30. Todestag Thomas Bernhard

Am 12. Februar 1989 ist Thomas Bernhard gestorben. ORF Radio OÖ gedenkt des Weltautors in drei einstündigen Radio-Sendungen, die unter verschiedenen Gesichtspunkten ausschließlich im Zeichen des großen Literaten stehen.

Peter Fabjan und Thomas Bernhard

„Premiere“ am Samstag, 2. Februar, ab 19.03 Uhr in ORF Radio OÖ

Peter Fabjan ist der Halbbruder und der Verwalter des literarischen Nachlasses von Thomas Bernhard. Als Internist begleitete er den Autor auch ärztlich. In der Sendung „Menschenkinder“ – einer Koproduktion von DOR-Film und ORFIII, basierend auf Idee und Regie von André Heller – erzählte Peter Fabjan am 30. Dezember 2016 ausführlich und detailreich aus seinem und aus dem Leben Thomas Bernhards. Diese persönliche Rückschau Peter Fabjans ist ein einzigartiges Dokument und offenbart ebenso wissenswerte wie auch berührende Begebenheiten aus dem Leben der Familie.

Thomas Bernhard

ORF

Sendungshinweise

„Premiere“, 2.2.19
„Lust aufs Leben“, 10.2.19
„Premiere“, 16.2.19

Thomas Bernhard steht immer wieder im Zentrum der Ausführungen – beginnend mit der engen Beziehung zum geliebten Großvater Johannes Freumbichler über die schwere Lungenkrankheit Bernhards bis hin zu den mühevollen schriftstellerischen Anfängen und dem Aufstieg zum international beachteten Autor und Dramatiker.

„Menschenkinder“ mit Peter Fabjan ist in einer leicht gekürzten Audiofassung in der Radiosendung „Premiere“ am Samstag, 2. Februar 2019, 19.03 bis 20.00 Uhr, in ORF Radio Oberösterreich zu hören.

„Thomas Bernhards Lebenskunst“

„Lust aufs Leben“ am Sonntag, 10. Februar, ab 21.03 Uhr

Dem besonderen Klima ist es zu verdanken, dass man die Salzburger Marktgemeinde St. Veit im Pongau bereits 1913 als Standort für eine Lungenheilstätte auswählte. Thomas Bernhard wurde als Lehrling nach einer Rippenfell- und Lungenentzündung im Jänner 1949 in die Lungenheilstätte Grafenhof eingeliefert wie kurz zuvor sein Großvater. Während seiner zweiten Kur starb der Großvater, ein Jahr später Bernhards Mutter. Damit hatte der damals Neunzehnjährige in kurzer Zeit seine zwei wichtigsten Bezugspersonen verloren. Er selbst wäre beinahe ebenfalls an seiner lebensgefährlichen Erkrankung verstorben.

In Erinnerung an den außerordentlichen Schriftsteller finden jedes Jahr im Oktober die „Thomas-Bernhard-Tage“ in St. Veit statt. 2018 war der Generaltitel des zweitägigen Symposions „Thomas Bernhard: Religion, Philosophie und Lebenskunst“, die inhaltliche Planung erfolgte an der Universität Salzburg in enger Zusammenarbeit zwischen Literaturarchiv und Fachbereich Germanistik.

ORF Radio OÖ hat am 13. Oktober 2018 ein Symposiumsgespräch mit dem Schriftsteller Alois Brandstetter, dem Germanisten Hans Höller und der Fotografin Erika Schmied aufgezeichnet, das vom Literaturwissenschafter Manfred Mittermayer moderiert wurde. Dieses Gespräch über „Thomas Bernhards Lebenskunst“ hören Sie am Sonntag, 10. Februar 2019, ab 21.03h in der Sendung „Lust aufs Leben“.

„Ein Kind“ und Anneliese Botonds Briefe

„Premiere“ am Samstag, 16. Februar, ab 19.03 Uhr in ORF Radio OÖ

Mit Romanen wie „Frost“ oder „Die Auslöschung“ und Dramen wie „Heldenplatz“ oder „Der Weltverbesserer“ avancierte Thomas Bernhard zu einem Autor von Weltruf. Wer dem persönlichen Sein und Erleben Bernhards nahekommen möchte, ist gut beraten, sich den autobiographisch angelegten Schriften „Die Ursache“, „Der Keller“, „Der Atem“, „Die Kälte“ und „Ein Kind“ zuzuwenden. In diesen autobiographischen Bänden legt der Erzähler seine Erfahrungen als Kind und Jugendlicher offen: die entsetzliche Zeit während des Krieges, geprägt von Willkür und Bedrohung, die Erfahrungen als schwerkranker Jugendlicher, die Bemühungen, in einem alles andere als einladend wirkenden Leben Fuß zu fassen und in ersehnter Zuneigung Halt zu finden.

In „Premiere“ am Samstag, 16. Februar, 19.03-20.00h, liest Michael König einen ausgewählten Ausschnitt aus „Ein Kind“: Als Achtjähriger tritt der Protagonist eine geheime Fahrt auf dem Steyrer Waffenrad des Vormunds an. Er erlebt ein ekstatisches Hochgefühl der Freude über die gewagte Ausfahrt – und das gnadenlose Scheitern, mit dem das Vorhaben endet.

Briefwechsel auf höchstem Niveau

Im zweiten Teil der Sendung liest die Schauspielerin Chris Pichler aus „Anneliese Botond: Briefe an Thomas Bernhard“, herausgegeben von Raimund Fellinger im korrektur Verlag.
Anneliese Botond war ab 1962 im deutschen Insel Verlag als Lektorin tätig. Umsichtig begleitete und betreute sie lange Zeit Bernhards Werke. In fast 150 Briefen, die Botond an Thomas Bernhard richtete, entwickelt sich das Zeugnis einer ebenso hochintelligenten wie feinfühligen und belesenen Frau, die fachlich souverän und unbestechlich agierte. Sie korrespondierte mit Thomas Bernhard behände über geschäftsmäßige Belange – und überaus einfühlsam über private und persönliche Befindlichkeiten und Begebenheiten. Botonds Briefe erweisen sich ob ihrer Qualität selbst als Literatur.

Berichterstattung in TV, Radio und Internet

Auch in der aktuellen Berichterstattung, in der TV-Sendung „Oberösterreich heute“, im Radio und auf ooe.orf.at wird Thomas Bernhards mehrfach gedacht.Rund um den 30. Todestag Thomas Bernhards berichtet ORF Oberösterreich über Buchneuerscheinungen zum Thema, wie beispielswiese das „Bernhard-Handbuch. Leben – Werk – Wirkung“ (J. B. Metzler Verlag) oder über den Bildband „Thomas Bernhard. Hab & Gut. Das Refugium des Dichters“ (Brandstätter Verlag).

Eine Besonderheit findet sich auch im ORF-eigenen Archiv: Bei einem mehrtägigen Symposion im Jahr 1984 stand Thomas Bernhard im Mittelpunkt der Veranstaltung, begleitet von Weggefährten wie Claus Peymann oder Bruno Ganz. „Oberösterreich heute“ berichtete in einer Rückschau über die denkwürdige Veranstaltung.