Das Beste aus „Lust aufs Leben“ 2018

Pünktlich jeden Sonntag um 21.03 Uhr nach den Nachrichten startet „Lust aufs Leben – Kultur aus allen Richtungen“. Die Sendung am 13. Jänner 2019 bietet eine akustische Retrospektive über das vergangene Jahr.

Wenn es sich inhaltlich um relevante historische Ereignisse handelt, dann heißt die Reihe „Schwerpunkt Zeitgeschichte“. Sie beschränkt sich nicht nur auf oberösterreichische Anlässe und Jubiläen, sondern macht auch den einen oder anderen nationalen oder internationalen Erinnerungs- und Gedenktag zum Hauptthema der Sendung.

Prager Frühling

2018 war das anlässlich des Einmarsches der Warschauer Truppen am 21. August 1968 in die Tschechoslowakei vor 50 Jahren der Fall. Damit wurde das Ende des „Prager Frühlings“ eingeleitet. Hier spielte eine analoge Langspielplatte eine große Rolle, die seit Jahrzehnten im Hörfunkarchiv mehr oder minder herumlag, weil weder die Archivmitarbeiter noch ich etwas damit anfangen konnte. Diese Platte stellte sich geradezu als ein Schatz heraus, waren doch Originalaufnahmen vom Tag der Besetzung der CSSR zu hören, die der Tschechoslowakische Rundfunk aufgenommen hatte. Es war also eine Premiere und der Beweis dafür, dass man nichts vorschnell wegschmeißen sollte.

Cordoba

Wenn man nur „Cordoba“ sagen würde, wüssten alle was gemeint ist. Der Sieg Österreichs am 21. Juni 1978 bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Argentinien. Drei Minuten vor Schluss gelang Hans Krankl das entscheidende 3:2. Ebenso unvergessen wie der Treffer ist der Torjubel von Radioreporter Edi Finger, der ein in die Ewigkeit eingegangenes „I wead narrisch“ hinterherschickte. Das war auch der Impuls für mich, eine Sendung über vier Reporterlegenden des Radios zu machen. Eben genannter Edi Finger senior wie auch Manfred Payrhuber, lange Zeit ein Arbeitskollege von mir, der insgesamt 29 Jahre die Abteilung Sport im ORF Landesstudio OÖ leitete. Edi Fingers Nachfolger war der sehr beliebte mit profunden Kenntnissen ausgestattete Heribert Meisel. Willy Schmieger als die vierte Legende ist den meisten nicht mehr bekannt, er war der erste überhaupt, der noch zu Zeiten der RAVAG, dem Vorgänger des ORF, Sportreportagen hielt.

Helmut Köglberger

Eine andere Legende hingegen verstarb. Helmut Köglberger, liebevoll von allen „Heli“ genannt, ist im Alter von 72 Jahren im September gestorben. Mit seinen Toren schoss sich der trickreiche Bewegungskünstler vom „Negerbuam“, der gesellschaftlich im Abseits stand, zum Publikumsliebling. Als dunkelhäutiges Besatzungskind, der seinen Vater nie kennengelernt hat, hatte er es nicht immer einfach. Das Verhältnis zur Mutter war schlecht, die Großmutter nahm sich des Buben an. Der Fußball schließlich war es, der ihm half, seinen Platz zu finden. „Helmut Köglberger - Vom Besatzungskind zum Teamkapitän Österreichs“ war der Titel der Sendung im November.

Ein paar Informationen in eigener Sache: Insgesamt gab es im abgelaufenen Jahr 52 Sendungen, die sich mit unterschiedlichsten Themen aus den Bereichen Kunst und Kultur, Brauchtum und Volkskultur, Musik und Zeitgeschichte, Religion und Wissenschaft beschäftigten. Inhaltliche wie formale Vielfalt soll geboten werden, um einen wöchentlichen Kultur-Mix für interessierte Hörerinnen und Hörer zu offerieren. Jede Sendung wird nach ihrer sonntäglichen Ausstrahlung am darauffolgenden Montag als podcast auf der Homepage von Radio OÖ eingestellt und ist danach für längere Zeit nachhörbar. Jeden Donnerstag wird das Programm für die nächste Sonntagssendung im Internet bereits angekündigt. Mit Hilfe des Teaserbeitrages, einem kleinen akustischen Appetitmacher, kann man sich schon im Vorfeld eine Vorstellung über den Sendungsinhalt machen.

Richard Tauber und Parov Stelar

Nicht gegensätzlicher konnten zwei Produktionen sein, die zwei Stars in den Vordergrund stellten, die äußerst publikumswirksam waren und sind. Der Eine war Richard Tauber, ein Sänger, ein Tenor genaugenommen, der vor 70 Jahren verarmt in einem Londoner Spital verstarb. Er kam am 16. Mai 1891 in einem düsteren Zimmer im Gasthof „Zum Schwarzen Bären“ in der Linzer Herrenstraße zur Welt und sollte später zum internationalen Weltstar emporsteigen. Tauber wurde vor allem durch seine Interpretationen von Operettenliedern von Franz Lehar berühmt.

Der Andere ist ebenfalls Oberösterreicher, der musikalisch eine etwas andere Klientel anspricht. Er beschäftigt sich aber mit Musik aus den 20er- und 30er-Jahren, also in einer Zeit, in der Tauber schon auf den verschiedenen Bühnen in Österreich und Deutschland vertreten ist. Parov Stelar ist so was wie ein DJ, sein Produkt heißt Electroswing, eine tanzbodentaugliche Neuerfindung des alten Jazz und Blues.

Schlager aus den Achter-Jahren

Persönlich bin ich ja eigentlich kein großer Anhänger von Schlagermusik. Heute klingt er zwar völlig anders als im 20. Jahrhundert, man denke nur an Künstler wie Helene Fischer, Andreas Gabalier, Monika Martin oder Semino Rossi. Sein Publikum hat der Schlager immer noch, mehr denn je füllen die Amigos, die Nockies oder die Paldauer Konzerthallen und Stadien. Aber was den Schlager durchaus auszeichnet und da gibt es Parallelen zum französischen Chanson, ist die Tatsache, dass sich in seinen Texten die jeweilige Stimmungslage und der Zeitgeist spiegelt. So entschloss ich mich zu einer Hörgeschichte der Schlager- und Unterhaltungsmusik aus den Achterjahren und sieben Folgen sind insgesamt entstanden. Beginnend mit dem Jahr 1928, nahm ich jede Dekade musikalisch unter die Lupe. 1938 marschierte die Deutsche Wehrmacht in Österreich ein, nach dem Anschluss war es mit der Leichtigkeit des Schlagers vorbei. Die Nationalsozialisten hatten bald erkannt, dass der Rundfunk ein Instrument der Volksaufklärung und Propaganda sein würde. Die Sendung hieß „Was meine Großeltern vor 80 Jahren nicht mehr hören durften“.

Jodeln

Das Jodeln erfreut sich in Österreich steigender Beliebtheit. Es kann sehr viel mehr sein als nur ein Klischee, das meist mit Almen, Kühen, Lederhosen und Dirndln in Verbindung gebracht wird. Es werden Jodelworkshops angeboten, meistens in idyllischer Umgebung und Biokost. Die Kunst des Jodelns erlernt man dabei quasi nebenbei, aus dem Bauch heraus und ganz ohne Stress. Auch meine Frau besucht seit Jahren Jodelkurse und erzählt mir immer ganz enthusiastisch von ihren Erlebnissen. Es lag also nahe, die Sendung „Warum meine Frau Jodlerkurse besucht?“ zu nennen.

Gedenk- und Bedenkjahre

„Achte auf die Acht!“ stand einmal in der Presse. Es zeigt sich in der Geschichtswissenschaft, dass es immer wieder 8er-Jahre waren, die eine Zäsur markierten, eine Epoche beendete oder prägend für weitere Entwicklungen wurde. 2018 gab genug Anlass für Gedenk- und Bedenkjahre. Im Rahmen der Serie „Schwerpunkt OÖ Zeitgeschichte“ stand das Schicksalsjahr 1938 im Mittelpunkt eines dreiteiligen Dokumentationsschwerpunktes. Der erste Teil beschäftigte sich mit der Situation des Rundfunks, mit dem Musikprogramm, das vor 80 Jahren aus den Röhrengeräten und Detektorapparaten dröhnte und tönte. Im zweiten Teil konnte man Originalaufnahmen vom Einmarsch der deutschen Wehrmacht in Oberösterreich hören. Bisher unveröffentliches Archivmaterial aus dem Deutschen Rundfunkarchiv schilderten in der dritten Folge die Ereignisse am Linzer Hauptplatz an dem Tag, an dem man in Linz auf die Ankunft des Führers wartete.

Stimmen

Einen versöhnlichen und feierlichen Inhalt boten die Sendungen an den Adventsonntagen. „Auf den Flügeln des Gesanges“ hieß eine Stimmentrilogie, die sich mit dem Zauber der menschlichen Stimme und der Kraft des Gesanges beschäftigte. In drei Folgen wurden außergewöhnliche Gesangsensembles, Chöre und Chorgruppen aus den verschiedensten Kulturen und Kontinenten präsentiert. 34 Chöre, mehr als tausend Sängerinnen und Sänger verwirklichen einen Traum von menschlicher Gemeinschaft, der zu Klang wird, zum größten, mächtigsten menschlichen Klang.

Hier können Sie die Sendung nachhören:

Michael Huemer