A-MINT / Alex Braga (IT)
AEC/Alex Braga
AEC/Alex Braga
Kultur

Ars Electronica: Schau für alle Sinne

Am Donnerstag hat in Linz die Ars Electronica begonnen. Bis 15. September findet an verschiedenen Veranstaltungsorten das als Vorreiter im Bereich Electronic und Digital Art geltende Festival der Ars Electronica statt.

Die heurige „CyberArts“-Ausstellung ist für die Organisatoren „Herz und wichtigste Ausstellung des Festivals“. Bei der Ausstellung im Linzer Ursulinenhof sind heuer drei Kategorien aus dem Prix Ars Electronica vertreten: Computer Animation, Digital Musics & Sound Art und die zum ersten Mal durchgeführte Artificial Intelligence & Life Art. Der Ursulinenhof werde vom Theaterkeller bis zum Dachboden zu einem erlebnisreichen Parcours der Medienkunst, so Kuratorin Genoveva Rückert bei einem Presserundgang am Donnerstag in Linz. Ausgestellt werden in jeder Kategorie die Gewinner der Goldenen Nica, die Auszeichnungen und Anerkennungen, was zu insgesamt 27 Positionen führt.

Sehen, Riechen, Fühlen

Paul Vanouses Sieger in der neuen AI-Kategorie „Labor“ produziert den Geruch von Schweiß, der nämlich, wie der Künstler erklärte, nichts Menschliches ist, sondern von Bakterien kommt. Ein weißes T-Shirt nimmt den Geruch auf, den menschliche Hautbakterien in drei Bioreaktoren erzeugen – an der Wand sehr ästhetische Drucke von verschwitzten Shirts. Auch mit Geruch arbeitet die Deutsche Agnes Meyer-Brandis. Bei „One Tree ID – How To Become A Tree For Another Tree“ wird aus der Gasemission einer Schwarzkiefer ein Parfüm hergestellt, das sehr würzig und an Hustenzuckerl erinnernd riecht.

Künstler vor einer Reihe von Computertischen
APA/ULRIKE INNTHALLER
Patrick Tresset: Installation „Human Study #4, La Classe“

Wunder auf Bestellung

Wunder auf Bestellung liefert Adam Brown (USA) in „[ir]reverend: Miracles on Demand“ mit einer scheinbar blutenden Hostie in einer Monstranz-Form. Dazu bedient er sich eines Mikroorganismus, der auf Brot wächst und eine Flüssigkeit produziert die Blut ähnlich ist. Der Franzose Patrick Tresset geht in „Human Study#4, La Classe“ den Erinnerungen aus seiner Kindheit und auch aus Filmen nach. Er inszeniert zehn Roboter – einen Lehrer, neun Schüler – in einer Klasse, anfangs gibt es Widerstand, doch dann zeichnen sie ihrem Lehrer brav nach. Interessant: Vier der neun Pulte sind für Linkshänder ausgerichtet – „Weil ich selber einer war und immer mit meinem Banknachbarn zusammengestoßen bin“, erklärte Tresset, es gehe auch um die Beziehung zwischen Individuum und Gesellschaft.

ULTRACHUNK / Jennifer Walshe (IE), Memo Akten (TR)
AEC/Anne Tetzlaff
Das Projekt A-MINT* ist eine neue Form adaptiver, künstlicher musikalischer Intelligenz

Der Gewinner der Musikkategorie, „TORSO #1“ des Österreichers Peter Kutin, dominiert den Ursulinensaal. Die Klangskulptur ist ein elektroakustisches System aus vier 100-Volt-Lautsprechern, die sich in unterschiedlicher Geschwindigkeit drehen. Wie Laserschwerter leuchten die Flügel auf, blinken und erlöschen wieder. Die Töne sind laut, leiser, wohlig und dumpf. Optisch erinnert die Skulptur an ein Windrad bzw. eine windmühlenartige Vogelscheuche. Sie nimmt die Zuschauer gefangen und füllt mühelos den Saal mit ihrer Präsenz. Oben im Dachboden widmet sich das Sine Wave Orchester aus Japan in ihrer interaktiven Installation „The Sine Wave Orchestra Stay“ der Sinuswelle. Jeder kann ein kleines Gerät, das eine Sinuswelle produziert, an eine der vielen Kupferdrahtsäulen montieren und damit den Klang der Installation verändern.

Das Wesen des Klangs

Ganz oben unter dem Dach hört man Francisco Lopez’ (ESP) „MANTRAcks and Sonic Fields: A VirtuAural Duology Part 1 – untiteld #352“. Beim Aufgang denkt man an eine weiter entfernte Kreissäge, auch im Raum selbst ist der Klang eher unangenehm. „Ich versuche Real Virtuality zu machen, nicht Virtual Reality“, sagte der Künstler, dem es darum geht, das Wesen des Klangs an sich zu erkunden. Die Aufnahmen für das Langzeit-Sound-Metastück stammen aus Fontenay-sous-Bois bei Paris.

alte Postrutschen
APA/BARBARA GINDL
Zum letzten Mal wird die PostCity beim Linzer Hauptbahnhof zum Festivalort

Die Computer Animation entschied eine kanadische Gruppe um Kalina Bertin mit „Maniac VR“ für sich. Anhand von Virtual Reality kann man in die Welt von Menschen mit bipolarer Störung eintauchen. Die Geschwister Bertins sind selbst betroffen und verwenden die Sprachbox ihrer Schwester als persönliches Tagebuch. Sie schuf daraus diese Installation, die im Keller zu sehen ist. Mit Elementen der Gaming-Kultur spielt die Französin Cindy Coutant in „Undershoot, sensitive data: Cristiano“. Über Text interagiert sie darin mit einem virtuellen Fußballer Cristiano Ronaldo. Mehr Arbeiten aus dem Computer-Animation-Wettbewerb sind im Art Thinking House in der PostCity und im Electronic Theatre bei der OK Night am Samstag zu sehen.

Kreativ im Teletext

Kunst im Teletext:Niccolo Moronato OOOroskop
Niccolo Moronato

Eine Teletextseite ist ein Raster von 24 Zeilen und 40 Spalten. Jeder Teil des Rasters kann für einen Buchstaben, eine Zahl, ein Sonderzeichen, ein Steuerzeichen oder bis zu sechs Grafikpixel genutzt werden. Um die Farben von Grafik, Text und Hintergrund zu ändern oder einen Blinkeffekt hinzuzufügen, muss ein Steuerzeichen eingefügt werden. Jedes Mal, wenn ein Steuerzeichen platziert wird, belegt es ein Feld des Rasters, das dann schwarz erscheint. Es stehen nur sechs Farben sowie Schwarz und Weiß zur Gestaltung zur Verfügung.

Teletext-Künstler in der PostCity

Während des Ars Electronica Festivals findet auch „ORF Teletext trifft Kunst“ statt. Fünf der teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler werden beim Teletext Hackathon in der Postcity, am Donnerstag, dem 5. September 2019, live Teletextkunst schaffen.Das Publikum ist ebenfalls eingeladen, vor Ort mit einer Teletextsoftware kreativ zu werden. Die dort entstehenden Kunstwerke können gleich im ORF TELETEXT veröffentlicht und bewundert werden. Am Freitag, dem 6. September 2019, wird die Kunstausstellung „ORF Teletext trifft Kunst" außerdem im Deep Space des Ars Electronica Centers auf der 16 x 9 Meter großen Leinwand präsentiert.

Die präsentierten Arbeiten stammen von Nadine Arbeiter (Deutschland), Cordula Ditz (Deutschland), Daniel Egg (Österreich), Dan Farrimond (Großbritannien), Juha van Ingen (Finnland), Joey Holder (Großbritannien), Kathrin Günter (Deutschland), Raquel Meyers (Spanien), Matthias Moos (Schweiz), Niccolò Moronato (Italien), Jarkko Räsänen (Finnland), Seppo Renvall (Finnland) und UBERMORGEN (Österreich, Schweiz/USA)

Publikum kann abstimmen

Auch das Publikum zu Hause wird in das Projekt eingebunden: Leserinnen und Leser sind eingeladen, für ihr favorisiertes Kunstwerk bzw. für die Lieblings-Kunst-Serie zu stimmen und eine von 20 USB-Karten, die exklusiv für das Teletext-Kunstfestival gestaltet wurden, zu gewinnen.

Die Ausstellung „ORF Teletext trifft Kunst“ ist eine Kooperation von ORF Teletext , ARD Text und der Künstlerkooperative FixC. Die Werke sind von heute Donnerstag, dem 29. August 2019, bis Donnerstag, dem 19. September 2019, ab Seite 840 im ORF Teletext und ab Seite 800 im ARD Text zu sehen.