Der Blues in Linz in „Lust aufs Leben“

Im fünften und abschließenden Teil des Blues-Schwerpunkts widmet sich Michael Huemer am Sonntag, 14.4., in der Sendung „Lust aufs Leben“ dem Blues in Linz. Denn bereits 1969 wurde hier der sehr aktive „Blues Club Linz“ gegründet.

Ein Freundeskreis in Linz hörte in den 60er-Jahren wie viele andere Rockmusik und wollte wissen, wer die durchwegs schwarzen Musiker waren, die sich hinter einer kraftvollen und erdigen Musik, genannt „Blues“, verbargen. Es entstand der Wunsch, die Botschaft des Blues einem größeren Publikum zu erzählen. Die Gründung des „Blues Club Linz“ im Juni 1969 war die logische Folge aus dem Wunsch, die Botschaft des Blues zu verbreiten. Gunther Trübswasser und der 2002 bereits verstorbene Bluesmusiker Dietmar „Didi“ Brunnbauer unterbreiteten der Volkshochschule Linz den Vorschlag, den Blues Club als Kurs zu führen. Robert Urmanns Jazz Club gab es bereits an der VHS. Schon ab dem Herbst 1969 begannen wöchentliche Themenabende über die Geschichte und die Facetten des Blues und seiner Musiker in einem eigenen Klubraum.

Rege Konzertätigkeit neben den Voträgen

Zu den Vortragsabenden kam auch eine rege Konzerttätigkeit, die zu mehr als 80 Veranstaltungen an der VHS, im seinerzeitigen Kongresssaal der Linzer Arbeiterkammer, an der Johannes-Kepler-Universität, im sogenannten Kandlheim der Gewerkschaft und einigen anderen Orten führte. Meist waren es Musiker aus den USA, die in Linz zu Gast waren. Darunter waren viele in „Blues-Ohren“ klingende Namen wie Sonny Terry & Brownie McGhee, Bukka White, John Jackson, Eddie „Cleanhead“ Vinson, J.B. Hutto, Johnny Shines, Blind John Davies, Homesick James, Luther Johnson, Robert Jr. Lockwood und viele andere. Aber auch österreichische Blues- und Boogie-Größen waren zu Gast, unter ihnen Al Cook, Martin Pyrker, Brunnbauers „Juke Joint Blues Band“, Hermann Höllers „City Blues Band“ oder die „Polland Blues Band“.

Blues Notes Linz Zeitschrift

Gunther Trübswasser

Gleichzeitig mit der Gründung des Blues Club Linz wurde 1969 auch das Magazin „Blues Notes“ ins Leben gerufen, das sich „erstes deutschsprachiges Blues- und Jazzmagazin“ nennen durfte und von dem in elf Jahren 37 Ausgaben erschienen. Abonnenten und Interessenten gab es in fast allen Ländern Europas und von den USA bis Japan. Die Blues Notes sind bis heute in den Zeitschriftenarchiven der Nationalbibliothek, der OÖ Landesbibliothek und nicht zuletzt auch auf Ersuchen der „Library of Congress“ in Washington D.C. nachzulesen.

Sendungshinweis

„Arcimboldo, Treffpunkt Markt“, 14.4.19

Seltene Konzert-Mitschnitte zu hören

Ich habe mit Gunther Trübswasser ein Gespräch über den Blues Club und seine Bedeutung geführt. Die Musikaufnahmen, die in der Sendung zu hören sind, sind eigentlich Raubkopien von Blueskonzerten, die auf Audiokassetten und Magnetophonbändern live mitgeschnitten worden sind – mit unterschiedlichen Qualitäten wie es halt mit einem Kassettenrecorder in bis zu zehn Metern Entfernung möglich war. Sie werden zum ersten Mal in Radio Oberösterreich und vermutlich zum letzten Mal zu hören sein.

Die älteste Aufnahme des Blues Club Linz stammt vom 18. Februar 1975, ein Auftritt von Johnny Shines, einer der den Mississippi-Blues im Blut hat, ein großer Komponist in der reinsten poetischen Delta-Tradition, der nie den Erfolg hatte, der ihm durchaus zugestanden wäre.

Musikkassette

dpa/Frank Kleefeldt

Johnny Copeland an der Linzer Uni zu Gast

Am 26. November 1976 ist im Clubraum der Linzer Volkshochschule James Booker zu Gast, einem aus New Orleans stammenden Sänger und Pianisten, der nicht nur ein geschätzter Studiomusiker war sondern auch optisch durch eine furchterregende Piraten-Augenbinde über seinem linken Auge auffiel.

An der Linzer Uni fand am 9. November 1984 ein außergewöhnliches Konzert statt. Kein Geringerer als Johnny Copeland samt Band mit Schlagzeug, Bass, Keyboards und Bläsern brachten das Publikum zum Ausflippen. Copeland war ein kraftvoller und ungestümer Sänger, ein tief in der texanischen Tradition verwurzelter Gitarrist.

Hier können Sie die Sendung nachhören:

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Literatur:

  • Bill Wyman: Blues – Geschichten, Stile, Musiker, Songs und Aufnahmen (Verlag Zweitauseneins, 2002)
  • Nelson George: R & B – Die Geschichte der schwarzen Musik (Orange Press, 2002)
  • Brooks/Koda/Brooks/Aykroyd: Blues für Dummies (Wiley-Verlag, 2008)
  • Gérard Herzhaft: Enzyklopädie des Blues (Hannibal, 1998)
  • Gert Heinstein: Der Blues: Die Musik der neuen Welt. Wurzel neuer Musikrichtungen (Books on Demand, 2018)
  • Elijah Wald: Der Blues – Eine kleine Einführung (Reclam, 2013)
  • LeRoi Jones: Blues People – Schwarze und ihre Musik im weißen Amerika (Fourier, 1981)

Michael Huemer, ooe.ORF.at