JKU Campus West: Computerbild von Gebäude innen, lichtdurchflutet mit verschiedenen Ebenen
querkraft/patricia bagienski
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Bildung

Wieder Aufregung um Digital-Uni

Die neue TU-Linz muss die für Dienstag und Donnerstag geplanten Hearings für die Suche nach seinem Gründungspräsidenten verschieben. Gerald Bast, Rektor der Universität für Angewandte Kunst, legte sein Mandat im Gründungskonvent wegen zahlreicher Befangenheiten und „zurückgebliebener inhaltlicher Dimension“ zurück.

Ursprünglich haben sich 15 Personen für die Stelle als Gründungspräsident des IDSA (Institute of Digital Sciences Austria) beworben, darunter der scheidende Rektor der Johannes Kepler Universität (JKU) Linz, Meinhard Lukas. Acht hätten sich den Hearings im neunköpfigen Gründungskonvent stellen sollen – dieser wählt den Gründungspräsidenten. Durch das Ausscheiden eines Mitglieds seien die Beschlussvoraussetzungen nicht mehr gegeben, hieß es aus dem Konvent. Einen neuen Sitzungstermin könne man erst nach einer Nachnominierung durch das Bildungsministerium festlegen.

Befangenheit bei mindestens drei Mitgliedern

„Mindestens drei der neun Mitglieder sind oder waren befangen“, begründete Bast seinen Rückzug. So ist etwa der Vizerektor der JKU, Christopher Lindinger, Mitglied im Konvent und müsste etwa über Lukas mitentscheiden. Ähnliche Bedenken gebe es auch bei anderen Personen bzw. Kandidaten. „Da es so zu einem Rumpfkonvent käme, halte ich es nicht für gut, dass ich da weiter mitwirke“, so Bast. Ein neuer Präsident oder eine neue Präsidentin müsse das Institut von Grund weg aufbauen. „Da braucht es eine Person, die die volle Unterstützung eines Expertinnen- und Expertengremiums hat.“

Nie über Inhalte gesprochen

Bast bedauerte auch, dass man nie dazu gekommen sei, auch über Inhalte zu reden. „Wir haben nie über Studien oder die Ausrichtung gesprochen.“ Stattdessen sei immer wieder auf Konzeptpapiere verwiesen und die technische Ausrichtung betont worden. Es sei auch unwidersprochen geblieben, dass man primär mehr Studierende in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) anlocken müsse.

„Digitale Transformation ist aber mehr als mehr Studierende in MINT-Fächern.“ Insgesamt sei die „inhaltliche Dimension zurückgeblieben“, bedauerte Bast. Er sei ursprünglich mit „großer Begeisterung“ in das Projekt gegangen. „Ich glaube aber nicht, dass es so weitergehen kann.“

Ministerium will schnell nachnominieren

„Wir haben die Funktionszurücklegung des Konventsmitglieds sowie die daraus resultierende Verschiebung der weiteren Schritte zur Kenntnis genommen“, betonte man im Ministerium. „Wir werden selbstverständlich so schnell wie möglich nachnominieren, damit es weiterhin zu keinen Verzögerungen kommt.“

Viele offene Punkte vor Start im Herbst

Das IDSA (früherer Arbeitstitel: Technische Universität Linz) soll bereits im Herbst seinen Betrieb aufnehmen. Davor muss sich aber der noch zu bestellende Gründungspräsident in Zusammenarbeit mit dem Gründungskonvent auf die Suche nach Professorinnen und Professoren machen. Unklar sind auch noch Forschungsschwerpunkte und Studienangebote – diese müssen erst entwickelt werden.

„Jetzt ist es wichtig, offene Fragen rasch zu klären“

Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) war um Beruhigung bemüht: „Bei einem Jahrhundertprojekt, wie der Neugründung einer einzigartigen Universität, wird es immer wieder Herausforderungen geben“, meinte er in einer schriftlichen Stellungnahme. Wichtig sei, „dass jetzt alle offenen Fragen rasch geklärt werden“, damit die Arbeit im Gründungskonvent weiter gehen könne. „Wir in Oberösterreich werden alles dazu beitragen, damit das zuständige Wissenschaftsministerium und der Gründungskonvent rasch zu einer Entscheidung kommen.“

„Hätte man auch zügiger haben können“

Dienstagfrüh sagte er gegenüber dem ORF Oberösterreich: „Es ist natürlich bedauerlich, dass der Zeitplan jetzt nicht eingehalten werden kann. Ein bisschen verwundert bin ich allerdings, dass man so lange gebraucht hat, bis man festgestellt hat, wer befangen ist. Ich kann verstehen, dass man jetzt zu dieser Entscheidung gekommen ist. Ich glaube aber, das hätte man auch zügiger haben können.“

Am ohnehin engen Zeitplan will Stelzer festhalten: „Ich glaube, man muss aus heutiger Sicht daran festhalten, denn es kann niemand Interesse daran haben, dass sich dieses große Projekt verzögert. Und ich hoffe, dass alle Beteiligten auch wissen, welche Verantwortung sie hier tragen.“