Heimbewohner gemeinsam an einem Tisch
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Coronavirus

Diskussion über Impfpflicht in Heimen

Die Impfpflicht wird derzeit gerade in Alters- und Pflegeheimen unter Beschäftigten heiß diskutiert. Gerade in diesem sensiblen Bereich gehen die Meinungen dazu teils weit auseinander.

Unter der Oberfläche dürfte es in den Alters- und Pflegeheimen inzwischen gewaltig brodeln. Christian Jedinger von der Gewerkschaft younion sagt: „Durch die Ankündigung der Impfpflicht als gesetzliches Vorhaben ist nochmals Brisanz reingekommen. Wir bekommen ständig Berichte, dass, wenn es einen Coronafall in einem Heim gibt, die Ungeimpften in Quarantäne gehen, die Geimpften im Dienst bleiben und dadurch eine höhere Belastung haben. Hier entstehen Rahmenbedingungen, die Konflikte fördern.“

„Man kann nicht mit der Impfpflicht drüberfahren“

Es gebe Heime, wo rund 30 Prozent der Pflegekräfte nicht geimpft seien, so Jedinger. In den Heimen in Linz sind es im Schnitt 20 Prozent. Die angekündigte Coronavirus-Impfpflicht für alle müsse man sich arbeitsrechtlich noch genau ansehen, heißt es von Vizebürgermeisterin Karin Hörzing (SPÖ).

Die Gewerkschaft warnt, so Jedinger: „Wenn man sicherstellen will, dass die Einrichtungen gut funktionieren und die Heimbewohner gut versorgt werden, dann muss man sich die Mühe machen und für das Impfen werben. Da kann man nicht mit der Impfpflicht drüberfahren. So gern man das vielleicht als Politik gern machen würde, weil es Klarheit schafft. Aber die Heime funktionieren dann nicht mehr.“ Denn neben Covid-19 gebe es ja auch noch einen eklatanten Mangel an Pflegekräften, so Jedinger.

Besuchsverbot in Linzer Heim

Und in einem Seniorenzentrum im Linzer Franckviertel ist nach einem Coronavirus-Ausbruch ein Besuchsverbot verhängt worden. Betroffen sind 20 Bewohner und 17 Mitarbeiter. Zwei Bewohner liegen im Krankenhaus, zwei weitere sind bereits verstorben.

Vorwurf des Mobbings

Laut Soziallandesrat Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) sind am Donnerstag Vorwürfe publik worden, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eines oberösterreichischen Alten- und Pflegeheims gemobbt und ausgeschlossen werden, weil sie geimpft seien. Hattmannsdorfer habe die Heimaufsicht des Landes mit der Prüfung der Vorwürfe vor Ort beauftragt, so die Information in einer Aussendung am Donnerstagnachmittag. Noch am Donnerstag soll es zu einem Besuch in der betroffenen Einrichtung kommen, um sich ein genaues Bild zu machen und allfällige rechtliche Konsequenzen zu prüfen, so Hattmannsdorfer.

Verpflichtendes Impfgespräch

Der Soziallandesrat kündigt an, dass die verpflichtenden Impfgespräche mit ungeschützten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vorgezogen werden. Um bei CoV nach vorne zu kommen, sei die Impfung die Lösung, so der ÖVP Politiker. Es brauche daher mehr Aufklärung und keine Spaltung. Gerade der Gesundheits- und Pflegebereich trage eine besondere Verantwortung, da es um den Schutz unserer Liebsten gehe, so Hattmannsdorfer.