Leere Schulklasse
ORF.at/Wolfgang Rieder
ORF.at/Wolfgang Rieder
Coronavirus

Offene Fragen zu Schulöffnung

Während in den Arztpraxen, den Spitälern und im Kulturleben langsam wieder so etwas wie Normalität Einzug halten soll, wird das in den Schulen noch dauern. Viele Fragen seien noch offen, so Paul Kimberger, Vorsitzender der Gewerkschaft der Pflichtschullehrer.

Die Grundfrage, die sich ihm stelle, so Kimberger, laute: „Wie können wir sicherstellen, dass in unseren Schulen alle Hygienevorschriften auch eingehalten werden?“ Nach wie vor hätten viele Schulen bedauerlicherweise kein Desinfektionsmittel, keine Schutzmasken, keine Seife, kein Warmwasser. „Solange wir nicht die restriktiven Maßnahmen, die auch von der Bundesregierung vorgeschrieben wurden, einhalten können, ist für mich eigentlich ein Schulbetrieb in der konventionellen Form undenkbar“, so Kimberger im Gespräch mit ORF-Redakteur Gernot Ecker.

Es sei Aufgabe der Republik, der Bundesländer, der Dienstgeber, Hygienematerial zur Verfügung zu stellen. Die Bildungsdirektion hatte zuvor in einem Schreiben vieles im Verantwortungsbereich – etwa das Einhalten des Mindestabstands – von Schulen und Lehrern verortet. „Wir brauchen natürlich auch eine Organisationsform, die es uns möglich macht, Abstand einzuhalten“, so Kimberger. Die Regelung in den geöffneten Geschäften laute: eine Person mit Schutzmaske pro 20 Quadratmeter. „Ich frage mich: Gilt diese 20 Quadratmeter-Regelung dann auch für die Schulen?“, so Kimberger.

Aufgaben im Heimunterricht

Über die Sinnhaftigkeit mancher Aufgaben im Heimunterricht diskutieren in der ersten Schulwoche nach den Osterferien nicht nur Schüler, sondern auch Eltern – vor allem jene von Kindern im Pflichtschulalter. Neben der Bewältigung der eigenen Arbeit oder der Betreuung mehrerer Kinder erscheint es etlichen absurd, mit dem Nachwuchs Werkstücke anzufertigen oder Turnübungen zu filmen und die entsprechenden Videos an die Lehrer zu schicken.

Doch auch diese Aufgaben sind verpflichtend und zählen zur Mitarbeit. Die Bildungsdirektion rät zur direkten Kommunikation der Eltern mit der Schule und den Schulen das Augenmaß bei den Aufgaben zu wahren. Die Lehrer sollen sich untereinander bei der Vergabe von Aufgaben absprechen.

SPÖ-Sozialsprecher Binder „erschüttert“

Als „schlichtweg erschütternd" bezeichnete SPÖ-Sozialsprecher Peter Binder die Aussagen Kimbergers im ORF-Interview in einer Aussendung: „Es ist verständlich, dass aktuell alle unter möglichst wenig gesundheitsgefährdenden Umständen arbeiten wollen. Aber ÖVP-Funktionär Kimberger vermittelt den Eindruck, dass LehrerInnen möglichst gar nicht arbeiten wollen. Ich weiß, dass dem nicht so ist.“

Linz will Lehrer in Horten unterrichten lassen

Der Linzer Bürgermeister Klaus Luger (SPÖ) hat am Freitag die Lehrer aufgerufen, ein bis zwei Wochen von den Sommerferien herzunehmen, um mit Volks- und NMS-Schülern Lerndefizite wegen der Corona bedingten Schulschließungen aufzuholen. Denn die Umstellung auf Home-Schooling sei „katastrophal“ verlaufen, meinte Pädagogin Anna Weghuber.

Zwei unterschiedliche Modelle plant Luger. In Sommercamps im August sollen förderbedürftige Linzer Schüler der ersten und zweiten NMS-Klasse vormittags unterrichtet werden. Am Nachmittag gibt es dann ein Rahmenprogramm mit Freizeitpädagogen. Die Lernwochen sollen an unterschiedlichen Orten stattfinden. Kommende Woche werde eine erste Planungssitzung stattfinden.

Städtische Förderprogramme

Für Volksschüler der dritten und vierten Klasse in der oberösterreichischen Landeshauptstadt wiederum soll es in den städtischen Horten Förderprogramme geben. Eine Verschränkung von Lernen und Freizeit sei aber auch dort geplant, führte Weghuber aus, die das Projekt entwickelt hat. Die Stadt Linz sucht nun für beide Angebote Pädagogen, die über den Sommer den versäumten Stoff mit den Schülern nachholen.

Digitale Kompetenz „nicht vorhanden“

Weghuber lehrt an der NMS Otto-Glöckel-Schule, die einen hohen Anteil von Kindern nicht deutscher Muttersprache besitzt. Doch nicht nur an ihrer Schule sondern auch von anderen Kollegen wisse sie, dass die digitale Kompetenz bei vielen Schülern „nicht vorhanden“ sie. Die Kids seien zwar ständig am Handy, aber den Umgang mit digitalen Lernprogrammen würden sie nicht beherrschen. Lehrer müssten sie täglich „durch den digitalen Dschungel lotsen“. So seien in den letzten Wochen bereits enorme Wissenslücken entstanden. In den Ferien müssten diese gestopft werden, damit im kommenden Schuljahr regulär mit dem neuen Stoff begonnen werden könne, meinte der Bürgermeister.