Gerichtsakten
APA/ERWIN SCHERIAU/APA-POOL
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Gericht

Prozess wegen Covid-19-Ansteckung vertagt

Ein ungewöhnlicher Fall von schwerer Körperverletzung ist am Dienstag am Landesgericht Linz verhandelt worden: Einem Mann wurde vorgeworfen, dass er seine Ex-Gattin mit Covid-19 anstecken wollte. Es gab allerdings am Dienstag kein Urteil.

Die Verhandlung wurde am Dienstagnachmittag auf 6. April vertagt.

Immer wieder Richtung Ex-Frau gehustet

Anfang November erkrankte der Mann an Covid-19 und wurde unter Quarantäne gestellt. Er soll aber zu Hause konsequent auf einen Mund-Nasenschutz verzichtet, immer wieder in Richtung seiner Ex-Frau gehustet und sogar deren Handtuch benutzt haben – alles in der Absicht sie anzustecken, so die Staatsanwaltschaft. Zudem soll er die 70-Jährige einmal gegen den Türstock gedrückt und dabei leicht verletzt haben.

Nach Scheidung im selben Haushalt

Als der Angeklagte an Covid-19 erkrankte, war das Paar bereits geschieden, lebte aber vorübergehend noch im selben Haushalt. Für sie stehe fest, dass ihr Mann versucht habe, sie zu vertreiben, so die Ex-Frau. Der frühere Gatte bestreitet die Vorwürfe, vielmehr sei sie öfter zu ihm in sein Schlafzimmer gekommen, um ihn zurechtzuweisen, wenn er „in der Küche ein Glas stehen lassen habe“.

Allerdings gab er zu, dass er sich die Vorschriften im Absonderungsbescheid „nicht so genau durchgelesen“ habe, während seine Frau sagte, sie habe ihn studiert und entsprechend gehandelt – etwa einen Benützungsplan für die Küche aufgestellt und regelmäßig desinfiziert. Ihr Mann habe die Küche wirklich oft unordentlich hinterlassen, „aber deswegen bin ich nicht zu ihm ins Zimmer reingegangen“.

Völlig unterschiedliche Aussagen

Aus den Zeugenaussagen wurde klar, dass der Haussegen bereits sehr schief hing. Die beiden Ex-Eheleute schilderten die Vorfälle komplett unterschiedlich. Er behauptete, sie habe ihn nach dem positiven Test gar nicht mehr ins Haus lassen wollen, auch früher habe er bereits mehrmals Wochenenden draußen verbringen müssen.

Die Frau berichtete hingegen, dass er sich zuerst trotz Symptomen geweigert habe, überhaupt einen Test zu machen und erst zum Arzt gegangen sei, nachdem sie die Behörde informiert habe. Auch habe er sich ohne Maske vor die Wohnung der Tochter im Erdgeschoß gesetzt, damit diese nicht hereinkann. Die Tochter bestätigte das unter Tränen und legte sogar ein Foto vor. Hintergrund war, dass der Vater offenbar wollte, dass auch die Tochter rascher als geplant auszieht.

Mehr Zeugen notwendig

Den Angriff, bei dem die Frau verletzt wurde, leugnete der Angeklagte ebenfalls. Er behauptet, die Frau sei zu diesem Zeitpunkt gar nicht zu Hause gewesen. Die Tochter bestätigte hingegen, dass die Mutter danach völlig aufgelöst „in Hausschuhen“ zu ihr gekommen sei. Die Tochter habe dann die Polizei verständigt und die Mutter zum Arzt gebracht.

Mehrere Zeugen sollen in der nächsten Verhandlung Licht in diese Widersprüche bringen. Dem Angeklagten drohen im Fall eines Schuldspruchs sechs Monate bis fünf Jahre Haft.