Helmut Köglberger in „Lust aufs Leben“

„Helmut Köglberger - Vom Besatzungskind zum Teamkapitän Österreichs“ lautet der Titel der Sendung „Lust aufs Leben“ am Sonntag, 25.11., ab 21.03 Uhr mit Gastgeber Michael Huemer in Erinnerung an den heuer verstorbenen Jahrhundertfußballer Helmut Köglberger.

Helmut Köglberger kommt am 12. Jänner 1946 in Steyr zur Welt. Seine Mutter, gerade Anfang 20, arbeitet als Dienstmädchen auf einem Bauernhof in Sierning, in der Nähe sind amerikanische Soldaten stationiert. Aus so einer Beziehung, die eigentlich gar keine ist, entstammt Köglberger. Seinen Vater, einen dunkelhäutigen US-Besatzungssoldaten lernt er nie kennen. Das Verhältnis zu seiner Mutter war überdies schlecht, alle Versuche des Sohnes, später mehr über seinen Vater zu erfahren, blockt sie ab.

Die Sendung zum Nachhören:

Volksschullehrer fördert Kinder

Auf dem Platz der Katholischen Arbeiterjugend kicken die Kinder und Jugendlichen jeden Tag, gefördert von einem Lehrer aus der Volksschule. Von seiner frühen Kindheit erzählt Köglberger, dass er sich selbst im Kindergarten angemeldet hat. Er war auf sich gestellt, musste sich seinen Alltag organisieren. Man ist in die Schule gegangen, ist heimgekommen, der Schlüssel ist unter dem Fensterbrett gelegen, man musste essen und schauen, die schulischen Hausaufgaben erledigen. Weil von der Familie niemand da ist, schreibt sich Köglberger mit zehn Jahren in die Schülermannschaft des SV Sierning ein. Um ein Foto für seinen Spielerpass zu bekommen geht er zum Fotografen, der ihn ablichtet und ihm dieses Foto schenkt.

Helmut Köglberger

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„Negerl“ und „Murli“ von Lokalpresse genannt

Köglberger reift Anfang der 60er-Jahre zum Stürmer bei Amateure Steyr, bald trainiert er schon mit der ersten Mannschaft. Dass die Lokalpresse ihren Lokalmatador „Negerl“ und „Murli“ nennen, stört ihn nicht, in der Mannschaft wird er akzeptiert, die Zuschauer sind von ihm begeistert. Die Hänseleien ob seiner dunklen Hautfarbe in der Schule und am Sportplatz stacheln ihn eher an. 1962 debütiert er in einem Meisterschaftsspiel der Regionalliga Mitte gegen die VOEST, er ist der jüngste Kicker in dieser Liga. Sein Name taucht erstmalig in der Zeitung auf und der Weg nach oben ist nicht mehr aufzuhalten. Man holt ihn in die oberösterreichische Jugendauswahl.

8:0 Kantersieg wird für Köglberger wegweisend

Bei Bundesländerturnieren fällt er auch den Vertretern von Staatsligaklubs auf, im UEFA-Team, das man mit einer U-18 Mannschaft vergleichen könnte, trifft er erstmals auf Thomas Parits, Johann „Buffy“ Ettmayer, Robert Sara, Peter Pumm, mit denen er später zusammenspielen wird. Ein 8:0 Kantersieg gegen Radenthein wird für ihn wegweisend. Er erzielt drei Tore, wobei er einmal die gesamte Abwehr der Kärntner düpiert. Jetzt will ihn der LASK unter seinem Trainer Karl Schlechta.

Helmut Köglberger

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Sendungshinweis

„Lust aufs Leben“, 25.11.18

Im Juli 1964 ist es soweit, Köglberger beginnt mit 18 Jahren seine Profikarriere beim LASK, man spricht von einer beträchtlichen Transfersumme und einem Handgeld von 40.000 Schilling. Die Anfangszeit beim Linzer Verein stellt sich als schwierig heraus, der junge Mann startete in einen starken Mannschaftskader in die Saison 1964 auf 1965. Es wird sechs Mal in der Woche trainiert, die gegnerischen Abwehrketten sind bei weitem nicht mehr so leicht zu knacken wie in den unteren Klassen. Außerdem gab es intern große Konkurrenz, verfügte die Mannschaft über ausgezeichnete Offensivkräfte wie Franz Viehböck, Paul Kozlicek, Rudolf Sabetzer, Ferdl Zechmeister, Hans Kondert, dazu kamen Auslandskicker wie Luka Liposinovic und Carlos „Chico“ Lima.

Hart um Stammtrikot gekämpft

Köglberger musste hart um ein Stammtrikot kämpfen, gerade in einer Zeit, in der während des Spieles nicht gewechselt werden durfte. Das bedeutete gleichzeitig die Versetzung eines Spielers in die Reserve, wenn man in der Startelf nicht dabei war. Die Landstrassler starteten die Saison mit hohen Erwartungen, die jedoch nach den ersten Niederlagen einen Dämpfer erhielten. Am 29. August 1964 debütiert Köglberger für den LASK. Mit einer 2:4-Niederlage beim 1. SC Wiener Neustadt geht der Auftakt gleich in die Hose. Bald stand unter vorgehaltener Hand eine Ablöse von Trainer Karl Schlechta im Raum, der Straftrainings und Geldstrafen ankündigte. Ende der Herbstsaison standen die Linzer auf dem eher enttäuschenden siebenten Tabellenplatz. Die Schuld schrieb die Linzer Tagespresse „läge in den eigenen Reihen und dem fehlenden Vereinsgeist bei den Schwarz-Weißen“.

Mitten in diese Krisenstimmung platzt die Beurlaubung Schlechtas. An seine Stelle holt der Linzer Traditionsverein Frantisek Bufka aus der Tschechoslowakei in die Stahlstadt, der kaum Deutsch spricht und überhaupt wortkarg ist. Er verordnet den LASK-Fußballern gemeinsam mit Co-Trainer Laszlo Simko ein beinhartes Wintertrainingslager in Obertraun. Bei Eiseskälte im Schnee stöhnen die LASK-Kicker unter dem Kraft- und Konditionstraining. Die erworbene konditionelle Stärke und der Schmäh während der Trainingstage ließen die Mannschaft zusammenwachsen und wird der Grund für den späteren Erfolg des LASK sein.

Helmut Köglberger

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Bufka schiebt Köglberger zu den Amateuren

Vom jungen Helmut Köglberger hält der schwierige Bufka wenig und schiebt ihn zu den Amateuren. Erst vor dem Cupfinale und der Endphase der Meisterschaft holt er ihn in den Kader der Kampfmannschaft. In den beiden Pokalendspielen gegen Wiener Neustadt, auswärts gewinnt der LASK mit 1:0, im Rückspiel am LASK-Platz gibt es ein 1:1, holen sich die Schwarz-Weißen 1965 den ersten österreichischen Pokalsieg in der Vereinsgeschichte. Es war gleichzeitig der erste für einen Klub aus den Bundesländern. Köglberger war im Finale dabei und der unberechenbare Bufka war mit ihm nicht zufrieden. Köglberger sollte beim größten Erfolg der Vereinsgeschichte ein paar Tage später gegen die Vienna nicht einmal auf der Bank sitzen. Er ist nur Zuschauer auf der Hohen Warte, wo sich der LASK das Double holt. Die Linzer werden österreichischer Fußballmeister und gewinnen den ersten Meistertitel einer Nicht-Wiener-Mannschaft.

Wechselhafte Beziehung zum Nationalteam

Nach dem Gewinn des Meistertitels wird Helmut Köglberger vom österreichischen Teamchef Edi Frühwirth erstmals in das Nationalteam berufen. Das Debüt gegen Ungarn am 5. September 1965 im Budapester Nep-Stadion findet vor 80.000 Zuschauern statt. Neben dem pfeilschnellen Stürmer laufen auch seine Mannschaftskollegen Gerhard Sturmberger und Franz Viehböck ein. Österreich verliert nicht nur das Match, sondern auch alle Chancen auf eine Teilnahme an der WM-Endrunde 1966 in England. Es sollte ihm auch später nicht gelingen, an einer Fußballweltmeisterschaft teilzunehmen. Köglbergers Beziehung zum Nationalteam sollte eine wechselhafte bleiben. Am 1. Mai 1968 findet das erste Länderspiel der Geschichte außerhalb Wiens statt. 32.000 sahen ein 1:1-Remis zwischen Österreich und Rumänien im Linzer Stadion, Köglberger war übrigens auch dabei. Er wird zum Stammspieler des Nationalteams. 1972 ist Ungarn der Gegner in der WM-Qualifikation, das Heimspiel im Wiener Praterstadion endet mit einem 2:2 Unentschieden.

Als sein größtes Spiel und zu einem Höhepunkt seiner Karriere wird ein freundschaftliches Match in Sao Paulo im Estádio do Morumbi gegen Brasilien, dem regierenden Weltmeister. Vor mehr als 120.000 Fans erreicht Österreich ein ehrenvolles 0:0-Unentschieden. Der junge Hans Krankl war bereits im Sturm. Unter den Zuschauern saß auch der große Edson Arantes do Nascimento, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Pelé, der nach dem Spiel Köglberger zu dessen Leistung gratulierte.

Helmut Köglberger

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Stastny macht Köglberger zum Teamkapitän

Leopold Stastny, der Teamtrainer, macht Köglberger zehn Jahre nach seinem ersten Spiel fürs Team zum Kapitän der Nationalmannschaft. Die beiden hatten ein gutes Verhältnis zueinander, weil sich Stastny für die menschliche Seite der Spieler interessierte, was damals durchaus ungewöhnlich war. Köglberger habe von ihm nicht nur fußballerisch sondern auch persönlich viel gelernt, wie er erzählt. Dazu gehörte auch die Einstellung, dass Fußball nicht nur mit dem Fuß „sondern auch mit dem Kopf und mit der Seele“ gespielt werde. Obwohl Köglberger als 29-jähriger die Kapitänsschleife trägt und damit der Älteste in der Mannschaft ist, wird er für die Qualifikationsspiele für die Fußball-Weltmeisterschaft 1978 in Argentinien nicht mehr berücksichtigt. Helmut Senekowitsch heißt der neue Teamchef und Helmut Köglbergers Teamkarriere ist – übrigens ohne Erklärung – nach 28 Länderspielen und 6 Toren zu Ende. Das schönste war ein Weitschusstreffer gegen die Schweiz, aus 25 Metern trifft der Stürmer ins Kreuzeck und das ausgerechnet auf der Gugl in Linz.

1966 heiratet Köglberger seine Jugendliebe Christina, um mit ihr eine Familie zu gründen, die er selbst nie gehabt hatte. In Oberbairing wird ein Haus gebaut, drei Söhne werden großgezogen, Michael, Helmut, Stefan – das war es was sich der Fußballer als Kind erträumt hatte und wo er sich am wohlsten fühlt – in der Familie. Christina Köglberger blieb bei den Kindern zuhause, weil ihr Mann als Berufsfußballer 180 Tage im Jahre mit seinen Vereinen unterwegs war.

1968 zur Austria gewechselt

Helmut Köglberger ist in Linz beim LASK der uneingeschränkte Publikumsmagnet und Liebling der Zuschauer. Insgesamt sind es vier Saisonen beim LASK bis er den nächsten Karriereschritt wagt: 1968 wechselt er zu Austria Wien. Trainer Ernst Ocwirk ist vom farbigen Stürmer begeistert und Köglberger war selbst ein großer Fan der Violetten. Er erobert schnell die Herzen der Wiener Fußballfreunde und erfüllt seinen Arbeitsauftrag mit Bravour: 202 Treffer in 301 Spielen brachten dem Verein zwei Meistertitel und zwei Cupsiege ein. In der Saison 1968/69 wird er Torschützenkönig, für seine 31 Treffer wird er mit dem bronzenen Schuh für Europas drittbesten Torschützen ausgezeichnet.

Im Gesamten betrachtet sind die Jahre bei der Wiener Austria durchaus die erfolgreichsten in Köglbergers Karriere, für ihn persönlich sind sie eher durchwachsen. Immer wieder werfen ihn Verletzungen zurück, nicht mit jedem Trainer kommt er zusammen. Trotz seiner Beliebtheit und der vielen Tore scheitern alle Versuche, ins Ausland zu wechseln. Nach sechs Jahren in Wien will Köglberger nach Linz zurück, der Linzer Traditionsklub spielte stets eine sehr große Rolle in seinem Leben.

Helmut Köglberger bei Slum-Kindern in Kenia

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Köglberger engagierte sich auch in Kenia in einer Fußballschule

Köglberger hat Hick-Hack in Wien satt

Mitten in der Saison 1974/75 löst er den Vertrag, obwohl er in der Torschützenliste an erster Stelle steht und kehrt zu den abstiegsgefährdeten Linzern zurück. Er hat das ewige Hick-Hack in Wien satt und seufzte erleichtert nach seiner Rückkehr: „Endlich bin ich dort, wo ich hingehöre.“ Die Anhängerschaft der Veilchen entlassen ihn ungern - die Linzer Fans freuen sich über ein Wiedersehen ihrer lebenden Klublegende.
Die folgenden Jahre waren von einem ständigen Auf und Ab geprägt. Zum Leidwesen der schwarz-weißen Fans wird Blau-Weiß zur Modefarbe, der Stadtrivale Voest Linz wird 1974 österreichischer Fußballmeister. Die Linzer Stadtderbys sind dabei immer ein Renner für die Fans.

Unterschrift Autogramm Köglberger

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1978 steigt der LASK nach zwanzig Jahren in die 2. Division ab, was insofern bitter war, weil man mit dem Vorletzten Admira Wacker dieselben Punkte hatte und sich die Tordifferenz genau um einen einzigen Treffer schlechter erwies und den Abstieg besiegelte. Umso überzeugender gelang der Wiederaufstieg mit einer Serie von 20 Spielen ohne Niederlage, wobei sich Helmut Köglberger mit 25 Toren den Titel des Torschützenkönigs der zweiten Liga holt. Als Kapitän erleidet er 1981 einen Muskelfaserriss und muss pausieren. Der Sechsunddreißigjährige gibt sein Karriereende bekannt und sollte den LASK-Dress in einem Bewerbsspiel nie mehr wieder überstreifen. Nach 283 Meisterschaftsspielen und 140 Meisterschaftstoren für den LASK heißt es vom Bundesligafußball Abschied zu nehmen.

Michael Huemer; ooe.ORF.at