Arzt darf aus Dubai heimkehren

Nach langem Tauziehen auf diplomatischem Parkett darf jener Arzt aus Bad Ischl, der in Dubai wegen Mordes angeklagt ist, aus humanitären Gründen vorübergehend nach Österreich zurückkehren.

Das gab Außenminister Michael Spindelegger (ÖVP) am Dienstag am Rande des Ministerrats bekannt. Grund für die Ausreiseerlaubnis ist, dass die Frau des Arztes in Österreich schwer krank ist. Der Mediziner soll am Mittwochnachmittag gemeinsam mit der Chefin der Rechtsabteilung im Außenministerium, Elisabeth Ellison-Kramer, in Österreich landen.

Fortschritte bereits am Montag

„Wir sind gerade dabei, die Flüge zu buchen“, sagte der Sprecher des Außenministerium, Peter Launsky-Tieffenthal. Ellison-Kramer war seit vergangener Woche zur Unterstützung des Mediziners in Dubai. Fortschritte auf diplomatischer Ebene hatten sich bereits am Montag abgezeichnet.

Ischler Arzt in seiner Wohnung in Dubai

ORF

Der Bad Ischler Arzt auf dem Balkon seiner Wohnung in Dubai

Die Aussagen von Pfleger und Schwestern seien für den Ischler „sehr gut“ gewesen, denn sie hätten angegeben, keinerlei Anordnungen von ihm persönlich erhalten zu haben. Lediglich der dritte Zeuge, ein Arzt, „war nicht so ganz auf meiner Seite, doch er hat seinen Standpunkt überhaupt nicht wissenschaftlich fundieren können“, so der Oberösterreicher am Montag.

Dennoch zeigte er sich skeptisch: „Ich bin einfach schon so weit, dass ich irgendwelchen Signalen, Halbversprechungen keinen Glauben mehr schenke.“ In Dubai sage kaum jemand klar Nein, sondern alle Halbzusagen und Versprechungen verliefen im Sand. Er sei inzwischen schon pessimistisch und befürchte, dass der Prozess bis zum Ende durchgezogen werde, so der Arzt aus Bad Ischl.

Vorwurf: Patient nicht wiederbelebt

Dem Ischler wird gemeinsam mit einem indischen Kollegen der Tod eines querschnittgelähmten Patienten durch Unterlassung von Hilfeleistung und die Gabe einer hohen Dosis Opiate im Februar 2009 im Raschid-Spital in dem arabischen Emirat vorgeworfen. Der Oberösterreicher soll eine Order ausgegeben haben, dass der Kranke im Falle eines Herzstillstands nicht wiederbelebt werden soll. Der indische Kollege war der diensthabende Arzt, als der Patient einen Herzinfarkt erlitt.

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Laut Angeklagtem war der Inder zu diesem Zeitpunkt mit einem weiteren Patienten beschäftigt und hatte daher keine Zeit, den gelähmten Patienten zu reanimieren. Der Ischler sei zum Zeitpunkt des Todes bereits seit 36 Stunden nicht mehr im Krankenhaus gewesen. Während der österreichische Mediziner von seinem jetzigen Arbeitgeber im Al-Ain-Spital in Abu Dhabi suspendiert wurde, darf der mitangeklagte Inder laut österreichischem Arzt weiterhin auf der Station im Raschid-Spital Dienst versehen.

Keine Garantie für Rückkehr

Die Justizbehörde in Dubai verlangte im Vorfeld der Verhandlungen über die vorübergehende Ausreise eine Bürgschaft von Österreich, den Bad Ischler für seinen Prozess wieder auszuliefern. Das konnte aus rechtlichen Gründen nicht garantiert werden, weil die Republik keine Staatsbürger ausliefern darf.

„Vom Außenministerium gibt es keine Garantie, dass er wieder nach Dubai zurückkehrt“, sagte Alexander Schallenberg, Sprecher von Außenminister Michael Spindelegger (ÖVP). Der Mediziner hatte jedoch selbst immer wieder betont, dass er seine Schuldlosigkeit beweisen und für seine Rehabilitierung kämpfen möchte.

Gespräch mit dem ORF Oberösterreich

Im Gespräch mit dem ORF Oberösterreich sagte der Arzt, dass er bereits am Packen für die Heimreise sei. Am Mittwochvormittag könnte er schon in Oberösterreich sei. Die einzige Auflage für seine Heimreise sei, dass er beim nächsten Prozesstermin am 16. Oktober wieder in Dubai sein müsse. Für ihn sei fix, dass er an diesem Tag wieder in Dubai sein werde, so der Ischler.

Über den Gesundheitszustand seiner Frau wisse der Mediziner nur, dass sie wieder ins Krankenhaus eingeliefert wurde: „Ich hoffe, dass ich in den nächsten zwei, drei Wochen diese Sache hier herunten mental ausblenden und mich wirklich hundertprozentig meiner Familie widmen kann. Das ist jetzt das Wichtigere.“

Nur noch für Verhandlungstermine nach Dubai

Am 16. Oktober werde die Angelegenheit vor Gericht aber noch lange nicht ausgestanden sein: „Es sieht aber so aus, als wäre das Abkommen so, dass ich nur noch zu den Verhandlungsterminen nach Dubai muss“, so der Oberösterreicher im Telefonat mit dem ORF Oberösterreich.

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Die Chronologie der Ereignisse

  • Februar 2009: Der österreichische Mediziner hat laut Behörden gemeinsam mit seinem 49-jährigen indischen Kollegen im Raschid-Spital in Dubai einen Patienten durch Unterlassung von Hilfeleistung sowie eine hohe Dosis Morphium getötet - und außerdem eine Order ausgegeben, dass der Kranke im Falle eines Herzstillstands nicht wiederbelebt werden soll. Der Ischler bestreitet das und gibt an, zu diesem Zeitpunkt bereits seit 36 Stunden nicht mehr im Krankenhaus gewesen zu sein. Auch der Inder war laut Oberösterreicher zu diesem Zeitpunkt mit einem weiteren Patienten beschäftigt und hatte daher keine Zeit, den gelähmten Patienten zu reanimieren.
  • Mai 2010: Dem Bad Ischler wird der Pass abgenommen, er darf die Vereinigten Arabischen Emirate nicht mehr verlassen.
  • 17. Juli 2011: Der Prozess wird in Dubai eröffnet. Sowohl der Österreicher als auch sein indischer Kollege bekennen sich nicht schuldig.
  • 7. August 2011: Eine weitere Verhandlung wird auf den 7. September vertagt. Wie erwartet dauert der Termin wegen des Fastenmonats Ramadan nicht lange. Jetzt muss der 50-jährige Oberösterreicher einen weiteren Monat warten - zudem darf der Mediziner, dessen Ehefrau schwer krank ist, weder arbeiten noch ausreisen.
  • 7. September 2011: Der Prozess wird abermals vertagt. Alle fünf Zeugen der Anklage, die gegen den Arzt aus Oberösterreich hätten aussagen sollen, bleiben der Verhandlung unentschuldigt fern.
  • 10. September 2011: Ein Expertenteam des Außenministeriums trifft in den Vereinigten Arabischen Emiraten ein. Geplant sind Gespräche mit hohen Vertretern aus Politik, Gesundheit, Medizin und Justiz, um den Angeklagten vorübergehend zu seiner schwer kranken Frau nach Österreich ausreisen zu lassen.
  • 25. September 2011: Endlich kann der Prozess fortgesetzt werden - drei von fünf geladenen Zeugen erscheinen und geben ihre Aussagen zu Protokoll. Der Oberösterreicher sieht dennoch wenig Hoffnung auf eine baldige Ausreise nach Österreich.
  • 27. September 2011: Durchbruch bei den diplomatischen Verhandlungen: Der Arzt aus BadIschl erhält nun doch die Erlaubnis, zu seiner schwer kranken Frau nach Österreich heimzukehren. Das Außenministerium gibt keine Garantie ab, dass der Arzt nach Dubai zurückkehrt.