Zettel auf Scheibe weist auf geschlossenes Geschäft hin
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Coronavirus

Wirtschaft kämpft mit Umsatzausfällen

Viele Branchen sind von den Maßnahmen der Regierung betroffen, so wird etwa aus der Modebranche ein Umsatzausfall von 100 Prozent gemeldet. Die Industriellenvereinigung verlangt schon nach Ostern eine schrittweise Rückkehr zur Arbeitsnormalität.

„Wir werden Hilfe brauchen“, meint zum Beispiel Ernst Mayr aus der Eigentümerfamilie der „Fussl Modestraße Mayr GmbH“ mit Hauptsitz in Ort im Innkreis. Die Frühjahrsmode ist bezahlt, hängt in den Geschäften, kann aber nicht verkauft werden. Derzeit sei die Hälfte der 1.200 Mitarbeiter in Österreich in Kurzarbeit – „die Regel ist gut“ –, die andere Hälfte noch auf Urlaub. Mayr rechnet damit, „dass wir im Mai wieder aufsperren“ und dass die Österreicher dann sehr wohl Geld ausgeben werden.

„Mode interessiert derzeit niemanden“

Die Modebranche hätte jetzt – von Mitte März bis Mitte Mai – ihre umsatzstärksten Wochen im ersten Halbjahr. Dass Fussl noch immer keinen Online-Shop hat, bereut der Eigentümer im Gespräch mit der APA nicht. „Das wäre ein Tropfen auf dem heißen Stein“ mit 95 statt 100 Prozent Ausfall, ergänzte Mayr. Denn „Mode interessiert derzeit niemanden“. Eine staatliche Direkthilfe, wie sie der Gesamtverband der deutschen Textil- und Modeindustrie fordert, werde auch in Österreich benötigt.

Sein Unternehmen werde die Krise überleben, zwar mit großen Verlusten, aber „wenn wir schon so leiden, kann man sich vorstellen, wie Firmen kämpfen, die weniger gut dastehen“, erklärte Mayr, der Unterstützung für Unternehmen, die jetzt schon nicht mehr kreditwürdig sind, als „zu teuer“ ablehnt. Die Staatshilfen würden erst ausgearbeitet, bei Ankündigungen seien momentan alle groß, „die Details lassen auf sich warten“, monierte Mayr. Sein Unternehmen zahle 100 Prozent Steuern in Österreich, betonte Mayr. Sicher sei Mode nicht lebenswichtig, doch „wenn dann nur noch ausländische Konzerne übrig bleiben, wird das nicht gut sein“, das Interesse sei, dass die Wertschöpfung in Österreich bleibe.

Auch positive Zeichen von der Wirtschaft

Heinzelpaper in Laakirchen (Bezirk Gmunden) will in der Coronavirus-Krise wachsen. Die Produkte des Unternehmens seien weltweit Basis für dringend benötigte Hygiene- und Verpackungsprodukte. Fensterhersteller Josko in Kopfing (Bezirk Schärding) produziert wieder. Mehr dazu in Auch positive Zeichen von der Wirtschaft (ooe.ORF.at)

Masken am Mittwoch nicht in allen Märkten

Vor Supermärkten soll künftig ein sogenannter Mund-Nasen-Schutz (MNS) an Kunden ausgeteilt werden. Ohne eine solche Maske werde der Zutritt verwehrt, hieß es bei einer Pressekonferenz der Regierungsspitze am Montag. Gelten soll diese Regel, sobald genügend Stückzahlen vorhanden sind, gerechnet wird damit ab Mittwoch. Die großen Handelsketten statten bereits ihr Personal mit Masken aus und verteilen ein Kontingent an die Geschäfte. Eine flächendeckende Abdeckung wird aber erst Ende der Woche erwartet. Mehr dazu in Masken noch nicht in allen Märkten

„Ritt auf der Rasierklinge“ für Industrie

Jede Woche, die der Ausnahmezustand länger dauere, treibe die Arbeitslosigkeit weiter nach oben und beschleunige die Rezession, so die Industriellenvereinigung (IV), die deshalb schon nach Ostern eine schrittweise Rückkehr zur Arbeitsnormalität verlangt. Man wisse, dass es sich dabei um einen „Ritt auf der Rasierklinge“ handle, so Joachim Haindl-Grutsch, Geschäftsführer der IV Oberösterreich.

Industrie will mehr „Normalität“

DienIndustrie in Oberösterreich fordert – unabhängig von der von der Bundesregierung ausgerufenen Verschärfung der Maßnahmen – die Rückkehr zu einer gewissen Art von Normalität in den Unternehmen, um den wirtschaftlichen Schaden zumindest einigermaßen in Grenzen zu halten.

Er verstehe den Wunsch, so Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) dazu, so gehe es vielen, „aber der Weg ist alternativlos“. „Deshalb: Die Maßnahmen streng einhalten, damit wir möglichst früh breitere Teile unseres Wirtschafts- und Arbeitslebens wieder losstarten lassen können“, so Stelzer.

Interview mit Landeshauptmann Thomas Stelzer

Es gehe immer um Menschenleben vor Wirtschaftsinteressen, da gebe es niemals eine Diskussion, sagte Stelzer im Interview mit dem ORF Oberösterreich.