Ex-Polizeichef Guatemalas vor Gericht

In Ried im Innkreis steht nach dem Oma-Mord-Prozess heute die nächste spektakuläre Verhandlung auf dem Plan: der ehemalige stellvertretende Polizeichef Guatemalas, Javier Figueroa, ist angeklagt. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm mehrfachen Mord vor.

Es ist ein in allen Facetten ungewöhnlicher Prozess, der da heute im Innviertel startet. Vor dem Richter steht ein Guatemalteke aus Mittelamerika wegen einer Straftat, die er vor sieben Jahren in Guatemala begangen haben soll. Eine außergewöhnliche Situation, die außergewöhnliche Begleitmaßnahmen fordert. So wurden etwa 10.000 Seiten spanischer Text übersetzt, 32 Stunden Videomaterial gesichtet, sieben Dolmetscher beschäftigt.

Von Guatemala geflüchtet

Der angeklagte Javier Figueroa war bis 2006 stellvertretender Polizeichef Guatemalas. Dann soll er bei der Ermordung von sieben Häftlingen in einem guatemaltekischen Gefängnis beteiligt gewesen sein. Danach flüchtete er mit seiner Familie nach Österreich und bekam hier politisches Asyl.

Prozess Guatemala am LG Ried/Innkreis

Daniel Scharinger

Im Innviertel untergetaucht

Vier Jahre lang lebte der eigentlich studierte Arzt im Innviertel und arbeitete zeitweise als Pfleger in einem Altenheim in Schärding. Im April 2011 dann die Wende: Guatemala beantragte die Auslieferung Figueroas - eben wegen dieser angeblichen Beteiligung an 7 Häftlingsmorden. Doch diese Auslieferung lehnte das Oberlandesgericht Linz ab. Begründung: in seiner Heimat drohe Figueroa kein fairer Prozess.

Urteil in vier Wochen

Sein Anwalt Benno Wageneder wird heute am ersten Prozesstag auf unschuldig plädieren. Es gebe keine handfesten Beweise, dass sein Mandant tatsächlich am Tatort gewesen sei, sagt der Anwalt. Sollte Figueroa in Ried verurteilt werden, dann drohen ihm laut einem Sprecher des Landesgerichtes Ried zehn bis 20 Jahre oder sogar lebenslängliche Haft. Der Prozess wird mehrere Wochen dauern. Ein Urteil soll es am 8. Oktober geben.

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