Ein großer Parkplatz auf dem nur zwei Autos stehen, daneben ein Acker.
APA/HELMUT FOHRINGER
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UMWELT

Bodenverbrauch: Keine Einigkeit bei Berechnungsmethoden

Immer wieder ist in Oberösterreich in der Vergangenheit über die genauen Zahlen zum Thema Bodenverbrauch diskutiert worden. Erstmals kann nun Oberösterreich mit anderen Bundesländern verglichen werden.

Lange ist das Bundesland Oberösterreich immer wieder wegen seines Bodenverbrauchs kritisiert worden. Die genauen Zahlen sollen nun vergleichbar sein: „Wir, die Bundesländer, der Gemeindebund und der Städtebund haben die sogenannte Österreichische Raumordnungskonferenz als Verein gegründet. Dort haben wir eine Geschäftsstelle mit Mitarbeitern. Diese haben für das gesamte Österreich nach selben Kriterien die Daten ermittelt“, so Raumordnungslandesrat Markus Achleitner (ÖVP).

Versiegelte Fläche entspricht einem OÖ-Bezirk

Eines zeigen die Zahlen: In etwa die Fläche des gesamten Bezirks Grieskirchen ist in Oberösterreich mittlerweile versiegelt. Vergleicht man das mit der theoretisch nutzbaren Fläche für Siedlungen, liegt Oberösterreich im Bundesländervergleich an dritter Stelle.

Die besten Werte haben in diesem Punkt das relativ dünn besiedelte Burgenland, aber auch das größte Bundesland Niederösterreich. Den schlechtesten die Bundeshauptstadt Wien.

Unterschiedliche Berechnungen

Rechnet man die versiegelte Fläche pro Einwohner sieht das Bild plötzlich ganz anders aus. Auf dieser Grundlage ist die dicht besiedelte Stadt Wien plötzlich der Musterschüler. Dort leben auf relativ wenig Fläche viele Menschen. Oberösterreich befindet sich in dieser Statistik im Bundesländervergleich im hinteren Mittelfeld.

Unklar ist, ob diese Platzierung für den verantwortlichen Landespolitiker Markus Achleitner (ÖVP) schon gut genug ist, oder ob Oberösterreich beim Flächenverbrauch nachbessern kann. Achleitner sagt: „Das Ziel ist so sparsam wie möglich mit Grund und Boden umzugehen. Aber umgekehrt trotzdem auch eine positive Entwicklung Oberösterreichs sicher zu stellen.“

Werte nicht vergleichbar

Aber auch nach der Neuberechnung durch die Österreichische Raumordnungskonferenz dürften die unterschiedlichen Betrachtungsweisen über den Bodenverbrauch nicht enden. Denn man berechnet mit zweierlei Maß: während Achleitner vor allem die Entwicklung des gewidmeten Baulandes und der Baulandreserven als Maßstab heranzieht, bezieht sich die Kritik des WWF an Oberösterreich vor allem auf den gesamten Bodenverbrauch, also inklusive Straßen, Parkplätze oder Freizeiteinrichtungen.

Argumentiert werden kann mit beiden Werten – mit der Baulandwidmung oder dem Gesamtverbrauch, sagt etwa das Umweltbundesamt. Nur vergleichen könne man beide Berechnungen miteinander nicht. Und damit wird die Diskussion wohl weitergehen.

Grüne: „OÖ Raumordnungsgesetz nicht ausreichend“

Man begrüße die neuen Berechnungsmodelle, dass Daten der öffentlichen Verwaltung, die bisher getrennt voneinander vorlagen, zusammengeführt und gemeinsam mit modernen Methoden der Geoinformation und Fernerkundung ausgewertet werden, so Umweltlandesrat Stefan Kaineder (Grüne). Man sehe aber immer wieder, dass das OÖ Raumordnungsgesetz nicht ausreichend sei. Wünsche von Millionären und Investoren würden oftmals wichtiger als andere Interesse scheinen, so Kaineder.

Interessant sei auch, dass Landesrat Markus Achleitner (ÖVP) das 2,5-Hektar-Ziel zum Grünen ideologischen Ziel erklären wolle, so Kaineder. Bereits 2002 sei aber von der schwarz-blauen Bundesregierung unter Wolfgang Schüssel erstmals als Ziel festgelegt worden, der Landwirtschaft maximal 2,5 Hektar pro Tag zu entziehen. Mittlerweile würde man dieses Ziel mit rund zwölf Hektar pro Tag immer noch um das Fünffache überschreiten, so Kaineder.

Auch die Meinung der Bürgerinnen und Bürger sei mittlerweile eindeutig, wie eine am Freitag von der Hagelversicherung veröffentlichte market-Umfrage zeige, so Kaineder. 88 Prozent der Befragten würden eine Zunahme von Überschwemmungsschäden sehen, und 85 Prozent kritisieren die „Verschandelung des Landschaftsbildes“.