1913, jeden Sommer an den Ufern des Attersees ein. Die gerne zitierte Sommerfrische war für den Künstler, wie für viele andere seiner Zeitgenossen auch, nicht nur eine Zeit der Erholung, des Nichtstuns, sondern auch eine Zeit der intensiven Beschäftigung mit den Eindrücken am und um den See.

Matinee Klimt am Attersee

Henry Steinbock

Klimt gibt sich einen sportlich und künstlerisch geregelten Tagesablauf, der von Schwimmen und Rudern frühmorgens, über Spaziergänge und skizzieren und malen reicht.

Fotografie begeisterte Klimt

So entsteht am Attersee der Großteil seiner Landschaftsgemälde, die sich heute im Besitz des Museums Belvedere in Wien, des Leopold Museums und im Privatbesitz überall auf der Welt befinden. Mit dem Fernrohr, dem Operngucker und dem „Sucher“ findet er seine Motive vom Bootssteg aus oder entdeckt sie bei Spaziergängen und im Ruderboot! Das junge Medium Fotografie begeistert im Wien des Fin de Siecle eine Reihe von Künstlern, und auch Gustav Klimt reist mit Fotokamera an den Attersee. Seine Lieblingsmotive sind seine Lebensgefährtin Emilie Flöge in ihren Reformkleidern sowie Ansichten vom See, die er als Vorarbeit zu seinen Gemälden nutzt. Von Gustav Klimt selbst gibt es kein Selbstporträt, er lässt sich auch von keinem Künstlerkollegen malen, dafür zeigen dutzende von Porträtfotos einen selbstbewussten, ja durchaus eitlen Mann.

Matinee Klimt am Attersee

Henry Steinbock

Schreibfauler Klimt verschickte unzählige Postkarten

Die „Matinee“ aus dem ORF Landesstudio Oberösterreich „Klimt am Attersee - Die gemietete Zeit“ lässt Klimts Sicht auf den Attersee wieder spürbar werden, verknüpft die Landschaft und den See mit Leben und Werken. Er zeigt die Faszination des Ortes für den Künstler an Hand von Fotografien und Textdokumenten, seinen unzähligen Postkarten, die der als „schreibfaul“ geltende Klimt verschickt hat und erkundet seine Arbeitsweise und den Stellenwert der Attersee-Gemälde im Gesamtwerk.

Der Film möchte einen neuen Blick auf den Lebensalltag und die Persönlichkeit des Künstlers eröffnen, jenseits des vielzitierten „Womanizers“ und Malers schöner Frauen, eines Mannes, der wie kein anderer Künstler für die Epoche des Jugendstils steht und dessen Bilder zu schwindelerregenden Preisen Top Sellers am internationalen Kunstmarkt sind.

Matinee Klimt am Attersee

Henry Steinbock

Gestaltung: Regina Patsch
Kamera: Claus Muhr
Schnitt: Andreas Teufelauer
Schauspieler: Ferry Öllinger als Gustav Klimt
Fachberatung: Dr. Alfred Weidinger (Museum Belvedere Wien und Klimt-Kenner)
Fotos (honorarfrei): Henry Steinbock

Eine Produktion des ORF Oberösterreich