Brisantes Gutachten nach Tod von 17-Jähriger

Nach dem Tod einer 17-Jährigen in der Landesnervenklinik Wagner-Jauregg ist dem ORF ein Gerichtsgutachten zugespielt worden. Demnach wurde im Blut der Toten eine erhöhte Konzentration eines Narkosemittels festgestellt.

Die Konzentration des Narkosemittels im Blut lag um ein Vielfaches über dem als therapeutisch betrachteten Bereich, heißt es in dem Gutachten. Ein Toxikologie-Experte, der nicht namentlich genannt werden will, hält diese Formulierung noch für untertrieben und vermutet eine tödliche Überdosierung an der Linzer Nervenklinik. Die gemessene Methohexital-Konzentration im Blut lag über 30 Milligramm pro Liter.

Außerdem werde das Narkosemittel Methohexital in anderen Spitälern kaum mehr verwendet und jedenfalls nicht bei traumatisierten möglichen Missbrauchsopfern angewandt. Die Staatsanwaltschaft, die derzeit noch wegen Verdachts der fahrlässigen Tötung gegen unbekannte Täter ermittelt, müsse wohl bald konkrete Ermittlungsschritte setzen, so der Toxikologie-Experte.

„Unerwartete Überempfindlichkeit“

Methohexital

Methohexital ist ein schnell wirkendes Anästhetikum, das oft zur Beruhigung und Schmerzausschaltung verwendet wird - mehr dazu in Wikipedia (Englisch).

Werner Schöny, Leiter der Landesnervenklinik, geht hingegen nicht von einem ärztlichen Fehler aus, sondern von einer unerwarteten Überempfindlichkeit der Patientin. Der möglicherweise durch diese Überempfindlichkeit ausgelöste Leberschaden der 17-Jährigen wäre laut dem Anästhesisten des Wiener AKH, Harald Andel, auch eine logische Erklärung für die hohe Narkosemittel-Konzentration im Blut der Patientin.

Von der Staatsanwaltschaft heißt es nur, das abschließende medizinische Gutachten über die Todesursache liege noch nicht vor.

In therapeutischen Tiefschlaf versetzt

Das Mädchen starb im Mai in der Landesnervenklinik im Tiefschlaf. Es sei nach mehreren Suizidversuchen in einen therapeutischen, künstlichen Tiefschlaf versetzt worden. Damit habe man sie schützen wollen, so der Spitalsbetreiber gespag. Man habe sie zwar auf Schritt und Tritt beobachtet, zuletzt hätten diese Maßnahmen jedoch nicht mehr ausgereicht. Die vom Krankenhaus vorgenommene Obduktion ergab ein Leberversagen als Todesursache.

Gequält und missbraucht?

Das Mädchen hatte sich Anfang September vergangenen Jahres einer Betreuerin im Spital anvertraut und angegeben, jahrelang von ihren Großeltern und zwei Nachbarn, darunter ein pensionierter Richter, gequält und sexuell missbraucht worden zu sein. Daraufhin wurde Anzeige gegen die vier Personen erstattet und Untersuchungshaft über die Verdächtigen verhängt.

Im Oktober kamen sie wieder auf freien Fuß, nachdem das mutmaßliche Opfer immer mehr Widersprüche in den Einvernahmen aufwarf sowie Gutachten von Sachverständigen erstellt wurden. Der Anwalt des verdächtigten Richters sprach von „bedauerlichen Sexualfantasien eines psychisch kranken Mädchens“. Die Eltern und die Anwältin sind hingegen nach wie vor von der Erlebnisfundiertheit der Schilderungen des Mädchens überzeugt.

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