Wahlurne
APA/dpa/Monika Skolimowska
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Wahl21

Stichwahlen bringen zahlreiche Überraschungen

Einige Überraschungen hat der mit Spannung erwartete Stichwahl-Sonntag in Oberösterreich gebracht. In großen Städten ist das Amt des Bürgermeisters politisch neu gefärbt. In der Landeshauptstadt Linz bleibt Klaus Luger erwartungsgemäß Bürgermeister.

In den Bezirkshauptstädten Vöcklabruck, Freistadt, Schärding und Eferding verlieren die ÖVP-Bürgermeister ihr Amt an SPÖ-Herausforderer. Jedes dritte ÖVP-Ortsoberhaupt, das in die Stichwahl musste, ist unterlegen. In Grieskirchen, Perg und Ried im Innkreis hingegen haben sich die ÖVP-Bürgermeister behaupten können.

In der traditionell roten Stadt Traun hat sich der ÖVP-Herausforderer durchgesetzt. In Linz bleibt Klaus Luger erwartungsgemäß Bürgermeister. Er erhielt 73,1 Prozent der Stimmen, sein ÖVP-Kontrahent Vizebürgermeister Bernhard Baier 26,9 Prozent. 2015 war das gleiche Duell mit 61 zu 39 Prozent für Luger ausgegangen. Im ersten Wahlgang hatten sich in Linz zehn Kandidaten der Wahl gestellt. Auch die FPÖ darf sich über den Gewinn mehrerer Rathäuser freuen, etwa in der Stadt Ansfelden.

Etwa jeder Dritte ÖVP-Bürgermeister unterlegen

Auffallend ist, dass viele amtierende ÖVP-Bürgermeister, die sich heute einer Stichwahl stellen mussten, ihr Amt nicht halten konnten. Etwa jeder Dritte ist unterlegen. Allen voran Schärdings Langzeitstadtchef Franz Angerer, der nach 18 Jahren an SPÖ-Herausforderer Günter Streicher übergeben muss. Auch in Vöcklabruck sitzt jetzt ein roter Stadtchef im Sattel. Mehr als deutlich ist Elisabeth Kölblinger von der ÖVP abgewählt worden und für Peter Schobesberger von der SPÖ muss Platz machen. Auch im Freistädter Rathaus zieht mit Christian Gratzl ein roter Stadtchef ein. ÖVP-Bürgermeisterin Elisabeth Teufer konnte den Platz nicht halten.

Verluste auch für die SPÖ

Aber auch für die SPÖ hat es heute schmerzliche Verluste gegeben. Oberösterreichs fünftgrößte Stadt Traun wird jetzt von ÖVP-Mann Karl-Heinz Koll regiert. In St. Georgen an der Gusen muss Erich Wahl seinen Platz räumen. Insofern bitter, weil er vor zwei Wochen zugunsten von Klubobmann Michael Lindner auch auf sein Landtagsmandat verzichtet hat. In Bad Ischl war das Rennen erwartet knapp. Die amtierende SPÖ-Bürgermeisterin Ines Schiller konnte mit 63 Stimmen Vorsprung in der Funktion bleiben.

Knappe Entscheidung in Kirchdorf

Genau drei Stimmen machen den Unterschied beim Ergebnis in Kirchdorf an der Krems aus. Vera Pramberger von der SPÖ gewinnt mit 50,08 Prozent gegen Alexander Hauser von der ÖVP mit 49,92 Prozent. Pramberger erreicht 966 Stimmen, Hauser 963.

Erster grüner Bürgermeister Oberösterreichs

Bei der FPÖ war das Ergebnis in Gaspoltshofen heute mit Spannung erwartet worden. Der bisherige freiheitliche Landesrat Wolfgang Klinger bleibt dort Bürgermeister. In Attersee haben die Grünen heute eine kleine Sensation geschafft. Mit Rudolf Hemetsberger ist dort der erste grüne Bürgermeister Oberösterreichs ins Amt gewählt worden.

Kaineder: „Historischer Augenblick“

„Das ist ein persönlicher Erfolg für Rudi Hemetsberger, dessen immenser Einsatz belohnt worden ist. Es ist eine extrem starke Leistung des gesamten Grünen Teams in Attersee. Und es ist dieser historische Augenblick in der Geschichte der Grünen Bewegung in Oberösterreich“, zeigt sich der Grüne Landessprecher Landesrat Stefan Kaineder über das Ergebnis der Bürgermeister-Stichwahl in Attersee begeistert.

Stelzer: Position als Bürgermeisterpartei ausgebaut

„Die Bürgermeisterwahlen sind für die OÖVP hocherfreulich. Mit 331 Bürgermeistern stellt die OÖVP künftig in dreiviertel aller Gemeinden den Bürgermeister. Damit haben wir unsere Position als Bürgermeister-Partei sogar noch einmal ausgebaut und sind die gestaltende Kraft in den Gemeinden“, ist Landeshauptmann Thomas Stelzer über die positive Bilanz erfreut. „Besonders freuen uns natürlich Sensationsergebnisse wie in Traun, Mattighofen, Gosau oder St. Georgen an der Gusen. Mit Traun stellt die OÖVP in der fünfgrößten Stadt Oberösterreichs erstmals den Bürgermeister“, so Stelzer.

Gerstorfer: Gute Politik fängt in Gemeinden an

„Ich gratuliere den wiedergewählten und den neuen BürgermeisterInnen sehr herzlich. Gute Politik fängt in den Gemeinden an – das haben heute auch die WählerInnen bestätigt!“, freut sich SPÖ-Vorsitzende Birgit Gerstorfer. „Mein Dank gilt all den ehrenamtlichen MitarbeiterInnen in den Parteien und all jenen, die für einen reibungslosen Ablauf der Wahlen gesorgt haben“, so Gerstorfer.

Vier Abstimmungen

In den vier Gemeinden Hinterstoder, Pinsdorf, St. Oswald bei Freistadt und Reichenau im Mühlkreis hat jeweils ein Kandidat vorzeitig das Handtuch geworfen. Hier muss zu einem späteren Zeitpunkt mit Ja oder Nein über den verbliebenen Bewerber abgestimmt werden. Reichenau wählt am 24. Oktober, die anderen drei Gemeinden am 17. Oktober.

Die meisten Bewerber in den heute stattfindenden Stichwahlen gehörten ÖVP, FPÖ, SPÖ oder Bürgerlisten an, aber auch die Grünen hatten in zwei Orten Kandidaten am Start, MFG und NEOS hingegen nicht. In 40 Orten hieß das Match ÖVP gegen SPÖ, in 19 ÖVP gegen FPÖ und in einem FPÖ gegen SPÖ. In zwei Gemeinden traten Grüne gegen Schwarze an. Zudem waren zehn Bürgerlisten-Kandidaten in der Stichwahl – acht traten gegen schwarze und zwei gegen rote Kontrahenten an.