Medizinisches Labor und Reagenzgläser
pixabay/Belova59
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Chronik

Acht Bewohner in Altenheim infiziert

Acht Bewohner eines Altenheims in Neuhofen an der Krems (Bezirk Linz-Land) sind mit dem Coronavirus infiziert. Alle 98 Bewohner und 73 Mitarbeiter sind getestet worden. Die Steigerungsrate nimmt indes in Österreich weiter zu.

Am Freitag waren zwei Personen mit Fieber ins Spital gekommen und positiv auf das Coronavirus getestet worden, bestätigte Bezirkshauptmann Manfred Hageneder am Dienstag einen Bericht der „Oberösterreichischen Nachrichten“. In der Folge mussten sieben weitere Bewohner und eine Mitarbeiterin zur Untersuchung. Ergebnis: Bei sechs der Senioren lag eine Coronavirus -Infektion vor. Die Betroffenen seien isoliert worden, ebenso jene Beschäftigte, die sie unmittelbar betreut hatten.

Warten auf restliche Testergebnisse

In der Folge wurden alle 98 Bewohner und 73 Mitarbeiter getestet. Noch stehen die Ergebnisse aus. Sobald sie vorliegen, soll die weitere Vorgehensweise festgelegt werden. Überlegt wird, mit einer Personalgruppe, die auch im Heim übernachtet, die positiv getesteten Bewohner zu betreuen und mit einer zweiten Gruppe die übrigen. 20 Beschäftigte befinden sich derzeit in Quarantäne.

Personell komme man im Bezirk derzeit noch über die Runden, aber man habe auch bereits Zivildiener angefordert und die mobilen Dienste auf das Nötigste reduziert, was ebenfalls Personalressourcen schaffe, so Hageneder. „Derzeit sind wir den Mitarbeitern zu hohem Dank verpflichtet, dass sie ihre Arbeit noch machen.“

„Befinden uns sowieso in ‚De-facto-Quarantäne‘“

Die Alters- und Pflegeheime befinden sich ohnehin bereits in einer „De-facto-Quarantäne“, so Hageneder. Es gebe ein Besuchsverbot und einen weitgehenden Aufnahmestopp – beides mit ganz wenigen Ausnahmen – sowie strenge Hygienevorschriften. So wird nicht mehr im Speisesaal gegessen, Lieferanten kommen nicht mehr ins Innere des Gebäudes und Bewohner bleiben im Zimmer.

Der Bürgermeister von Neuhofen Günter Engertsberger (SPÖ) ärgert sich vor allem, dass die Ortschefs seit einigen Tagen nur mehr die Bezirkszahlen bekämen und keine Gemeindezahlen mehr. Das sei in anderen Bundesländern nicht so, kritisierte er. Hageneder begründete die diesbezügliche Entscheidung des Krisenstabs damit, dass bei sehr kleinen Gemeinden und höheren Infizierten-Zahlen „das Rätselraten losgeht, wer das ist“, also mit Datenschutz. Die Bürgermeister würden aber bei Besonderheiten informiert, versicherte er. Engertsberger argumentiert hingegen, er würde etwa gerne die Feuerwehren bei einem Einsatz informieren können, ob in dem betroffenen Gebäude infizierte Personen wohnen.

Regierung stellt Geld für Pflege bereit

Die Regierung hat ein Maßnahmenpaket für die Pflege geschnürt. Es sollen 100 Mio. Euro bereitgestellt werden, um „Notsituationen“ abzuwenden, so Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) und Zivildienstministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) am Dienstag bei einer Pressekonferenz. Mit dem Geld sollen Hotlines in den Bundesländern ausgebaut werden, ebenso soll die Personalsituation entspannt werden. Es werde nicht möglich sein, die aktuelle Betreuungssituation aufrechtzuerhalten, betonte Anschober bei der Pressekonferenz. Es solle aber auch niemand zurückgelassen werden, so er und Köstinger – mehr dazu in Regierung stellt 100 Mio. Euro für Pflege bereit (news.ORF.at).

Erste CoV-Infektion in Justizanstalt

In der Justizanstalt Garsten wurde ein Wachbeamter positiv auf das Coronavirus getestet. Das hat Justizministerin Alma Zadic (Grüne) am Dienstag bestätigt. Nach Angaben des Ministeriums hatte der Mann keinen Kontakt zu Gefangenen. Neun weiter Beamte, die mit dem Mann Kontakt hatten, sind in Quarantäne und warten auf ihre Testergebnisse.

Mehr Infizierte: Steigerungsrate nimmt weiter zu

Die Zahl der nachweislich mit dem Coronavirus infizierten Fälle hat sich in Österreich am Dienstag in Richtung 5.000 bewegt. Mit Stand 15.00 Uhr meldete das Gesundheitsministerium 4.867 positiv Getestete. Das entspricht zum Vergleichszeitraum am Montag einer Steigerungsrate von 24,26 Prozent. Von Sonntag auf Montag hatte die Steigerung von 15,28 auf 19,33 Prozent betragen. Laut den Zahlen des Gesundheitsministeriums sind in Oberösterreich derzeit 795 Menschen positiv auf das Coronavirus getestet.

Erkrankte in Bezirken (Land OÖ, 4.4., 17.00 Uhr)

Linz-Stadt 163
Steyr-Stadt 33
Wels-Stadt 35
Braunau am Inn 71
Eferding 28
Freistadt 65
Gmunden 43
Grieskirchen 48
Kirchdorf 22
Linz-Land 122
Perg 182
Ried 16
Rohrbach 75
Schärding 31
Steyr-Land 93
Urfahr-Umgebung 179
Vöcklabruck 68
Wels-Land 43

Laut Land Oberösterreich befinden sich derzeit (Stand 17.00 Uhr) 6.618 Menschen in Quarantäne, 40 im Spital, davon vier auf Intensivstationen.

Kurz: „Wachstum muss in einstelligen Bereich“

„Wir müssen in den einstelligen Bereich, was das Wachstum der Kurve betrifft“, so Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) am Dienstag auf die Frage, wann es Lockerungen der Maßnahmen geben könnte. Gleichzeitig müsse dann vorgesorgt werden, dass es nicht zu einem neuerlichen Anstieg der Krankheitsfälle komme. Hoffnungen, dass nach Ostern Einschränkungen schnell der Vergangenheit angehören, dämpfte Kurz.

„Wir werden nach Ostern in einer Phase sein, die der heutigen mehr ähnelt als der Normalzustand“, so der Kanzler. Ziel sei es aber, die Maßnahmen mit 14. April schrittweise zurückzunehmen. Klarheit darüber, ob die bisher vollzogenen Maßnahmen zur Viruseindämmung greifen, werde man erst am Freitag haben, so Kurz.

Ausweitung der Testkapazität

Die Bundesregierung wird die Testkapazität in der Coronavirus-Krise stark ausweiten. „Es wird gelingen, die Kapazitäten auf rund 15.000 pro Tag auszubauen und auch durchzuführen, sofern wir die notwendigen Ressourcen erhalten“, so Kurz. Das wichtigste Ziel – neben der Reduktion der sozialen Kontakte – laute „testen, testen, testen“, so Kurz. Man werde auch auf Schnelltests setzen – mehr dazu in Regierung will Testkapazität stark steigern (news.ORF.at).

Schutzmaßnahmen Coronavirus
Grafik: APA/ORF.at; Quelle: APA

Die aktuellsten Zahlen der Coronavirus-Fälle können jederzeit unter dem folgenden Link auf der Website des Gesundheitsministeriums abgerufen werden:

Künstliche Intelligenz hilft bei Suche nach Medikament

Wissenschaftler auf der ganzen Welt versuchen, möglichst schnell ein Medikament gegen das Coronavirus zu finden. An der Linzer Universität programmierten Forscher eine Künstliche Intelligenz, die bei der Suche nach Wirkstoffen gegen das Virus helfen soll, heißt es in einer Aussendung der Johannes Kepler Universität. Das am Institut für Machine Learning zusammengestellte Computerprogramm arbeitete sich in den vergangenen Tagen durch eine Datenbank mit einer Milliarde Moleküle und fand dabei 30.000 vielversprechende Verbindungen. Diese Daten stehen nun international frei zur Verfügung und könnten zu einem Durchbruch beitragen.

Tschechien schließt Grenze

Schon seit mehr als einer Woche gelten strenge Beschränkungen an der tschechischen Grenze. Pendler allerdings durften bisher passieren. Nun soll die Grenze auch für Pendler geschlossen werden, kündigte der tschechische Innenminister Montagabend an. Zahlreiche Mühlviertler Betriebe, die viele Mitarbeiter aus Tschechien beschäftigen, stünden nun zu einer schwierigen Situation, so Dietmar Wolfsegger von der Wirtschaftskammer Freistadt – mehr dazu in Tschechien: Grenze auch für Pendler dicht (ooe.ORF.at).

27 Arztpraxen geschlossen

Laut Land OÖ sind bis Dienstagfrüh 27 Ordinationen von niedergelassenen Ärzten aufgrund von Covid-19-Erkrankungen oder Quarantänemaßnahmen geschlossen worden. In St. Wolfgang (Bezirk Gmunden) wird kommende Woche die Ordination der am Coronavirus erkrankten Allgemeinmedizinerin wieder aufsperren, informierte die Gemeinde in einer Postwurfsendung alle Haushalte. In dem Informationsblatt schildert die Medizinerin kurz, wie es ihr ergangen ist: „Es waren einige schwierige Tage mit hohem Fieber. Da mein Immunsystem aber sehr widerstandsfähig ist, konnte ich nach einigen Tagen Bettruhe die Infektion überwinden“, wird sie zitiert.

voestalpine beantragt für 20.000 Mitarbeiter Kurzarbeit

Der Linzer Stahlkonzern voestalpine wird wegen der Coronavirus-Krise für bis zu 20.000 der 22.000 Mitarbeiter in Österreich Kurzarbeit beantragen. Die Zahl der Leiharbeiter wird weiter reduziert. In der Stahlproduktion sei auf einen Schichtbetrieb mit zwei je zwölf Stunden langen Schichten umgestellt worden. „Wir werden sehr breitflächig Kurzarbeit beantragen. Es werden aber nicht immer alle Mitarbeiter permanent auf Kurzarbeit sein“, so Unternehmenssprecher Peter Felsbach – mehr dazu in voestalpine: Kurzarbeit für 20.000 Menschen (ooe.ORF.at).

AMS: Nachfrage nach Kurzarbeit ungebrochen

Bis zum Dienstagnachmittag (Stand 15.00 Uhr) stellten 6.500 Unternehmen Anträge bzw. konkrete Anfragen zur Kurzarbeit, so das Arbeitsmarktservice Oberösterreich in einer Aussendung. Man arbeite die Anträge zügig ab, so Landesgeschäftsführer Gerhard Straßer. Verzögerungen seien aber nicht zu vermeiden. Derzeit seien in etwa 51.000 Personen in Oberösterreich arbeitslos gemeldet. Ende März 2019 waren es laut AMS 33.800 Personen – auch dazu mehr in voestalpine: Kurzarbeit für 20.000 Menschen (ooe.ORF.at).

Länder erweitern Hilfspaket des Bundes

Die Republik Österreich hat ein 38 Mrd. Euro schweres Hilfspaket für von Maßnahmen gegen das Coronavirus betroffene Unternehmen geschnürt. Die Bundesländer warten zwar teilweise noch auf die Details, um dieses dann zu ergänzen oder haben bereits zusätzlich eigene Maßnahmen verkündet. Oberösterreich ist laut Wirtschaftslandesrat Markus Achleitner (ÖVP) gerade dabei, ein Unterstützungspaket für den Standort Oberösterreich zu schnüren.

Derzeit warte man aber noch auf die konkreten Richtlinien der Bundesregierung zu ihren Hilfspaketen, denn die Maßnahmen des Landes sollen diese ergänzen bzw. dort einspringen, wo die Unterstützungen des Bundes nicht greifen, so Achleitner. Im Kulturbereich hatte Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) bereits angekündigt, dass man Förderungen früher ausbezahlen wolle. Zudem hat das Land die Schuldenbremse aufgehoben.

Land verzichtet auf Verzugszinsen und Mahnspesen

Bei der Sitzung der Landesregierung wurde beschlossen, dass auf die Vorschreibung von Verzugszinsen und Mahnspesen verzichtet wird. Besonders betrifft das die Rückzahlung von Wohnbauförderungsdarlehen. Die Menschen hätten derzeit genug Sorgen um ihre Angehörigen und ihren Arbeitsplatz, es sei daher nicht notwendig, den Druck weiter zu erhöhen, so der für den Wohnbau zuständige Landeshauptmann-Stv. Manfred Haimbuchner (FPÖ). Die Sitzung wurde erstmals per Videokonferenz abgehalten – man wolle mit gutem Beispiel vorangehen und soziale Kontakte möglichst reduzieren, so Stelzer.

GWG stundet in Notlagen Mieten

Auch die Linzer Wohnungsgesellschaft GWG versuche individuelle Lösungen anzubieten, um Menschen in dieser schwierigen Situation zu helfen, so der Linzer Bürgermeister Klaus Luger (SPÖ). Mieter einer GWG-Wohnung, die sich in wegen der Coronavirus-Krise in einer Notlage befinden, sollen sich an die GWG wenden. „Die städtische Wohnungsgesellschaft wird durch Stundung der Miete versuchen, eine Lösung für Betroffene zu finden“, so Luger.