Birke im Frühling
pixabay/manfredrichter
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Coronavirus

Coronavirus verunsichert Allergiker

Tränende Augen, Schnupfen und Atemnot: Allergiker haben es dieses Jahr besonders schwer. Denn in Zeiten der Angst vor einer Coronavirus-Infektion, vermuten viele hinter ihren typischen Allergie-Symptomen, dass es Covid-19 sein könnte.

Die Verunsicherung sei groß, attestieren Ärzte. In Österreich leidet jede und jeder Vierte an einer Pollen-Allergie. Und die Birkenpollen explodieren gerade und zigtausende Allergiker leiden: die einen fühlen sich schlapp, bekommen schlecht Luft durch die Nase, andere schlafen nicht gut, kämpfen mit juckenden und tränenden Augen, wieder andere leiden unter Schnupfen und Atemnot.

Keplerklinikum Linz, Medcampus
ORF OÖ
Uniklinik Linz

In Zeiten der Corona-Pandemie vergeht kaum ein Tag, ohne dass sich Patienten auf das Coronavirus testen lassen wollen, weil sie ein mulmiges Gefühl haben. Im Allergie Zentrum des Kepler Universitätsklinikums erleben die Ärzte täglich die Verunsicherung der Menschen, so Wolfram Hötzenecker, der Leiter des Allergiezentrums: „Die Verunsicherung ist verständlicherweise da, weil drei Phänomene zusammenkommen. Einerseits haben wir noch immer Grippepatienten, aber das flaut zum Glück schon ab – dann gibt es noch das überspannende Thema der Coronavirus-Infektionen, aber auch jetzt vermehrt Beschwerden durch die Birke, deren Pollen jetzt fliegen“.

„Eigene Symptome richtig deuten“

Jetzt sei es besonders wichtig, die eigenen Symptome richtig zu deuten, so Lungenspezialist Bernd Lamprecht im Gespräch mit ORF-Redakteur Roland Huber am Dienstag: „Gerade in einer Phase, in der sich jeder genau beobachtet und auf Symptome besonders achtet, können allergiebedingte Symptome wie Husten und Atemnot sehr schnell Unruhe auslösen“. Lamprecht empfiehlt in diesem Fall sich exakt zu beobachten und abzuklären ob auch andere allergietypische Symptome (Reaktionen von Augen oder Nase) vorhanden seien, „und auch Fieber zu berücksichtigen, denn da wäre ein Hinweis auf eine Virusinfektion“. Fieber komme bei einer allergischen Reaktion nicht vor.

Medikamente besonders konsequent nehmen

Allergiker gehören grundsätzlich nicht zur Covid-19-Risikogruppe, so die Mediziner. Betroffene sollen ihre verordneten Medikamente jedenfalls konsequent einnehmen. „Es wäre genau der falsche Weg, die Medikamente abzusetzen, die einem sonst helfen, die Allergie gut unter Kontrolle zu haben.“ Bei allergischem Asthma etwa, sei den Patienten geraten, jetzt ihre Medikamente besonders konsequent einzunehmen, „denn nichts wäre ungünstiger als ein schlecht kontrolliertes Asthma, das mit einer schlechten Lungenfunktion einhergeht“.

Der Ambulanzbetrieb im Allergiezentrum ist reduziert worden, sagte Leiter Wolfram Hötzenecker: „Wir sind derzeit für Notfälle natürlich offen, die allgemeine Betreuung soll zum Schutz des Spital im niedergelassenen Bereich erfolgen“. In einer HNO-Ordinationsgruppenpraxis in Linz habe man dafür den Ordinationsalltag komplett umkrempeln müssen, erklärte die HNO-Ärztin Kristina Krumpholz. Zwei Teams von Ärzten, Ärztinnen und Assistenten kümmerten sich abwechselnd um die Patienten – solange sie nicht an Fieber und Husten leiden. Dazu seien Routineuntersuchungen verschoben worden und im Warteraum dürfen höchstens zwei Patienten aufhalten, so Krumpholz: „Wir haben sehr viele telefonische Anfragen, die auch am Telefon geklärt werden konnten – so haben wir nur noch ein Drittel der Patienten vor Ort – die normalen Routinetherapien wie Allergie-Impfungen werden wie immer fortgeführt“.

Die heurige Birkenpollen-Saison wird intensiv. Der Pollenwarndienst sieht teilweise Spitzenbelastungen, die um das Drei- bis Fünffache höher sind als normalerweise. Der Pollenwarndienst Österreich bietet auch einen Pollenwarner per sms oder App an.