Erzählungen aus dem spanischen Bürgerkrieg

Schreiben gegen den Faschismus - Erzählungen und Berichte aus dem Spanischen Bürgerkrieg stehen am Sonntag in der Sendung „Lust aufs Leben - Kultur aus allen Richtungen“ ab 21.03 Uhr mit Michael Huemer auf dem Programm.

„So weit uns Spaniens Hoffnung trug“ hängt mit zwei Sendungen zusammen, die im Oktober ausgestrahlt wurden und sich mit dem Spanischen Bürgerkrieg beschäftigten - mehr dazu in 80 Jahre Spanischer Bürgerkrieg. Dieser ist vor 80 Jahren 1936 ausgebrochen und gilt noch immer als ein ganz besonderes bzw. hoch symbolisches Ereignis im kollektiven Gedächtnis.

Ein kurzer Vorgeschmack auf die kommende Sendung:

Muster des Zweiten Weltkrieges

Man könnte zwei Gründe dafür finden. Erstens, weil dieser Krieg als Muster oder Vorspiel des Zweiten Weltkrieges identifiziert werden kann, also als ein ideologischer Kampf zwischen Demokratie und Diktatur. Ein zweiter Beweggrund ist das lebhafte Echo, das die Tragödie und der Schmerz des spanischen Volkes in der ganzen Welt ausgelöst haben. Schriftsteller, Künstler, Politiker, aber auch einfache Bürger vieler Länder haben sofort erkannt, dass dieser Krieg kein gewöhnlicher Konflikt war. Spanien wurde für das Schlachtfeld gehalten, auf dem über die Zukunft entschieden würde.

Ein während der Schlacht von Guadalajara zerstörtes Wegwärterhäuschen

wikipedia.org/BArchBot

Ein während der Schlacht von Guadalajara zerstörtes Wegwärterhäuschen

Sendungshinweis

„Lust aufs Leben“, 27.11.16

Auch Österreich leistete seinen Beitrag

Die Mobilisierung Tausender Freiwilliger, die auf der Seite der Republik in den Reihen der Internationalen Brigaden kämpften, hat dabei eine ganz besondere Bedeutung erhalten. Auch Österreich hat seinen Beitrag geleistet. Nach Ausbruch des Krieges 1936 meldeten sich rund 1.400 österreichische Freiwillige zum bewaffneten Kampf an der Seite der spanischen Republik. Über 300 von ihnen bezahlten ihren Einsatz mit dem Leben. Sie fielen entweder noch während des Bürgerkrieges oder fanden danach im Widerstand gegen das NS-Regime, als Angehörige der alliierten Armeen, in deutschen Konzentrationslagern oder – in wenigen Fällen – in stalinistischen Gefängnissen den Tod.

Texte deutschsprachiger Autoren gesammelt

Über die Beweggründe und Hoffnung der freiwilligen Kämpfer im spanischen Bürgerkrieg geben zahlreiche Berichte und Erzählungen Auskunft. Der Einsatz bot den Intellektuellen, vor allem den Angelsächsischen, eine frische Brise reiner und unverfälschter Emotion im Gegensatz zu der erstickenden Selbstgefälligkeit zu Hause. Womöglich zogen etliche Freiwillige nicht zuletzt auf der Suche nach Abenteuer nach Spanien, doch die Selbstlosigkeit ihrer Motive steht außer Frage.

Der österreichische Schriftsteller Erich Hackl hat Texte von deutschsprachigen Autoren zusammengetragen. „So weit uns Spaniens Hoffnung trug“ lautet der Titel seiner Anthologie. Ein paar Worte zu seiner Person: Der im oberösterreichischen Steyr Geborene hat zunächst Germanistik und Hispanistik studiert. Seit 1983 ist er freier Schriftsteller und Übersetzer sowie Herausgeber von Werken unbekannter oder an den Rand gedrängter Schriftstellerinnen und Schriftsteller.

Erich Hackl

APA/Barbara Gindl

Erich Hackl

„In ein paar Jahren wird niemand mehr da sein, der mit den Ereignissen, die damals passierten, eigene Erfahrungen verbindet. Und wer den ersten langen, erbitterten und am meisten erregenden Abwehrkampf gegen den Faschismus, unter scheinbar völlig veränderten politischen Verhältnissen nach- und miterleben will, wird auf die unter dem Eindruck des Geschehens entstandene Literatur angewiesen sein. Sie gibt, genauer als ein Geschichtswerk, Auskunft über das, was die Menschen damals erhofft, was sie gewonnen und verloren haben, was möglich gewesen wäre.“

Zerstörung und menschliches Leid

Nicht nur über tapferen Heldenmut, auch über Zerstörung und menschliches Leid schreiben die Autorinnen und Autoren in diesem Buch. Während der Prager Schriftsteller Egon Erwin Kisch in seinem Beitrag durch das völlig leergeräumte Prado-Museum wandelt, schildert etwa die deutsche Schriftstellerin Maria Osten in allen grausamen Details, wie unter dem Bombenhagel in Madrid ganze Familien ausgelöscht werden. Osten ging 1933 ins Exil nach Moskau und war Spanien-Korrespondentin der „Deutschen Zentral-Zeitung“. Die DZZ war das in der sowjetischen Hauptstadt erscheinende deutschsprachige Organ der deutschen Sektion der Kommunistischen Internationale. 1941 wird sie vom NKWD, vom Innenministerium der UdSSR verhaftet und als angebliche Spionin zum Tod verurteilt. Sie wurde 1942 in Saratow erschossen.

Egon Erwin Kisch in Melbourne (1934)

wikimedia/Sam Hood

Egon Erwin Kisch (1934)

„Vorwärts, ihr Landarbeiter"

Der Schauspieler und Sänger Ernst Busch war 1933 aus Berlin zunächst nach Holland emigriert. Bis zum Herbst 1935 führten ihn Konzerte in mehrere europäische Länder. Danach folgte ein längerer Aufenthalt in der Sowjetunion. Stets sang Busch neben den bekannten Arbeiter- und Kampfliedern auch neu entstandene antifaschistische Stücke. Anfang Februar 1937 reiste er von Moskau über Paris nach Spanien, wo er sich bis Mitte Juli 1938 aufhielt und zum unermüdlichen Motor für das Singen in der spanischen Volksarmee, besonders in den Internationalen Brigaden, avancierte, mit Auftritten vor den Kämpfern, mit der Herausgabe von Liederbüchern und der Produktion von Schallplatten. Mit Kameraden der Interbrigaden und Orchester entsteht die Schellackaufnahme „Vorwärts, ihr Landarbeiter und „Stählerne Kompanien“ – „Adelante campesinos – las companias de acero“. Busch kam 1900 auf die Welt und wurde 80 Jahre alt.

Federico García Lorcas Vorahnung der Tragödie

Am 19. Juni 1936 las Federico García Lorca, der schon damals als einer der bedeutendsten Schriftsteller Spaniens galt, in Madrid sein eben vollendetes Stück „Das Haus der Bernarda Alba“ vor. Die letzten Sätze hätten wie eine Vorahnung der kommenden Tragödie erscheinen können. Da heißt es: „Dem Tod muss man ins Gesicht sehen. Tränen, wenn du allein bist. Wir alle tauchen in ein Meer von Tränen“. Zwei Monate später wird er von einer schwarzen Eskadron aus dem Bett in Granada geholt, aus dem Haus geschleppt und in einem Gefängniskeller eingesperrt. Am nächsten Abend wurde er mit anderen Gefangenen zum nahen Bergdorf Viznar gebracht und im Morgengrauen des 19. August erschossen.

Der junge Federico García Lorca (1914)

wikipedia/www.fotografias.net/22-10-2007/noticias/encuentran-fotografia-inedita-de

Gusti Stridsberg wurde als Auguste Mayer 1892 in Czernowitz in der Bukowina geboren. Sie ist als Journalistin und Sprachlehrerin der Kommunistischen Jugendinternationale in Moskau tätig, danach in Wien und in Genf. Sie war im Spanischen Bürgerkrieg ab Februar 1937 als Sanitätsgehilfin und Krankenpflegerin bei den Internationalen Brigaden in Albacete und Murcia tätig. Im Juni 1938 kommt sie nach Barcelona und emigriert ein Jahr später nach Schweden. Ihre Geschichte heißt „Die Stadt der Verwundeten“.

Lesung von Erich Hackl

Erich Hackl war Anfang Juli dieses Jahr im Linzer StifterHaus zu Gast und trug aus seinem Buch vor. Diese Lesung wurde mitgeschnitten, ergänzt wird sie mit Liedern aus dem Spanischen Bürgerkrieg und einem Interview mit dem Herausgeber.

Hier können Sie die Sendung nachhören:

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Michael Huemer; ooe.ORF.at

Buchtipp:

„So weit uns Spaniens Hoffnung trug“
Erzählungen und Berichte aus dem Spanischen Bürgerkrieg
Erich Hackl (Herausgeber)
400 Seiten, Rotpunktverlag, Zürich