Staatsgrenze am Inn
Pressefoto Scharinger / Daniel Scharinger
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Coronavirus

Lockdown in Bayern: Rumoren im Innviertel

Der an den Bezirk Braunau grenzende bayrische Landkreis Rottal-Inn muss ab Dienstag in den Lockdown. Für Menschen, die an der Grenze wohnen – vom Bezirk Rohrbach über Schärding bis nach Braunau – sind die deutschen Einreisebestimmungen ein schwerer Schlag.

Pendler, die von Österreich nach Deutschland zu ihren Arbeitsplätzen müssen, trifft die Entscheidung der bayrischen Regierung besonders hart. Seit Freitag gilt, dass Menschen, die von Österreich nach Deutschland einreisen, 14 Tage in Quarantäne verbringen müssen, wenn sie zuvor mehr als 48 Stunden in Österreich verbracht haben und keinen negativen Coronavirus-Test vorweisen können. Für Pendler soll im Laufe der Woche ein neues Testzentrum in Simbach eingerichtet werden, so der Landrat von Rottal-Inn, Michael Fahmüller in einer Pressekonferenz am Montag.

Bürgermeister weisen auf enge Verbindungen hin

Im Innviertel rumort es bereits gewaltig. Die Bürgermeister von Braunau am Inn und der bayrischen Nachbargemeinde Simbach wandten sich in einem Brief an den bayrischen Ministerpräsident Markus Söder. Sie baten ihn darum, die aktuelle Lage und die Entscheidungen nochmals zu überdenken.

Staatsgrenze am Inn
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Die Bürgermeister von Braunau und Simbach (im Hintergrund) wandten sich in einem Brief an Bayerns Ministerpräsident Söder

Der Bürgermeister von Braunau, Johannes Waidbacher, sagte im Interview mit dem ORF Oberösterreich, dass Braunau und das bayrische Simbach „praktisch zusammengewachsen“ seien: „Es ist ja so, dass sich die Simbacherinnen und Simbacher bei uns genauso bewegen, als ob sie Braunauerinnen und Braunauer wären und umgekehrt.“ Das gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Leben käme völlig zum Erliegen, wenn der Austausch zwischen den beiden Städten nicht mehr funktioniert, so der Braunauer Bürgermeister.

Johannes Waidbacher
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Der Bürgermeister von Braunau betont, dass seine Stadt und Simbach „praktisch zusammengewachsen“ sind

Der Bürgermeister der Gemeinde Neukirchen an der Enknach (Bezirk Braunau), Johann Prillhofer, weist im Interview mit dem ORF Oberösterreich darauf hin, dass bei weitem nicht nur die Städte Braunau und Simbach von den deutschen Maßnahmen betroffen seien, weil Pendler bis zu 50 Kilometer von der Grenze entfernt wohnen: „Wir sind ja mit dem Auto schneller in München als in Linz.“

Landkreis Rottal-Inn im Lockdown

Angesichts extrem gestiegener Corona-Zahlen gelten nun auch im niederbayerischen Landkreis Rottal-Inn ab Dienstag um 0.00 Uhr zehn Tage lang strikte Ausgangsbeschränkungen, teilte am Montag ein Sprecher des Landratsamtes in Pfarrkirchen mit. Die Menschen dürfen dort nur noch aus triftigen Gründen aus dem Haus. Schulen und Kindergärten werden geschlossen und Veranstaltungen abgesagt, wie es in einer Mitteilung heißt. Fahrten zum Arbeitsplatz sind von den Beschränkungen ausgenommen.

Treffen der Bürgermeister an der Grenze

Mehrere Bürgermeister von Mühlviertler Gemeinden trafen sich am Sonntag gemeinsam mit Gemeindevertretern aus Bayern am Grenzübergang Wegscheid. Ausgerüstet mit Fahnen der Europäischen Union haben sie dabei für eine Öffnung der Grenzen demonstriert.

Sieben Grenzlandgemeinden aus dem Bezirk Rohrbach, darunter etwa Oberkappel oder Kollerschlag, haben sich zusammengetan und eine Resolution verfasst. In dieser bezeichnen sie die Novelle der Einreise-Quarantäneversordnung der bayrischen Regierung vom 22. Oktober als Grenzschließung durch die Hintertür. Viele Pendler und Schüler passieren täglich die Grenze, um zu ihrer Arbeitsstelle oder zu ihrer Schule zu gelangen. Für Arbeitnehmer und Schüler sei es unzumutbar einen wöchentlichen Corona-Test abzuverlangen, damit sie weiterhin ihrem Beruf oder ihrer Ausbildung nachgehen könne. Dazu komme noch, dass nicht geklärt sei, wer die damit einhergehenden Kosten trägt, so die Kritik der Gemeindevertreter der sieben Grenzlandgemeinden aus dem Bezirk Rohrbach.

Aktuelle Zahlen aus Oberösterreich

Laut Krisenstab des Landes sind von Sonntag auf Montag 612 Neuinfektionen in Oberösterreich dazugekommen. Am Montag 17.00 Uhr lag die Zahl der durch positive Coronavirus-Tests bestätigten Infizierten in Oberösterreich bei 4.199. 12.537 Menschen waren in Quarantäne. 316 an Covid-19 erkrankte Patienten mussten in Krankenhäusern behandelt werden, 27 von ihnen auf Intensivstationen. Der Krisenstab des Landes spricht nicht mehr von einem Normalbetrieb in den Krankenhäusern, sondern davon, dass die Situation derzeit bewältigbar sei.

100 Todesfälle sind bisher in Oberösterreich im Zusammenhang mit Covid-19 zu beklagen. Die sieben Verstorbenen, die von Sonntag auf Montag dazugekommen sind, waren zwischen 72 und 95 Jahre alt, fast alle litten an Vorerkrankungen.

Infizierte in Bezirken (Land OÖ, 26. November, 17.00 Uhr)

Linz-Stadt 1.335
Steyr-Stadt 224
Wels-Stadt 472
Braunau am Inn 848
Eferding 438
Freistadt 500
Gmunden 291
Grieskirchen 819
Kirchdorf 469
Linz-Land 1.150
Perg 598
Ried 594
Rohrbach 579
Schärding 491
Steyr-Land 414
Urfahr-Umgebung 693
Vöcklabruck 877
Wels-Land 540

Die Fallhäufung an der Landwirtschaftlichen Fachschule und Berufsschule Waizenkirchen (Bezirk Grieskirchen) stieg um drei Personen auf 21 positive Schülerinnen und Schüler. Im Bundesgymnasium und Bundesrealgymnasium Rohrbach gibt es mit 6 Schülerinnen und Schülern sowie 15 Lehrkräften eine neue Häufung. Bei einem fleischverarbeitenden Betrieb im Bezirk Perg gibt es vier positive Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Es laufen derzeit noch Testungen sowie das Kontaktpersonenmanagement.

Folgende Schüler, Lehrkräfte bzw. Mitarbeiter von Schulen wurden am 25. Oktober positiv auf Covid-19 getestet:

  • 1 Schüler Polytechnische Schule Urfahr
  • 1 Schüler Berufsschule Linz 3
  • 1 Schüler Bundes-Oberstufenrealgymnasium Honauerstraße Linz
  • 1 Schüler Neue Mittelschule 14 (Spallerhofschule) – Linz
  • 1 Schüler Volksschule 17 Kleinmünchen – Linz
  • 1 Schüler Neue Mittelschule 17 (Dr. Karl Renner) – Linz
  • 1 Schüler Volksschule 20 Diesterwegschule – Linz
  • 1 Schüler Höhere technische Bundeslehranstalt 1 – Bau und Design Linz
  • 1 Schüler Bundeshandelsakademie Rudigierstraße Linz
  • 1 Lehrer Höhere technische Bundeslehranstalt „LiTEC Linzer Technikum“
  • 1 Schüler Bundeshandelsakademie Linz-Auhof
  • 1 Schüler Höhere Bundeslehranstalt für wirtschaftliche Berufe Linz Auhof
  • 2 Schüler Höhere Bundeslehranstalt für wirtschaftliche Berufe Landwiedstraße Linz
  • 1 Schüler Volksschule 5 „Mauth“
  • 1 Schüler Höhere technische Bundeslehranstalt Wels
  • 1 Mitarbeiter Höhere technische Bundeslehranstalt Wels
  • 1 Schüler Gymnasium Dachsberg der Oblaten des Heiligen Franz von Sales
  • 2 Schüler Bundesgymnasium und Bundesrealgymnasium Gmunden
  • 1 Schüler Gymnasium „Ort“ des Schulvereins der Kreuzschwestern Gmunden
  • 3 Schüler Bundesgymnasium und Bundesrealgymnasium – Bad Ischl
  • 2 Lehrer Bundesgymnasium und Bundesrealgymnasium – Bad Ischl
  • 1 Schüler Bundeshandelsakademie Bad Ischl
  • 1 Mitarbeiter Neue Mittelschule I – Grieskirchen
  • 1 Schüler Höhere technische Bundeslehranstalt – Grieskirchen
  • 1 Lehrer Bundes-Oberstufenrealgymnasium Perg
  • 6 Schüler Bundesgymnasium und Bundesrealgymnasium Rohrbach
  • 15 Lehrer Bundesgymnasium und Bundesrealgymnasium Rohrbach
  • 2 Schüler Bundeshandelsakademie Rohrbach
  • 1 Lehrer Landwirtschaftliche Fachschule und Berufsschule Bergheim
  • 2 Schüler Private Neue Mittelschule des Vereins für Bildung und Erziehung der Franziskanerinnen von Vöcklabruck

Mit Stand 23.10. sind in 29 oberösterreichischen Alten- und Pflegeheimen 77 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie 126 Bewohnerinnen und Bewohner positiv auf Covid-19 getestet worden.

Stelzer: „Land gemeinsam wieder stark machen“

Auch der Nationalfeiertag steht heuer im Zeichen von Covid-19, so Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP), der am Sonntag einmal mehr zu Zusammenhalt aufrief. Gerade jetzt gehe es darum, die Oberösterreicher vor Arbeitslosigkeit zu schützen und gemeinsam anzupacken und aufeinander zu schauen, so Stelzer am Sonntag in einer Aussendung. Die Krise fordere alle. „Ursprünglich blicken wir am Nationalfeiertag ja auf den Abzug der Besatzungstruppen 1955, auf das Wiederentstehen eines freien Österreichs zurück“. Ähnlich wie damals laute das erklärte Ziel auch jetzt: „das Land gemeinsam wieder stark zu machen“, so Stelzer. Anlässlich des Nationalfeiertags danke er auch jenen, die das Land nach dem Zweiten Weltkrieg wiederaufgebaut haben.

Informationeplakat des Landes 2Covid-19 – was ist zu tun"
Land OÖ

Zweiter Lockdown wäre für Kurz „Ultima-Maßnahme“

Sollten die CoV-Infektionen weiter ansteigen, will die Regierung mit restriktiveren Maßnahmen gegensteuern. „Je höher die Ansteckungszahlen sind, desto restriktivere Maßnahmen braucht es“, sagte Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) nach dem Ministerrat am Nationalfeiertag. Es gehe darum, eine Überlastung der Intensivmedizin zu verhindern. „Die Ultima-Maßnahme ist ein zweiter Lockdown“, sagte Kurz.

„Wir haben ein massiv steigendes, exponentielles Wachstum. Das ist eine extreme Herausforderung. Die Lage ist, auch für jene, die es immer noch nicht glauben wollen, sehr, sehr ernst“, betonte Kurz.

Cluster in Pfarre Attnang

ach einer Häufung von Infektionen zunächst bei Kirchenmusikern sowie nach Infektionen mehrerer Personen nach Gottesdiensten hat die oberösterreichische Pfarre Attnang alle Messen und Veranstaltungen ausgesetzt und Kirche und Sekretariat bis auf Weiteres geschlossen. Mehr dazu in Cluster in nieder- und oberösterreichischer Pfarre (religion.ORF.at)

Schutzmaßnahmen Coronavirus
Grafik: APA/ORF.at; Quelle: APA