Die sowjetische Invasion der Tschechoslowakei

Die sowjetische Invasion der Tschechoslowakei am 21. August 1968 in Originalaufnahmen ist am Sonntag, 14. Oktober, ab 21.03 Uhr in der Sendung „Schwerpunkt Zeitgeschichte“ zu hören.

Am 27. Juni 1991 verließ der letzte sowjetische Soldat die damalige Tschechoslowakei, erst zwei Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs. 23 Jahre lang sollten russische Truppen das Land besetzt halten bevor sich der Warschauer Pakt auflöste. Mehr als eine halbe Million Soldaten hatten in der Nacht vom 20. auf den 21. August 1968 das Land überfallen und damit reformsozialistische Versuche der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei niedergewalzt.

Eine Schallplatte aus dem Hörfunkarchiv

Ein halbes Jahrhundert ist seit dem Einmarsch der Warschauer Truppen vergangen, was schon Anlass genug für eine Sendung über die dramatischen Ereignisse an diesem Tag gäbe. Zusätzlich spielte der Zufall mit. Schon seit Jahrzehnten lag eine noch analoge Schallplatte im Hörfunkarchiv des Landesstudios OÖ quasi herum, mit der keiner der Archivmitarbeiter wirklich etwas anfangen konnte. Auf der Schallplattenhülle sieht man einen Mann in Anzug und Krawatte, der beide Hände in die Höhe reckt. Er steht einen guten Meter vor der Mündung des Kanonenrohres, um einen russischen Panzer zu stoppen.

Schallplatte Prager Frühling

ORF

Aufgebrachte Bürger umringen die dramatische Szene. Dieses Schwarz-Weiß-Foto ist der Beweis und ein Dokument des friedlichen Protests gegen eine gewaltige Übermacht. Die Schallplatte versammelt wichtige Passagen aus dem Radioprogramm, das am 21. August 1968 vom Tschechoslowakischen Rundfunk ausgestrahlt wurde.

Einzigartiges akustisches Dokument

Diese Langspielplatte, noch in Mono aufgenommen, ist ein einzigartiges akustisches Dokument. Den Recherchen nach dürfte sie in Österreich noch nie gesendet worden sein. Selbst Radio Prag konnte bei Nachfragen nicht weiterhelfen. Ergänzt werden die Aufnahmen durch historisches Originalmaterial aus dem Hörfunkarchiv des ORF OÖ.

Weitra Prager Frühling 50 Jahre Diskussion

ORF

In der Nacht vom 20. auf den 21. August überschreiten hunderttausende Soldaten, 2.300 Panzer und 700 Flugzeuge die Grenzen der Tschechoslowakei. An achtzehn Punkten rollen um 23 Uhr die Truppen des Warschauer Paktes in das Land ein.

Sendungshinweis

„Schwerpunkt Zeitgeschichte“, 14.10.18

Die Ereignisse überschlagen sich. Um zwei Uhr nachts landeten sowjetische Flugzeuge mit Soldaten und schwerer Militärausrüstung auf dem Prager Flughafen Ruzyně. Damit begann die militärische Besetzung durch den Warschauer Pakt, durch die „Bruderstaaten“ und Prag erlebt seit dem Angriff der deutschen Nationalsozialisten 1945 seine zweite Invasion.

Gewaltsames Ende des Prager Frühlings

Mit dem Überfall wird der Prager Frühling gewaltsam beendet und damit ein eigenständiger „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“. Dessen Schlagworte wie Demokratisierung, Pluralismus und Meinungsfreiheit waren passé. Die tschechoslowakische Armee leistete aufgrund eines Befehles der eigenen Regierung keinen Widerstand. Es konnte jedoch nicht verhindert werden, dass sich Menschen den Invasoren in den Weg stellten und Barrikaden errichteten.

21 August 1968 Niederschlagung Prager Frühling

Institut für Zeitgeschichte der Tschechischen Akademie der Wissenschaften

Sie entern Panzer, hängen ihre Fahnen in die Rohre und versuchen, die jungen und unerfahrenen russischen Besatzungssoldaten in Diskussionen zu verwickeln. Diese schossen in Panik zuerst auf die Häuser und dann in die Menge. Der tschechoslowakische Rundfunk und seine Geheimsender spielten an diesem dramatischen Tag eine entscheidende Rolle. Die einrückenden Besatzungstruppen konnten ihren Plan nicht so einfach wie gedacht erfüllen.

Hier können Sie die Sendung nachhören:

Michael Huemer; ooe.ORF.at