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Coronavirus

Impfaktion in Spitälern begonnen

In den Krankhäusern Oberösterreichs hat am Mittwoch die große Impfaktion für das besonders gefährdete Personal begonnen. Über-80-Jährige, die nicht in einem Heim leben, können sich ab Freitag 14.00 Uhr zur Impfung anmelden.

Im Linzer Kepler Universitätsklinikum wurde wie in einigen anderen Spitälern eine eigene Impfstraße eingerichtet, die am Mittwoch in Betrieb genommen wurde. Mit den 2.600 pro Woche oberösterreichweit für die Spitäler zur Verfügung stehenden Impfdosen können gut 17 Prozent der rund 30.000 Beschäftigten geimpft werden. Zuerst sind jene an der Reihe, die entweder sehr intensiven Kontakt zu Covid-19- Patienten haben und diejenigen, die mit besonders gefährdeten Patienten beschäftigt sind. Wie viele Impfdosen jedes einzelne Krankenhaus bekommt, wurde vom Land Oberösterreich festgelegt und richtet sich nach der Zahl der Mitarbeiter in der jeweiligen Anstalt.

Erfolgreicher Testlauf in Gmunden

Sozusagen einen Testlauf gab es bereits am vergangenen Freitag im Salzkammergut-Klinikum Gmunden. 135 Personen wurden dabei in kurzer geimpft. Laut Auskunft der Gesundheitsholding „hat sich kein einziger Zwischenfall ereignet, die Stimmung war wirklich gut, alle waren dankbar bereits jetzt geimpft zu werden.“

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Von den Mitarbeitern in den Spitälern liegen mehr Anmeldungen vor als Impfdosen bereitstehen

Der Andrang im Kepler Klinikum war am Mittwoch sehr groß, die Verantwortlichen sprechen davon, dass es mehr Anmeldungen gegeben habe, als derzeit geimpft werden können. Insgesamt wollen sich mehr als 80 Prozent des gesamten Krankenhauspersonals impfen lassen. Eine Impfpflicht besteht nicht.

Bisher 2.542 Personen in Oberösterreich geimpft

Insgesamt wurden bis Mittwoch in Oberösterreich 2.542 Personen geimpft, bis zum Ende der Woche sollen es 11.155 sein. Die Covid-19-Impfstoffe sind derzeit ein rares Gut, sehr sensibel und nicht lange haltbar. Der Impfstoff von Biontech/Pfizer kann im Kühlschrank gelagert, muss aber innerhalb von fünf Tagen aufgebraucht werden. Eine Durchstechflasche reicht für fünf bis maximal sechs Dosen. „Um keine Dosis verfallen lassen zu müssen“, dürften für Bewohner und Mitarbeiter nicht mehr benötigte Portionen „an Menschen, die sich regelmäßig in Alten-und Pflegeheimen aufhalten, geimpft werden“, heißt es vom Krisenstab des Landes. Dieses Vorgehen entspreche auch den Bundesvorgaben.

Wie viele Menschen so zu einer Impfung gekommen sind, konnte nicht beantwortet werden. Die Impfbereitschaft der Senioren in den Heimen sei mit 70 bis 80 Prozent jedenfalls recht hoch, jene der Mitarbeiter liege mit rund 65 Prozent darunter.

Anmeldung für Über-80-Jährige ab Freitagnachmittag

Der Impfplan sieht vor, dass nächste Woche Oberösterreicherinnen und Oberösterreicher, die über 80 Jahre alt sind und außerhalb von Alten- und Pflegeheimen wohnen, eine Impfung erhalten können. Der Krisenstab des Landes arbeitet derzeit den verschiedenen Anmeldesysteme, die am Freitag um 14.00 Uhr freigeschalten werden sollen.

Es wird möglich sein, sich unter der Telefonnummer

0732 7720 78 700

anzumelden. Um für den Ansturm gerüstet zu sein, wurde laut Krisenstabe eine eigene Telefonzentrale eingerichtet. Im Internet soll die Anmeldung ab Freitag 14.00 Uhr unter der Adresse ooe-impft.at möglich sein.

Derzeit stehen Impfdosen für etwa 30 Prozent der Über-80-Jährigen zur Verfügung. Aus diesem Grund wird auch ein Vormerksystem eingerichtet. Sobald wieder Impfstoff zur Verfügung steht, können die vorgemerkten Personen verständigt werden.

302 Neuinfektionen am Mittwoch

Am Mittwoch wurden laut Gesundheitsministerium in Oberösterreich 302 Neuinfektionen gemeldet. Österreichweit lag die Zahl der neu mit dem Coronavirus infizierten Menschen bei 1.917.

Am Mittwoch (Stand 17.00 Uhr) meldete der Krisenstab des Landes, dass 382 Personen in Oberösterreich wegen CoV im Spital behandelt werden müssen, 58 von ihnen auf Intensivstationen. Der aktuelle Stand von mit dem Coronavirus Infizierten lag bei 2.393.

Infizierte in Bezirken (Land OÖ, 25. Jänner, 17.00 Uhr)

Linz-Stadt 112
Steyr-Stadt 18
Wels-Stadt 144
Braunau am Inn 159
Eferding 33
Freistadt 92
Gmunden 202
Grieskirchen 94
Kirchdorf 69
Linz-Land 146
Perg 91
Ried 151
Rohrbach 68
Schärding 75
Steyr-Land 45
Urfahr-Umgebung 37
Vöcklabruck 159
Wels-Land 77

72 Menschen sind innerhalb eines Tages in Österreich im Zusammenhang mit Covid-19 gestorben, damit ist die Zahl der Coronavirus-Toten inzwischen auf über 6.800 gestiegen, in Oberösterreich auf 1.349. Auch die 7-Tage-Inzidenz, also die Zahl, wieviele Menschen innerhalb einer Woche pro 100.000 Einwohner neu angesteckt wurden, ist mit 157 weiter hoch.

Experte warnt vor rascher Ausbreitung der Mutation

Der Vorstand der Lungenheilkunde am Linzer Kepler Universitätsklinikum, Bernd Lamprecht, hält Überlegungen, die Schulen erst später zu öffnen, aus medizinisch-infektiologischer Sicht für richtig, denn die britische Virusmutation sei bis zu 50 Prozent ansteckender.

Von schwereren Krankheitsverläufen im Zusammenhang mit der Mutation des Virus sei bisher nichts bekannt geworden, eine höhere Zahl an Infektionen würde aber auch mehr Patienten in den Spitälern bedeuten, „genau das möchte man aber nach Kräften verhindern“ sagte der Mediziner im Interview mit dem ORF Oberösterreich. Die einzigen, derzeit bekannten, gegen das Virus und seine Verbreitung wirksamen Maßnahmen seien die bereits bekannten, wie Abstand, Masken und Handhygiene. Mittelfristig auch die Schutzimpfung, die aber noch „geraume Zeit“ brauchen werde, bis ein ausreichend hoher Teil der Bevölkerung immunisiert und geschützt ist.

Warten auf Wirkung der Impfungen

Und genau das mache die bisherigen Maßnahmen auch jetzt besonders wichtig, so Lamprecht. In anderen Ländern, etwa in Großbritannien habe sich gezeigt, dass es bei dieser Mutation auch im Lockdown nicht so einfach ist, die Fallzahlen zu senken: „Daher sind auch weiterhin vorsichtige Maßnahmen angebracht, verbunden mit der Zuversicht, dass die Impfung Wirkung zeigen wird.“

Bernd Lamprecht
ORF
Primar Bernd Lamprecht rät im Zusammenhang mit der neuen Virusmutation zu besonderer Vorsicht

Auf Überlegungen in Deutschland angesprochen, wo der Lockdown bis April verlängert werden könnte, sagt der Facharzt für Lungenheilkunde: „Die Fallzahlen der letzten Tage sind nicht beunruhigend, diese können sich allerdings sehr schnell in eine andere Richtung entwickeln – gerade dann, wenn eine Virusmutation mit einer höheren Transmissionsrate vorherrschen würde.“ Es sei daher durchaus angebracht, mit welchen Maßnahmen man die Zeit überbrücken kann, bis ein ausreichender Teil der Bevölkerung durch eine Impfung geschützt ist.