St. Wolfgang
Pressefoto Scharinger / Daniel Scharinger
Pressefoto Scharinger / Daniel Scharinger
Coronavirus

St. Wolfgang: Infektionszahl leicht gestiegen

Die Zahl der Corona-Infizierten in St. Wolfgang (Bezirk Gmunden) ist am Montag leicht gewachsen – von zuletzt 53 auf 57. 323 Testauswertungen sind noch offen. Das teilte LHStv. Christine Haberlander (ÖVP) in einer Pressekonferenz mit.

16 Betriebe sind demnach aktuell betroffen. Ob es sich bei den vier neu hinzugekommenen Fällen um Gäste oder Mitarbeiter handelt, war vorerst nicht bekannt.

St. Wolfgang „ein Cluster wie andere“

Derzeit gehe man davon aus, dass der Cluster eingegrenzt sei, so auch die Krisenstabsmitglieder Carmen Breitwieser und Tilman Königswieser. Man habe bei vorherigen Clustern – etwa im Bereich der Freikirchen – Routine gesammelt, die Fälle in St. Wolfgang seien „ein Cluster wie andere“.

Königswieser, Ärztlicher Direktor im Salzkammergut Klinikum, erklärte, dass man das Virus mittlerweile gut kenne. Mit Ischgl sei die Situation nicht vergleichbar – „das ist ein riesiger Unterschied“, auch von der Zahl der Infizierten. Man habe jetzt erst 57 positive Testergebnisse, „vielleicht werden’s auch 70, das ist keine Zahl“, so Königswieser, der auf ein gut vorbereitetes Gesundheitssystem und ausreichend Intensivbetten verwies.

Nachverfolgung der Infektionsketten prioritär

Auch Haberlander betonte, dass es weniger um die Zahl der Infizierten gehe als darum, die Infektionsketten nachvollziehen zu können. In dieser Hinsicht habe man den Cluster nach wie vor gut unter Kontrolle. Es sei für die Entscheidung weiterer Maßnahmen auch nicht ausschlaggebend, ob die positiv Getesteten zum Servicepersonal oder zu den Gästen gehören würden, solange eben die Quelle der Ansteckung zurückverfolgt werden könne. Genaue Angaben zur Verteilung der Kontaktpersonen in andere Bezirke, Bundesländer oder ins Ausland würden ihr derzeit nicht vorliegen, sie gehe aber davon aus, dass es eine gewisse Verteilung gegeben habe.

Man habe jedenfalls rasch und maßvoll reagiert, so Haberlander. Laut Breitwieser sei man gut vorbereitet gewesen: Schon vor Wochen hätte man sich gemeinsam mit den Touristikern Szenarien für einen potenziellen Cluster im Tourismusbereich eingestellt.

Maskenpflicht am Wolfgangsee ausgeweitet

Auch in den Salzburger Wolfgangsee-Gemeinden Strobl und St. Gilgen gilt ab Mitternacht Maskenpflicht für Gastronomie- und Tourismusmitarbeiter. Der Salzburger Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) werde die zuständige Bezirkshauptmannschaft entsprechend anweisen, so sein Sprecher gegenüber dem ORF Radio. Eine entsprechende Empfehlung der Bürgermeister gibt es bereits. In Strobl ist derzeit ein CoV-Fall bekannt, in St. Gilgen sind es drei – mehr dazu in Wolfgangsee: Maskenpflicht für Touristiker (salzburg.ORF.at).

Insgesamt berichtete der Krisenstab des Landes Oberösterreich zuletzt (Stand, Montagnachmittag) von 57 Personen mit CoV-Infektion im Raum St. Wolfgang.

Warten auf weitere Testergebnisse

Am Sonntag wurden noch 419 weitere Personen getestet, 323 Ergebnisse dieser Tests werden am Montagabend erwartet. In den betroffenen Betrieben seien alle Mitarbeiter getestet worden, so Tourismusdirektor Hans Wieser. Bei den Mitarbeitern weiterer Tourismusbetriebe ist die Testung noch nicht zur Gänze abgeschlossen. Die Rede ist von 18 Betrieben und etwa 600 Mitarbeitern, die weiterhin getestet werden. Die Testungen durch das Tourismusministerium werde es den ganzen Sommer über geben, so Wieser. „Uns ist daran gelegen, möglichst viele Mitarbeiter und Betriebe in diese Testreihe zu kriegen“, so Wieser.

Großer Andrang bei Test-Drive-in

Touristen und Einheimische konnten sich am Wochenende freiwillig zu einem in St. Wolfgang beim Roten Kreuz errichteten Test-Drive-In begeben, wo der Andrang groß war. Statt der geplanten drei Stunden war mehr als fünf Stunden lang Betrieb. Diese Testergebnisse sollen ebenfalls am Montag im Lauf des Tages ausgewertet werden. Um den Cluster unter Kontrolle zu halten, wurde die Sperrstunde in St. Wolfgang schon am Samstag auf 23.00 Uhr festgesetzt und auch von Polizeistreifen kontrolliert – mehr dazu in Sperrstunde in St. Wolfgang auf 23.00 Uhr vorverlegt (ooe.ORF.at).

Der Bürgermeister von St. Wolfgang, Franz Eisl (ÖVP), und Tourismusdirektor Wieser sprachen davon, dass die rasche und konsequente Reaktion auf die ersten Infektionen im Ort erfolgreich gewesen sei. Man habe die Infektionskette unterbrechen können. Der Cluster sei gut eingrenzbar, sagte auch die Leiterin des Krisenstabes des Landes Oberösterreich in der ZIB2. Man wisse allerdings nicht, wie viele Urlaubsgäste infiziert abgereist seien.

CoV-Häufungen in St. Wolfgang

Wien hat derzeit mit 546 die meisten aktiven Corona-Fälle, Oberösterreich liegt mit 460 auf Rang zwei gefolgt von Niederösterreich mit 247 Fällen. In der Samstagnacht sind in Österreich offiziell 134 CoV-Neuinfektionen dazugekommen, etliche davon in St. Wolfgang (OÖ). Dort sind bereits 48 Menschen positiv getestet worden, hunderte weitere Testergebnisse sind noch ausständig.

Keine Hotelschließungen

Laut Landeshauptmannstellvertreterin Gesundheitslandesrätin Christine Haberlander (ÖVP) sind derzeit keine Hotelschließungen geplant. „Das sind Maßnahmen, die zu setzen sind möglicherweise, wenn die Infektionsketten sich in eine Richtung entwickeln, die uns sorgen“, so Haberlander im Ö1-Morgenjournal. Man überblicke die derzeitige Situation aber gut. „Diese Maßnahme ist zum aktuellen Zeitpunkt nicht notwendig.“ Zwei betroffene Lokale sind derzeit freiwillig geschlossen.

Zum Teil seien zehn Prozent der Mitarbeiter eines Betriebes betroffen, so Bezirkshauptmann Alois Lanz im Radio Oberösterreich-Interview. „Das heißt, es wird normalerweise möglich sein, diesen Betrieb, der betroffen ist, fortzuführen.“ Eine behördliche Sperre sei erst dann notwendig, wenn von einem Betrieb ein besonders großes Risiko ausgehe.

Abreise-Formular für Gäste

Seit Montag gelte zudem eine Verordnung, die festlege, dass Gäste bei der Abreise ein Formular – etwa, woher sie kommen, wohin sie reisen und ob sie getestet wurden – ausfüllen müssen, so Haberlander im ORF Oberösterreich-Interview. „Das ist ganz wichtig, um auch Sicherheit zu geben.“

Stornierungen und Abreisen

Tourismusdirektor Wieser berichtete von verstärkten Stornierungen von Gästen, wobei die Situation „volatil“ sei. „Seit Samstag ist die Stornowelle doch eine größere“, so Wieser gegenüber dem ORF OÖ. Es gebe Betriebe, die einen großen Teil der Gäste verloren hätten, es gebe aber auch Betriebe, wo das nicht der Fall sei. Quantifizieren lasse sich die Zahl der Abreisen nicht, „aber Tatsache ist, es gibt natürlich Abreisen.“ Wie es weitergehe, sei maßgeblich davon abhängig, was die noch offenen Testergebnisse bringen würden, so Wieser, „aber von einer Beendigung der Sommersaison würde ich jetzt nicht sprechen“.

Telefonhotline für Gäste eingerichtet

Hotline für Gäste:
06138/8003

In St. Wolfgang läuft seit Freitag das Krisenmanagement. Es wurde ein Krisenstab unter der Leitung des Bürgermeisters eingerichtet. Unter anderem gibt es eine Hotline für Gäste, die seit dem 15. Juli in St. Wolfgang waren. Sie steht auch jenen zur Verfügung, die einen Aufenthalt in St. Wolfgang planen. Der Krisenstab entschied zudem, dass alle Urlauber, die in den letzten zwei Wochen in einem der betroffenen Hotels übernachtet haben, ein weiteres Mal mit Informationen versorgt werden.

16 Betriebe betroffen

In den 16 betroffenen Betrieben hielten sich mit dem Coronavirus infizierte Menschen auf oder waren im Service beschäftigt. Das gilt auch für einen Badeplatz und ein Lebensmittelgeschäft. Überwiegend handelt es sich um Praktikanten. In der Gemeinde verweist man darauf, dass bei Kontakt mit Gästen ein Mund-Nasen-Schutz getragen worden sei. Sowohl der Bürgermeister als auch der Tourismusdirektor verteidigten in einem Schreiben auch die infizierten Praktikantinnen und Praktikanten. Die zum überwiegenden Teil sehr jungen Menschen seien hier unverschuldet und völlig überraschend in eine sehr unangenehme Situation gekommen. Die meisten der infizierten Praktikanten hielten sich mittlerweile nicht mehr im Ort auf, sondern seien bereits zu Hause, hieß es.

469 positiv Getestete in Oberösterreich

Insgesamt gibt es derzeit (Stand Montag, 17.00 Uhr) 469 positiv auf das Coronavirus getestete Personen in Oberösterreich. 22 Menschen werden im Spital behandelt, drei intensivmedizinisch. In Quarantäne befanden sich Montagnachmittag 2.262 Menschen.

Infizierte in Bezirken (Land OÖ, 19. Dezember, 12.00 Uhr)

Linz-Stadt 428
Steyr-Stadt 69
Wels-Stadt 164
Braunau am Inn 407
Eferding 61
Freistadt 156
Gmunden 468
Grieskirchen 175
Kirchdorf 160
Linz-Land 430
Perg 167
Ried 158
Rohrbach 169
Schärding 325
Steyr-Land 196
Urfahr-Umgebung 162
Vöcklabruck 492
Wels-Land 215

Dass die Zahl der Infektionen im Bezirk Gmunden, die auf der Website des Landes Oberösterreich ausgewiesen wurden, nur bei 39 (Stand Montagnachmittag) liegt, obwohl alleine in St. Wolfgang 57 Personen positiv getestet wurden, erklärt sich damit, dass die Betroffenen ihren Heimatbezirken zugeordnet werden. Woher genau die Infizierten – großteils Praktikanten – genau stammen, war aber nicht bekannt, laut Land Oberösterreich allerdings aus dem Inland.

CoV-positiv Getestete im Bezirk Perg

Auch in Lokalen und bei Veranstaltungen im Bezirk Perg haben sich laut dem Krisenstab des Landes positiv auf Covid-19 getestete Menschen aufgehalten. Betroffen sind das Gasthaus Dorfwirt in Rechberg vergangenen Sonntagmittag, das Bistro Mamas in Perg am Donnerstag und Freitag sowie vergangenen Montag spätnachmittags und abends. Und auch bei der Eröffnung der Genussflotte im Technologiepark Perg am Donnerstag, den 16. Juli, waren laut Krisenstab nachträglich positiv getestete Personen. Wie immer fordert man Gäste dieser Lokale und Veranstaltungen auf, ihren Gesundheitszustand genau zu beobachten und bei Symptomen 1450 anzurufen.

SPÖ-Kritik am Land OÖ

Im Fall des Covid19-Clusters in St. Wolfgang kritisiert der SPÖ-Gesundheitssprecher Landtagsabgeordneter Peter Binder das Land Oberösterreich. Das Land habe grundsätzlich richtig reagiert, dieses Tempo bei den Testungen wünsche er sich jedoch auch für ähnlich betroffene Oberösterreicher. Als Beispiel nennt er, dass bei der Rot-Kreuz-Stelle St. Wolfgang binnen kürzester Zeit ein eigener Drive-In eingerichtet wurde.

Linzer mussten hingegen bis zur Vorwoche nach Ansfelden fahren, wenn sie getestet werden sollten. Und während in St. Wolfgang auch Gäste ohne Symptome zum Test zugelassen werden, werde Oberösterreichern mit positiv getesteten Angehörigen der Coronavirus-Test vorenthalten und müssen in Quarantäne, so Binder.