Gelände des Kepler Uniklinikums
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Chronik

Bericht nach Tod in OP: Verlassen präzisiert

Nun liegt der Bericht der Sanitären Aufsicht zum Tod eines Patienten während einer Herzoperation im Linzer Keplerklinikum vor. Ein Arzt hatte das Krankenhaus während der OP verlassen. Obwohl die Aufsicht zum Schluss kommt, dass es keine organisatorischen Mängel im Spital gab, soll das Verlassen einer OP jetzt dezidiert festgelegt werden.

Zehn Seiten stark ist der Bericht der Sanitären Aufsicht zu der Herzoperation am 10. Mai dieses Jahres, bei welcher ein Patient verstorben war. Der operierende Arzt hatte während des Eingriffs den Operationssaal und das Krankenhaus verlassen und war in seine Privatordination gegangen.

Der Kontrollbericht kommt zu Schluss, dass – abgesehen von ärztlicher und ethischer Sicht – dies aufgrund der organisatorischen Vorgaben eigentlich nicht hätte passieren dürfen. Die sehen nämlich vor, dass eine Operation nur mit genügend Personal und auch Ersatzpersonal durchgeführt werden darf.

„Arzt hat mit Zusage Verantwortung übernommen“

Am 10. Mai war genügend Personal in der Abteilung vorhanden trotz der Coronavirus-Maßnahmen. Der operierende Arzt war zwar dienstfrei gestellt wegen der Coronavirus-Maßnahmen aber in Rufbereitschaft. Dies wurde vom Klinikum in Anspruch genommen und der Arzt sagte auch die Durchführung der Operation zu. Damit habe er auch die Verantwortung für die Operation nach den üblichen ärztlichen und ethischen Usancen übernommen, heißt es sinngemäß im Kontrollbericht. Und das bedeute eben auch, nur kurz den OP zu verlassen, aber nicht das Krankenhaus. Und wenn doch, dann nur mit einer Vertretung.

Verlassen des OPs nur mit Vertretung zulässig

Doch genau die gab es zum Zeitpunkt, als der Arzt aus dem Operationssaal ging, nicht, so der Bericht. Womit indirekt aus Sicht der Kontrolleure das Verlassen auch nicht zulässig war. Ebenso wurde bemängelt, dass im Operationsbericht darüber kein Eintrag erfolgte.

Die Entlassung, später wurde diese in eine einvernehmliche Auflösung umgewandelt, war aus Sicht der Kontrolle auch gerechtfertigt und wurde spät nach dem tödlichen Zwischenfall, aber nicht zu spät ausgesprochen.

Verlassen von OP genauer und schriftlich regeln

Trotzdem gibt es auch Vorschläge zur Verbesserung. Eine verbindliche und schriftliche Vorschrift, dass das Verlassen eines OP-Saals durch den Operateur während einer Operation nun unter genau geregelten Ausnahmen und Abläufen erlaubt ist. Diese schriftliche Festlegung gibt es bisher noch nicht, so der Bericht abschließend.