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Linz AG baut größte Wärmepumpe Österreichs

Der Ukraine-Krieg und der Klimawandel veranlassen die Linz AG jetzt, aufs Tempo zu drücken. Die Landeshauptstadt soll schneller als geplant deutlich unabhängiger von Erdgas werden. Gelingen soll das mit dem größten Rauchgas verwendenden Wärmewandler des Landes.

Ursprünglich war der Wärmewandler frühestens in fünf Jahren geplant. Jetzt will die Linz AG aber nicht mehr länger zuwarten. Die geopolitische Lage sei ebenso ein Grund, Projekte vorzuziehen, wie der Weltklimabericht. „Besser früher als später“ will die Linz AG die Versorgungssicherheit erhöhen und über einen größeren Anteil erneuerbarer Energie bei der Fernwärme die Preise für das Heizen stabil halten. Im Kraftwerkspark an der Linzer Industriezeile entsteht daher um 30 Millionen Euro eine neue Wärmepumpe, die Wärme aus Rausgas verwendet – in einer Größe, wie es sie in Österreich bisher gar nicht und in Europa noch kaum gibt.

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Reststoffheizkraftwerk der Linz AG

Energie aus Windeln

Die Anlage wandelt bisher ungenutzten Wasserdampf aus bestehenden Biomasse- und Reststoffkraftwerken in Energie um. Es ist Dampf, der etwa beim Verbrennen von Hausmüll wie Windeln und Joghurtbechern sowie Klärschlamm entsteht. Mit der Wärmepumpe kann diese bisher verpuffte Restenergie genutzt werden. Das erhöht den Anteil an erneuerbarer Energie bei der Fernwärmeerzeugung der Linz AG um 10 Prozent und spart mehr als 15 Millionen Kubikmeter Erdgas. Laut Generaldirektor Erich Haider fallen 30 Prozent des jetzt eingesetzten Erdgases weg. Mit der neuen Wärmepumpe können 13.000 Wohnungen von Erdgas auf Fernwärme umgestellt werden.

Baustart für das technisch herausfordernde Großprojekt soll nach zwei Jahren Planungszeit sein. An das Netz gehen soll die Anlage dann in fünf Jahren. Endgültig beschließen will die Linz AG den Bau im Herbst. Große Hoffnungen auf EU-Fördergelder mache man sich trotz aktuell entsprechender Zusagen wenig. Die Anlage werde gebaut, ob mit oder ohne Förderungen. Beantragen wolle man diese aber, sofern sie ausgeschrieben seien. Das große Ziel der Linz AG sei, dass 2035 die eigens produzierte Fernwärme zu 80 Prozent aus erneuerbaren Energiequellen komme.

Ähnliches Großprojekt in Wien

Dass Wärmepumpen eine Schlüsseltechnologie darstellen, zeigt der Wettlauf um derartige Großprojekte, Die Wien Energie verweist darauf, dass sie bereits mit dem Bau der größten Anlage Mitteleuropas begonnen hat. Sie soll bereits kommendes Jahr 50.000 Haushalte versorgen können und viermal so leistungsstark sein, wie das Linzer Projekt. In der Vollausbaustufe sollen doppelt so viele Haushalte von der Ökoenergie profitieren. 2027 plant die Wien Energie das Projekt abzuschließen. Also zum selben Zeitpunkt, an dem auch die mit Rauchgas arbeitende Anlage der Linz AG ihre Arbeit aufnimmt.

Enormer Ansturm Wechselwilliger

Immer mehr Menschen wollen sich mit erneuerbarer Energie versorgen. Die Linz AG erlebe derzeit einen nie dagewesenen Ansturm Wechselwilliger. Man gehe in Anfragen unter, so Haider. Pro Tag gebe es 20 neue Anträge auf Fernwärmeanschlüsse. Bei Photovoltaik würden die Anschlüsse noch deutlich stärker explodieren. Normalerweise seien es 2.000 im Jahr, jetzt stehe die Linz AG nach den ersten vier Monaten heuer bereits bei 10.000 Anträgen.