Stau an deutscher Grenze
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Unmut über geschlossene Grenzen groß

Der Unmut über die geschlossenen Grenzen zwischen Österreich und Deutschland wird größer: So kritisieren etwa auch die Bürgermeister von Schärding und Neuhaus am Inn, Franz Angerer und Stephan Dorn, dass beide Seiten massiv betroffen seien.

Etwa Firmen, die Mitarbeiter von der anderen Inn-Seite beschäftigen oder Geschäfte, die ohne Kundschaft aus Bayern beziehungsweise dem Innviertel nicht überleben könnten, auch Familien seien getrennt.

Von österreichischer und deutscher Seite aus werde weiterhin Druck auf die Regierungen ausgeübt, um Lockerungen für den Grenzverkehr zu erreichen.

Deutsche für Tourismus wichtig

Mehr als die Hälfte der Sommertouristen, die von Mai bis Oktober 2019 in Oberösterreich genächtigt haben, waren Österreicher. Dass österreichische Urlauber mit einem Anteil über 50 Prozent dominieren, ist aber nicht in der gesamten Republik so. Laut Zahlen der Statistik Austria machten letzten Sommer österreichweit gut 37 Prozent der Nächtigungen Urlauber aus Deutschland aus. Das zeige die massive Abhängigkeit von deutschen Urlaubern. Auf Platz zwei landen mit knapp 30 Prozent Österreicher. Somit sorgten die deutschen und heimischen Sommerurlauber im Vorjahr für gut zwei Drittel des Geschäfts in den Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen.

Automarkt ließ Polytec-Gewinn im 1. Quartal einbrechen

Der durch die Coronakrise ins Stottern geratene Autmarkt hat auch beim oberösterreichischen Autozulieferer Polytec tiefe Spuren hinterlassen. Im ersten Quartal 2020 brach der Gewinn nach Steuern bei dem Unternehmen um rund drei Viertel (minus 76,1 Prozent) auf 1,5 Mio. Euro ein, wie Polytec am Donnerstag mitteilte. Für heuer plant der Konzern noch die Schließung zweier Werke.

Das operative Ergebnis (EBIT) ging um 70,7 Prozent auf 2,7 Mio. Euro zurück. Der Umsatz fiel um 7,5 Prozent auf 149,1 Mio. Euro. Für das Gesamtjahr 2020 rechnet das Polytec-Management mit „negativen Auswirkungen auf Umsatz und Ertragslage“, das Ausmaß sei jedoch noch schwer zu beziffern und abhängig von der Dauer der Coronakrise, hieß es im Ausblick des Quartalsberichts.

Coronavirus: Daten und Fakten

Die Zahl der aktiv Erkrankten in Oberösterreich lag am Donnerstag (Stand 8.00 Uhr) bei 68, so der Report des Krisenstabes des Landes Oberösterreich. 25 Covid-19-Patienten waren in Krankenhäusern auf Normalstationen, sieben mussten auf Intensivstationen behandelt werden. 435 Personen befanden sich in Quarantäne. Seit Beginn der Krise wurden 2.263 Personen in Oberösterreich positiv auf das Coronavirus getestet. 57 Menschen starben bisher an oder mit Covid-19 in Oberösterreich.

Erkrankte in Bezirken (Land OÖ, 29. Mai, 17.00 Uhr)

Linz-Stadt 8
Steyr-Stadt 1
Wels-Stadt 0
Braunau am Inn 0
Eferding 0
Freistadt 2
Gmunden 0
Grieskirchen 0
Kirchdorf 0
Linz-Land 5
Perg 1
Ried 0
Rohrbach 2
Schärding 0
Steyr-Land 2
Urfahr-Umgebung 2
Vöcklabruck 0
Wels-Land 0

Bundesweite Zahlen des Ministeriums

Die aktuellen bundesweiten Zahlen zu den gesamten positiven Testungen auf das Coronavirus können jederzeit unter dem folgenden Link auf der Website des Sozial- und Gesundheitsministeriums abgerufen werden:

Jugend-Arbeitslosigkeit durch CoV

Jugendliche sind durch die Corona-Krise fast doppelt so stark von Arbeitslosigkeit bedroht wie die Bevölkerung insgesamt – das zeigt eine Prognoserechnung der Kepler Universität Linz für das heurige Jahr und sie zeigt eine weitere alarmierende Zahl: Die „Lost Generation“, also die Zahl der Jugendlichen, die komplett für das Ausbildungs- und Arbeitssystem verloren sind, könnte um über 40 Prozent steigen, mehr dazu hier.

Nur mehr acht Prozent fühlen sich sehr bedroht

Nur noch acht Prozent der Österreicher haben das Coronavirus Anfang Mai als „sehr bedrohlich“ eingestuft. Zwei Wochen zuvor nahmen das noch zwölf, eine Woche früher 18 und Anfang April 23 Prozent der Menschen in Österreich so wahr. Nur Anfang März fühlten sich mit fünf bzw. sechs Prozent noch weniger Leute von dem Virus sehr bedroht, berichtete das Linzer Market-Institut.

29 Prozent der Österreicher stufen das Virus derzeit als „eher bedrohlich“ ein, 49 Prozent finden das „eher weniger“ und 14 Prozent fühlen sich davon ganz und gar nicht bedroht. Der am Donnerstag veröffentlichten Market-Umfrage (4. und 5. Mai) liegen Online-Interviews mit 1.000 Österreichern, repräsentativ für die Bevölkerung ab 16 Jahren, zugrunde.

Gesundheitssystem im Vertrauensranking voran

Eindeutiger Gewinner der Corona-Abwehr ist das österreichische Gesundheitssystem, interpretierte Market den ersten Platz im Vertrauensranking mit 68 Prozent Zustimmung aus der Umfrage. Knapp dahinter landeten die eigene Wohngemeinde und die Polizei mit je zwei Drittel. Die Vertrauenswürdigkeit von Bundespräsident Alexander Van der Bellen und dem Bundesheer benoteten je 62 Prozent mit „sehr gut“ oder „gut“. Bundesregierung und Arbeiterkammer genießen das Vertrauen von je 60 Prozent der Teilnehmer, Landesregierung und Justiz das von 58 Prozent. Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) landete in diesem Ranking mit 56 Prozent hinter dem Rechnungshof (57), aber vor der Öffentlichen Verwaltung (55) und Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) mit 53 Prozent. Am wenigsten Vertrauen bringen die Österreicher den Oppositionsparteien (26 Prozent) und der EU (31) entgegen.

Industriellenvereinigung (34) und Medien (35 Prozent) scheinen gut einem Drittel der Befragten vertrauenswürdig, das demokratisch legitimierte Parlament immerhin 45 Prozent. In einer Kanzler-Direktwahl würden 42 Prozent der Österreicher Kurz ihre Stimme geben, je sieben Prozent würden für Kogler bzw. SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner votieren, acht Prozent für Norbert Hofer (FPÖ) und vier Prozent für Beate Meinl-Reisinger (NEOS).

Forscher unterstützen Krisenstab

Mit der Visualisierung von Veränderungen in Wertschöpfungsnetzwerken nahezu in Echtzeit beschäftigt sich ein Josef Ressel Zentrum (JRZ) an der Fachhochschule (FH) Oberösterreich Campus Steyr. In der Coronakrise arbeiten die Experten mit dem Covid-Krisenstab zusammen. In Kooperation mit Forschungspartnern werden Simulationen zur Versorgungssicherheit entwickelt, heißt es in einer Aussendung.

Im Rahmen der Arbeit im Covid-Krisenstab entwickeln die Experten zusammen mit Forschern des Complexity Science Hub (CSH) Vienna, der Veterinärmedizinischen Universität Wien (Vetmed) und dem Institut für Produktionswirtschaft und Logistik der Universität für Bodenkultur (Boku) ein Simulationsprogramm, mit dem anschaulich dargestellt wird, wie es beispielsweise um die Lebensmittel-Versorgungssicherheit auf Bundes-, Landes- und Gemeindeebene bestellt ist. Das Tool zur „Systemischen Risikoanalyse für die Lebensmittel-Versorgungssicherheit in Österreich“ (SYRI) soll politische Entscheidungsträger beim Management der Krise unterstützen, in dem die lokale Situation simuliert und analysiert werden kann.

Simulationen zur Versorgungssicherheit der Bevölkerung

So könnten etwa bereits jetzt „Filial-Standorte und ihre Bestände sowie der Kalorienbedarf der Bevölkerung auf regionaler Ebene beobachtet“ werden. Das lasse es zu, etwaige Engpässe in Zeiten von Quarantänemaßnahmen regional zeitgerecht zu erkennen und zu vermeiden, heißt es am Donnerstag seitens der CDG. Das ursprüngliche Ziel des Anfang 2019 gestarteten Forschungszentrums ist es, ein Wertschöpfungsnetzwerk inklusive der Material-, Transport-, Informations- und Finanzflüsse umfassend zu simulieren.

„Für Unternehmen waren Echtzeitinformationen in Liefer- und Lagernetzwerken schon vor Covid-19 ein Zukunftsthema“, so Zentrumsleiter Markus Gerschberger. Diese Erkenntnisse können nun auch im Zusammenhang mit der Coronakrise angewendet werden. Josef-Ressel-Zentren werden vom Wirtschaftsministerium über die Christian-Doppler-Gesellschaft (CDG) gefördert. Als Vorbild für dieses auf Fachhochschulen zugeschnittene Programm dienen die Christian-Doppler-Labors, wo Universitäten mit Firmen zusammenarbeiten. Im Fall des „Josef Ressel Zentrum für Echtzeitvisualisierung von Wertschöpfungsnetzwerken“ sind dies die BMW Group und Hofer KG.

Anstieg der Auslastung in allen Bundesländern

In Oberösterreich waren mit Stand Dienstag, 5. Mai, im Schnitt 12,8 Prozent der im März angemeldeten Kinder wieder in den zahlreichen Einrichtungen der Pfarrcaritas und Caritas. „Die Bedarfsmeldungen der Eltern steigen kontinuierlich“, sagte Geschäftsführerin Edith Bürgler-Scheubmayr. In den 110 Kinderbetreuungseinrichtungen der Landeshauptstadt Linz waren am Donnerstag 829 (17,27 Prozent) Kinder. Am Montag waren es 715, Dienstag 841 und Mittwoch 860 Kinder gewesen, wie Stadträtein Eva Schobesberger (Grüne) der APA berichtete.

Derzeit sei die maximale Anzahl pro Gruppe mit zehn definiert, das heiße, dass im Vollbetrieb 50 Prozent der Plätze angeboten werden können. Schobesberger rechnet mit einem sprunghaften Anstieg am Montag, 18. Mai, wenn die Pflichtschüler wieder mit dem Anwesenheitsunterricht beginnen. Beim Land Oberösterreich liegen keine Daten vor, was mit der Vielzahl an Trägern begründet wird.

Run auf Medizinstudium hält an

Der Run auf die Medizin-Unis in Wien, Graz und Innsbruck und die Medizin-Fakultät der Uni Linz ist ungebrochen. 17.599 Interessenten haben sich diesmal verbindlich für das Mediziner-Aufnahmeverfahren für einen der 1.740 Plätze angemeldet, der Rekordwert vom Vorjahr wurde damit um sieben Prozent überschritten. Der ursprünglich für den 3. Juli geplante Aufnahmetest kann wegen der Corona-Pandemie erst später stattfinden. Wunschtermin von Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) und den Unis ist der 14. August. Sollte das wegen eines weiter bestehenden Ansteckungsrisikos nicht möglich sein, soll er zwischen 28. September und 7. Oktober stattfinden.

In der Humanmedizin gehen 75 Prozent der Studienplätze an allen Unis an Kandidaten mit österreichischem Maturazeugnis, 20 Prozent an Bewerber aus der EU und fünf Prozent sind für Studienwerber aus Drittstaaten vorgesehen. In der Zahnmedizin ist diese Quotenregelung dagegen gefallen: Die Plätze werden unabhängig von der Nationalität an die Bewerber mit dem besten Testergebnis vergeben. Im Schnitt erschienen in den Vorjahren rund 80 Prozent der Angemeldeten auch zum Test – für die Teilnahme am Aufnahmeverfahren waren 110 Euro zu bezahlen. Besonders stark fällt der Bewerberzuwachs in Linz aus, wo diesmal 60 zusätzliche Studienplätze angeboten werden. Für die nunmehr 240 Medizin-Studienplätze gibt es laut einer gemeinsamen Aussendung der Unis heuer 1.832 Interessenten (2019: 1.316).