„Premiere“: Texte, der unter die Haut geht

Lesestoff, der unter die Haut geht, ist am kommenden Samstag in „Premiere“ zu hören. Der viel beachtete Debutroman von David Fuchs, der sprichcode-Preisträgertext von Annie Tscharnuter und feine Lyrik von Günther Kaip.

David Fuchs: Bevor wir verschwinden

Sendung „Premiere“, Samstag, 6. Oktober, 19.03 - 20.00h, Radio Oberösterreich

Mit seinem Buch „Bevor wir verschwinden“ legt der 1981 in Linz geborene David Fuchs eine Arbeit vor, die wohl bei den meisten Lesern viel innere Resonanz und in der Literaturwelt angemessene, nämlich hohe Beachtung findet. Bereits 2016 bekam der als Onkologe und Palliativmediziner tätige Autor für einen Auszug aus seinem Roman den FM4-Wortlaut-Preis zugesprochen. Nun ist David Fuchs mit seiner Geschichte rund um den angehenden Arzt Ben und dessen todkranker Jugendliebe Ambros für den Debütpreis des Österreichischen Buchpreises 2018 nominiert.

David Fuchs

Haymon Verlag/Fotowerk Aichner

David Fuchs

Hauptschauplatz ist die Krebsstation eines Krankenhauses, auf der Benjamin im Jahr 2002 ein Praktikum beginnt. Schon in den ersten Arbeitsstunden stößt er auf den Patientennamen Ambros Wegener und erkennt darin seine Liebe aus frühen Jugendtagen. Ambros ist dem Tod geweiht, sein Körper voller Metastasen. Vorsichtig wird in Gesprächen an frühere Zeiten angeknüpft, behutsam erkundet, was sich in beider Leben seither zugetragen hat. In der Ausnahmesituation eines unausweichlichen frühen Lebensendes, eingebettet in tragische und zärtliche Momente, entwickelt sich zwischen den Männern noch einmal eine ganz besondere Art von Gemeinsamkeit.

Annie Tscharnuter: Durch Sauerstoffmasken atmen

„sprichcode“, der Leondinger Jugendpreis für Sprache und Fotografie, erweist sich seit Jahren als höchst interessantes Sammelbecken für schaffensfreudige junge Talente. In drei Altersklassen werden die Leistungen in den Bereichen Text und Foto mittlerweile bewertet und prämiert.

Bei den 20- bis 25-Jährigen konnte sich heuer in der Sparte Literatur die 23-jährige Autorin Mercedes Spannagel durchsetzen. Bereits 2017 bekam sie bei den Rauriser Literaturtagen den Förderpreis zugesprochen. Bei „sprichcode“ trat sie unter ihrem Pseudonym Annie Tscharnuter mit dem Text „Durch Sauerstoffmasken atmen“ an. Es ist eine kurze, aber ausgereifte und in ihrer gefühlvollen Vielschichtigkeit beeindruckende Arbeit über die junge Amira, deren Mutter sehr krank ist. Amira schnürt es den Hals zu. Selbst gegenüber den ihr nahestehenden Menschen Nesli und Mirko findet sie kaum Worte für das, was in ihrem Leben geschieht und sie zu überrollen droht.

Günther Kaip: Eine Membran sind wir

„Schauen, atmen, staunen“ – das ist der Titel eines Gedichts aus Günther Kaips aktuellem Band „Eine Membran sind wir“. Damit ist auch schon gesagt, was gute Lyrik für uns tun kann: Sich nämlich Zeit und Muße für Gedichte zu nehmen, das lohnt allemal.

Gedichte Band

Bibliothek der Provinz

„Eien Membran sind wir“

Mit Günther Kaip präsentiert die Literaturstunde „Premiere“ einen der genauesten Beobachter und – daraus resultierend – einen der produktivsten Lyriker. Das Buch „Eine Membran sind wir“ geht in vielen Momenten sehr nahe: Einige Gedichte haben den Tod des Vaters und schmerzliche Zeiten des Abschiednehmens zum Inhalt. Doch auch Neubeginn in seinen vielen Facetten ist in dem vom Autor persönlich illustrierten Gedichtband ein Thema.

Die Texte werden von Daniela Wagner, Harald Bodingbauer und Florian Tröbinger gelesen.

Literaturhinweise zur Sendung:

  • David Fuchs: Bevor wir verschwinden (Roman, Haymon Verlag)
  • Annie Tscharnuter: Durch Sauerstoffmasken atmen (unveröffentlichtes Manuskript)
  • Günther Kaip: Eine Membran sind wir (Gedichte, Bibliothek der Provinz)