LKW
ORF OÖ
ORF OÖ
Wirtschaft

Auch Steyr Automotive setzt Produktion aus

Nachdem im BMW-Motorenwerk Steyr wegen fehlender Teile aus der Ukraine noch am Ende dieser Woche der Stillstand droht, muss nun auch Steyr Automotive ab Donnerstag die Produktion einstellen. Grund sind die Lieferprobleme bei Kabelbäumen.

Die wirtschaftlichen Folgen des russischen Angriffs auf die Ukraine nehmen auch in Oberösterreich drastisch zu. Weil dringend benötigte Teile aus der Ukraine nicht mehr geliefert werden können, muss auch Steyr Automotive die Notbremse ziehen. Das LKW-Werk hat ja vergangenes Jahr der Investor Siegfried Wolf von MAN gekauft, für den derzeit Lohnfertigungen gemacht werden. Betroffen sei auch der gesamte MAN-Konzern. Wolf verfügt über gute Kontakte nach Russland und zu dessen Herrscher Wladimir Putin. 2.100 Menschen arbeiten für Steyr Automotive, zuletzt in Kurzarbeit. Ab morgen Donnerstag bis vorerst inklusive Dienstag ruht nun die gesamte Produktion.

Von den Problemen mit den Kabelbäumen sei der gesamte MAN-Verbund, für den Steyr Automotive Auftragsfertigung mache, betroffen, hieß es aus dem Unternehmen. Bereits zuvor hatte Steyr Automotive die Verlängerung der mit Ende Februar auslaufenden Kurzarbeit um vier Monate bis Ende Juni beantragt. Diese stehe aber in Zusammenhang mit der Halbleiter-Krise, nicht mit dem Ukraine-Krieg, betonte eine Sprecherin. Am Mittwoch will man wieder produzieren, eine mittelfristige Perspektive sei aber schwierig.

Taskforce bei BMW eingesetzt

Schon zuvor war bekanntgeworden, dass auch das BMW-Werk in Steyr vorübergehend seine Produktion stoppt. Die Ausfälle in der ukrainischen Zulieferindustrie führen nicht zu ersten Ausfällen. Deshalb sucht bei BMW jetzt eine Art „Taskforce“ nach alternativen Lieferquellen. Im Gespräch mit dem ORF Oberösterreich berichtete der Vorsitzende des Arbeiterbetriebsrats, Andreas Brich, von gemeinsamen Bemühungen mit der Unternehmensführung.

Um gut über die Runden zu kommen, werde nach anderen Lieferanten gesucht. Das Hauptproblem für die Weiterführung der Motorenproduktion in Steyr soll der Lieferausfall bei Kabelbäumen sein, die in der Ukraine gefertigt werden. Die Lieferausfälle aus der Ukraine betreffen vor allem Dieselmotoren, andere Antriebe könnten derzeit noch hergestellt werden, so Brich. 2020 wurden in Steyr laut BMW 393.700 Diesel- und 603.000 Benzinmotoren produziert.

Kurzarbeit für 3.200 Mitarbeiter

Wie es im Werk in Steyr konkret weitergeht, werde jetzt von Woche zu Woche entschieden. Ein Ein-Schicht-Betrieb soll vermutlich in der kommenden Woche möglich sein. Letztlich müsse hier aber auch immer tagesaktuell entschieden werden, so der Betriebsrat. Inklusive Leiharbeitskräften sind am BMW-Standort Steyr rund 4.400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt. 3.200 wurden jetzt zur Kurzarbeit angemeldet. 900 Mitarbeiter wurden schon Anfang September wegen des Chip-Mangels zur Kurzarbeit angemeldet.

Auf die weitere Entwicklung angesprochen sagte Brich, dass er die Sorge um den Bestand der Arbeitsplätze im Hinterkopf habe. Er hofft aber auf eine generelle Lösung mit den Sozialpartnern, da wohl viele Industriebereiche von Lieferausfällen betroffen sein werden.