Umgestaltung des Gebäudes Salzburger Vorstadt 15 Braunau Hitlergeburtshaus Visualisierung
Marte.Marte
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Politik

Hitler-Geburtshaus: Scharfe Kritik an Plänen

Die geplante Umgestaltung des Hitler-Geburtshauses in Braunau stößt auf Widerstand. Kritisch betrachtet wird vor allem, dass möglichst nichts mehr auf den historischen Kontext des Hauses hindeuten soll.

Auch ein Gedenkstein vor dem Objekt in der Salzburger Vorstadt solle möglichst im Haus der Geschichte in Wien untergebracht werden, hieß es bei einer Pressekonferenz des Innenministeriums am Dienstag. Florian Kotanko, der Leiter der Braunauer Zeitgeschichtetage, spricht sich strikt gegen diese Demontage des Gedenksteines aus. Der Stein sei mit der Geschichte der Stadt Braunau eng verbunden. „Und er nimmt ja keinen Bezug auf die Person Adolf Hitler“, so Kotanko.

Hitlers Geburtshaus in Braunau
APA/MANFRED FESL
Dass der Gedenkstein vor dem Haus entfernt werden soll, stößt auf Kritik

Eine Neutralisierung des Ortes und seiner Geschichte, wie vom Innenministerium angestrebt, sei sicher nicht möglich, so Kotanko. Das könne nicht funktionieren, „ganz egal, wie auch immer man bauliche Veränderungen vornehmen würde, aber in Zeiten wie diesen ist eine Neutralisierung überhaupt nicht möglich“, so Kotanko. Er verstehe die Intention, nichts solle mehr an das dunkle Kapitel, das mit dem Haus in Verbindung stehe, erinnern, aber er sehe nicht, dass es so sein werde.

Umgestaltung des Gebäudes Salzburger Vorstadt 15 Braunau Hitlergeburtshaus Visualisierung
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Nach dem Umbau soll die Polizei in das Haus einziehen

MKÖ: "Verdrängung statt Auseinandersetzung“

Kotankos Kritik schließen sich auch das Mauthausen Komitee Österreich (MKÖ) und das OÖ. Netzwerk gegen Rassismus und Rechtsextremismus an. „Die geplante Neugestaltung des Hitler-Geburtshauses orientiert sich an der Devise ‚Verdrängung statt Auseinandersetzung‘“, sagte MKÖ-Vorsitzender Willi Mernyi. „Offenbar will man die Welt vergessen lassen, dass der schlimmste Massenmörder der Geschichte in Braunau geboren wurde. Dieser Ansatz ist inhaltlich falsch und wird auch sicher nicht funktionieren. Man muss zu dem stehen, was war.“

„Anstelle des krampfhaften Versuchs, die historischen Tatsachen zu ‚neutralisieren‘, sollte gedenkpolitisch offensiv vorgegangen werden“, forderte Robert Eiter, Sprecher des OÖ. Netzwerks gegen Rassismus und Rechtsextremismus. „Beispielsweise wäre ein Konzept wie das ‚Haus der Verantwortung‘ des Politikwissenschafters Andreas Maislinger geeignet. Es würde Braunau und ganz Österreich viel Ansehen bringen.“

KZ-Verband: „Verhöhnung aller Opfer“

Der Landesvorsitzende des KZ-Verbands/VdA OÖ, Harald Grünn, begrüßte zwar die Pläne für den Einzug der Polizei, ist aber über das Vorhaben für einen Umzug des Gedenksteins „empört“: Die geplante „Entsorgung“ sei „eine Verhöhnung aller Opfer des Faschismus“ und ein „handfester demokratiepolitischer Skandal“.

SPÖ und Grüne: Gedenkstein erhalten

Zwar begrüße sie, dass die Republik die Verantwortung für die Liegenschaft übernommen habe, so die erinnerungspolitische Sprecherin der SPÖ, Sabine Schatz. „Eine sogenannte ‚Neutralisierung‘ eines Gebäudes, das für Rechtsextreme einen Anziehungspunkt darstellt, kann aber nicht dadurch entstehen, dass der ‚Mahnstein gegen Krieg und Faschismus‘ entfernt wird“, so Schatz. Das sei zu verhindern. Auch David Stögmüller (Grüne), Nationalratsabgeordneter und Gemeinderat in Braunau, fordert den Erhalt des Gedenksteins. „Im Zuge der Bemühungen, den Ewiggestrigen mit einer Neunutzung eine potenzielle Pilgerstätte zu entziehen, ist es der falsche Weg, damit auch die Erinnerungskultur zu beenden“, so Stögmüller.

Ministerium: Expertenkommission für Verlegung

Das Innenministerium verwies dagegen darauf, dass eine Expertenkommission zum historisch korrekten Umgang mit dem Geburtshaus Adolf Hitlers sich für eine Verlegung des Gedenksteines von der Salzburger Vorstadt 15 weg – an einen anderen Ort entschieden habe. Das Mahnmal stehe im Besitz der Gemeinde Braunau – ebenso die öffentliche Fläche auf der er sich befindet. Der Umgang damit werde von der Stadt in einem gesonderten Diskussionsprozess unter Einbindung der örtlichen Entscheidungsträger behandelt werden, hieß es unter Berufung auf eine Presseerklärung des Bürgermeisters von Braunau Johannes Waidbacher (ÖVP).

Bürgermeister begrüßt bauliche „Neutralisierung“

Waidbacher begrüßte darin die bauliche „Neutralisierung“ des Gebäudes durch das Siegerprojekt im Architekturwettbewerb und den Einzug von Polizeibehörden. Sie folge damit der Empfehlung der interdisziplinären Kommission, dass sich das Objekt nach der architektonischen Umgestaltung künftig in das historische Ensemble der Salzburger Vorstadt eingliedern soll. „Wenn diese Grundintention konsequent weiterverfolgt werden soll, erhebt sich auch die Frage nach dem weiteren Umgang mit dem Mahnstein vor der Liegenschaft. Dies ist noch politisch abzustimmen“, so Waidbacher.