Gebremstes Verfahren gegen KZ-Wächter

Seit eineinhalb Jahren soll die Justiz ein Verfahren gegen einen ehemaligen KZ-Wächter verschleppen, der in der Nähe von Eferding wohnt. Er soll Mitglied des SS-Totenkopfverbandes in Auschwitz gewesen und im Vernichtungslager Birkenau zwei Jahre lang Wächter gewesen sein.

Der gebürtige Donauschwabe war von November 1942 bis November 1944 Mitglied des SS-Totenkopf-Sturmbannes Auschwitz. Das bestreitet der 90-Jährige laut einem Bericht des „Kurier“ (Mittwoch-Ausgabe) auch gar nicht. Die Frage ist aber, ob der Mann auch an dem industriellen Massenmord in Auschwitz-Birkenau beteiligt war.

Kein Dienst innerhalb des Vernichtungslagers?

Er selbst habe als Zeuge beim letzten Frankfurter Auschwitzprozess gesagt, dass er immer Dienst in der „großen Postenkette“ beim Lager Birkenau versehen habe. Dabei handelte es sich um eine Wachkette außerhalb des Lagers, die vor allem den Auftrag hatte, entflohene KZ-Insassen zu fangen. Innerhalb des Vernichtungslagers will der Mann jedoch nie Dienst versehen haben.

Zäune, Bauruinen und Kamine ehemaliger Holzbaracken im KZ Auschwitz-Birkenau

Gerald Lehner

Doch die Kompanie, in der der Oberösterreicher Dienst versah, sei fester Bestandteil des Stammpersonals gewesen, heißt es in dem Bericht. Die Angehörigen der Wachmannschaften seien in einem rotierenden System an der Rampe eingesetzt worden. Der Name des 90-Jährigen finde sich übereinstimmend in mehreren Listen über das KZ-Personal. Er werde zudem in einer Kriegsverbrecherliste der Alliierten geführt, und zwar mit dem Verweis: Folter.

Fall liegt bei der Justiz

Die Rolle des Oberösterreichers in der NS-Vernichtungsmaschinerie wäre eigentlich durch die Justiz zu klären. Doch seit einer Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft Wels im Februar 2012 sei lediglich ein Gutachten über die Verhandlungsfähigkeit des Mannes in Auftrag gegeben worden. Jetzt liege der Fall im Justizministerium in Wien. Zum Ergebnis des Gutachtens gebe es keine inhaltliche Auskunft. Laut „Kurier“ liegt der Verdacht nahe, dass die Strafverfolgungsbehörde auf einen „biologischen Ausgang“ des Verfahrens spekuliert.

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