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Coronavirus

Aktuelle Situation: 1.532 Neuinfektionen seit Donnerstag

Laut Krisenstab des Landes waren am Freitag mit Stand 17.00 Uhr in Oberösterreich 11.144 Menschen infiziert (positiver Test sowie Covid-19-Symptome). 1.532 Neuinfektionen sind in den letzten 24 Stunden dazugekommen.

Am Freitag wurden 659 Coronavirus-Patienten auf Normalstationen in Krankenhäusern und 79 Patienten auf Intensivstationen betreut. 11.144 Menschen in Oberösterreich waren am Freitag (Stand 17.00 Uhr) positiv auf Covid-19 getestet worden. In Relation zur Gesamtbevölkerung ist die Lage im Bezirk Eferding am schlimmsten. Dort ist mehr als jeder Hundertste Bewohner derzeit infiziert. 27.038 Personen befanden sich in Quarantäne. 182 Menschen verstarben.

Infizierte in Bezirken (Land OÖ, 26. November, 17.00 Uhr)

Linz-Stadt 1.335
Steyr-Stadt 224
Wels-Stadt 472
Braunau am Inn 848
Eferding 438
Freistadt 500
Gmunden 291
Grieskirchen 819
Kirchdorf 469
Linz-Land 1.150
Perg 598
Ried 594
Rohrbach 579
Schärding 491
Steyr-Land 414
Urfahr-Umgebung 693
Vöcklabruck 877
Wels-Land 540

Oberösterreich stockt Beatmungsplätze auf

In Oberösterreich werden die Kapazitäten auf den Intensivstationen aufgestockt. 50 zusätzliche Intubationsplätze werden geschaffen. Aktuell verfügen die Häuser über etwa 250 Intensivbetten, von denen 100 für Covid-19-Fälle reserviert sind, der Rest wird für andere Notfälle gebraucht – mehr dazu in Oberösterreich stockt Beatmungsplätze auf (ooe.ORF.at).

Länder wollen rascher Geld vom Bund

Die Coronavirus-Zahlen in Oberösterreich sorgen bei den Verantwortlichen im Land nach wie vor für Sorgenfalten. In den letzten 24 Stunden hat es mehr als 1.500 Neuinfektionen gegeben. „Und daher ist es jetzt so wichtig, dass wir versuchen in diesem Monat November, wo es diese Ausnahmesituation und diese Maßnahmen gibt, zu schauen, dass wir die täglichen sehr sehr großen Zuwächse in allen Bundesländern auch entsprechend herunter bekommen. Und daher ist es glaube ich auch nur gut und richtig, wenn wir unseren Teil der Verpflichtung aus der Bundesverfassung selbstverständlich wahrnehmen, dass auch der andere Teil, nämlich die Bezahlung von all dessen was wir da vorleisten, genauso selbstverständlich erfolgt“, so Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP).

Eine Anspielung auf die Maßnahmen im Kampf gegen das Virus, die von den Bundesländern vorfinanziert wurden, obwohl der Bund dafür zuständig wäre. Bei der Landeshauptleute-Konferenz am Freitag ist Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) aufgefordert worden, diese Vorleistungen endlich zu bezahlen. Erst 11 bis 12 Prozent seien erstattet worden, heißt es von den Landeshauptleuten. Mehr dazu in CoV: Länder wollen rascher Geld vom Bund (salzburg.orf.at)

CoV-kritische Demo in Linz

Für Freitagabend waren in Linz drei Coronavirus-kritische Kundgebungen angemeldet, von denen aber lediglich eine stattfinden darf, informierte die Stadt. Nur eine Demo mit bis zu 200 Teilnehmern um 19 Uhr könne abgehalten werden. Jene, die vom selben Veranstalter organisiert und zum selben Thema für 20.15 Uhr angesetzt war, habe die Landespolizeidirektion wegen Verstoßes gegen die Ausgangssperre nicht genehmigt. Zur dritten Kundgebung um 17 Uhr wiederum sagte der Magistrat Nein. Für letztere war bereits eine Daueranmeldung für jeden Freitag vorgelegen. Nachdem es jedoch vergangene Woche auf dem Hauptplatz zu Ausschreitungen gekommen war – ein Teilnehmer war aggressiv geworden – und der Mindestabstand sowie die Maskenpflicht nicht eingehalten wurde, untersagte der Magistrat als Veranstaltungsbehörde die Zusammenkunft für diesen Freitag, hieß es weiter von der Stadt.

„Trotz größtem Verständnis für Demonstrations- und Meinungsfreiheit“ findet es Bürgermeister Klaus Luger (SPÖ) derzeit „höchst unangebracht und verantwortungslos“, überhaupt zu demonstrieren. So kündigte er an, dass jene Kundgebung um 19 Uhr gemeinsam von Vertretern der städtischen Gesundheitsbehörde und der Polizei überwachet werde.

1.172 Linzer positiv

Gleichzeitig richtete Luger vor dem Wochenende den dringenden Appell an die Bevölkerung, sich an die Vorgaben des Lockdowns zu halten. Aufgrund der Neuinfektionen, mit 895 Fällen diese Woche mehr als doppelt so viel wie in der Vorwoche, nannte er die Lage in der oberösterreichischen Landeshauptstadt ernst. Auch der Anteil positiver Testergebnisse gebe „Grund zur Sorge“: „In den vergangenen sieben Tagen wies jede dritte Testung (34 Prozent) eine Covid-19-Infektion nach – in der Vorwoche lag dieser Wert noch bei 19 Prozent, Anfang Oktober sogar erst bei elf Prozent.“ Mit Stand Freitag 12 Uhr waren 1.172 Linzer positiv.

Positive Antigen-Tests sollen anerkannt werden

Seit rund eineinhalb Wochen können bei Hausärzten auch Antigen-Tests gemacht werden. Diese liefern binnen einer Viertelstunde ein Ergebnis, sind aber nicht so präzise. Der Sprecher der Hausärzte in der Ärztekammer OÖ, Wolfgang Ziegler, sieht sie angesichts der stark steigenden Zahlen aber als wirkungsvolles Mittel.

Kapazitäten beim Contact Tracing werden knapper

Die explodierenden Coronavirus-Zahlen können derzeit nur schwer in den Griff bekommen werden. Die Wirkung des zweiten Lockdowns wird erst in einigen Tagen spürbar, und die Kapazitäten beim Contact Tracing und in den Spitälern werden immer knapper. Die Frage ist auch ob die Test-Strategie des Landes die richtige ist, denn die PCR-Tests seien zwar zuverlässiger, es dauert aber bis zu fünf Tage, bis das Ergebnis vorliegt.

Antigen-Tests nicht immer zuverlässig

Seit rund eineinhalb Wochen können bei Hausärzten auch Antigen-Tests gemacht werden. Diese liefern binnen einer Viertelstunde ein Ergebnis, sind aber nicht so präzise. Der Sprecher der Hausärzte in der Ärztekammer Oberösterreich, Wolfgang Ziegler sieht sie angesichts der stark steigenden Zahlen aber als wirkungsvolles Mittel, obwohl sie nicht immer zuverlässig sind. „Es ist auch Tatsache, dass bei sehr schwach positiven Covid-19 Patienten die Antigen-Schnelltests diese Positivität mitunter nicht anzeigen, weil die sogenannte Viruslast auch zu gering ist. Es sind aber andererseits auch genau diese Menschen, die nicht sehr ansteckend sind, weil sie auch sehr wenig Viren ausscheiden. Deswegen glaube ich eben auch, dass diese Antigen-Schnelltests deutlich schlechter bewertet werden als sie eigentlich sind“, so Ziegler.

„Eindämmung des Virus bei PCR-Tests schwieriger“

Das Land möchte aber an den PCR-Tests festhalten, sagt Carmen Breitwieser vom Landeskrisenstab. „Wir führen bei jeder Kontaktperson eine PCR-Testung durch. Das ist die sicherste Methode wie man Covid nachweisen kann. Das ist sehr aufwendig und manchmal auch vor allem zeitaufwendig, aber es ist die sicherste Methode. Wir testen dort, wo wir glauben, jemanden zu finden, und das bewahrheitet sich“, so Breitwieser.

Aber, so Breitwieser: „Das Virus einzudämmen ist schwerer möglich, wenn man fünf bis sechs Tage auf das Testergebnis des PCR-Tests warten müssen. Beim Antigentest kann man sofort das Kontaktpersonenmanagement starten und dann zeitnah die Kontaktpersonen absondern. Deswegen wünschen wir uns eigentlich die Anerkennung des positiven Antigentests“, so Breitwieser.

Corona: Gespräch mit Bernd Lamprecht

Bernd Lamprecht (Vorstand der Lungenheilkunde, Kepler Uni-Klinikum) über die aktuellen Corona-Entwicklungen in Oberösterreich.

Sprenger: „Hohe Selbstmotivation“

In den Spitälern ist die zweite Coronavirus-Welle angekommen. Die Zahl der Covid-19-Patienten nimmt massiv zu, die Todesfälle auf den Intensivstationen häufen sich. Die Situation ist angespannt. Ärzte und Krankenschwestern arbeiten seit Monaten am Limit. Um jetzt nicht auszubrennen, brauche es eine hohe Selbstmotivation, sagt Deutschlands bekanntester Managementberater und Bestseller-Autor Reinhard Sprenger beim Online-Kongress der oberösterreichischen Ordensspitäler in Linz. „Ich muss mir immer wieder klar machen, dass ich diese Situation gewählt habe, dass ich mich entschieden habe, dass ich andere Lebenssituationen abgewählt habe. Und dass das, was jetzt gerade ist, nicht zufällig passiert sondern ein Teil meiner Entscheidung war, und dass ich gleichsam jeden Morgen mich neu entscheide für diese Aufgabe, und dass ich auch dieser Aufgabe immer selbst in jeder Situation neuen Sinn geben muss und nicht erwarten darf, von anderen motiviert, von anderen bei Laune gehalten, von anderen angeschoben zu werden. Nur eine solche innere Motivation ist belastbar“, so Sprenger.

Für den Einsatz bis an die Grenzen der Leistungsfähigkeit hätten Ärzte und Pflegekräfte im Lauf der Corona-Pandemie oftmals Applaus erhalten, sagt Generalvikar Severin Lederhilger. Es brauche aber mehr als Beifall. Nämlich mehr Annerkennung in der Gesellschaft und angemessene Arbeitsbedingungen.