Perry Rhodan - ein Phänomen der Comicliteratur

Für die Sendung „Lust aufs Leben“ hat sich Michael Huemer auf die Spuren des Comic-Helden Perry Rhodan gemacht, der seit mehr als fünf Jahrzenten im All für das Gute kämpft.

Sendungshinweis:

„Lust aufs Leben - Kultur aus allen Richtungen“, 2.9.18, 21.03 Uhr, Radio Oberösterreich

Es ist eigentlich kaum zu glauben, dass in Zeiten von Internet, sozialen Medien und Digitalisierung gerade ein gedrucktes Heft von 60 Seiten Umfang, das wöchentlich erscheint, sich nicht nur über Wasser hält, sondern mit über einer Milliarde verkauften Heften die erfolgreichste Science-Fiction-Serie der Welt ist. Es ist die Rede von einer Romanserie, die chronologisch den Vorstoß der Menschheit zu den Sternen bis ins fünfte Jahrtausend beschreibt. Der Held dieser Serie ist ein fiktiver Astronaut namens Perry Rhodan, der weitaus bekannter ist als echte Weltraumbesucher wie Neil Armstrong, Juri Gagarin oder John Glenn. Besonders ist auch die Tatsache, dass die Namen der Autoren dieser Serie selbst wiederum nur Eingeweihten geläufig sind. – und das bei einer Erscheinungsdauer des Heftchens von über 57 Jahren.

178.920 Seiten über 3.000 Jahre

2.982 Hefte mit 178.920 Seiten sind bisher erschienen, die eine 3.000 Jahre lange Geschichte erzählen. Man kann den „Perry Rhodan“ seit dem Bau der Berliner Mauer am Kiosk kaufen, ein Heer von Autoren schreibt seit 1961 die längste fortlaufende Geschichte der Welt weiter.

Perry Rhodan

Pabel-Moewig Verlag KG

Der Held Perry Rhodan ist als 39-jähriger in diesem Weltraum-Epos unterwegs. Er hat nämlich einen Zellaktivator im Körper, der ihn weder altern noch sterben lässt. Er ist hochgewachsen, von schlanker Statur, seine Augen sind graublau, die Haare dunkelblond.

Was wäre, wenn...

Die Idee zur Figur hatten die Herren Walter Ernsting und Karl-Herbert Scheer, die sich im oberbayrischen Irschenberg 1961 zusammensetzten. Walter Ernsting legte sich später den Künstlernamen Clark Dalton zu. Zu diesem Zeitpunkt, Anfang der 60er-Jahre, hatte der US-Präsident John F. Kennedy das Apollo-Programm ins Leben gerufen und die beiden Autoren machten sich Gedanken darüber, was wäre, wenn amerikanische Astronauten auf dem Mond landen würden und dort auf außerirdische Lebewesen stießen. Sie brachten ihre Ideen auf Papier und bereits am 8. September 1961 erschien das erste Heft mit der Titelseite „Perry Rhodan – Das Erbe des Universums – Die große Weltraum-Serie von Karl-Herbert Scheer und Carl Dalton“. Der Vorspann des ersten Heftes charakterisierte das Leitmotiv:

„Perry Rhodan führt hinein in die vor uns liegenden Jahrtausende und über Abgründe hinweg zu Sternenreichen, die seit Millionen von Jahren auf uns warten. Er führt in eine Zeit, in der die Nachkommen der Menschen von der Erde nur noch wie von einem Mythos reden und ein vereinsamter Planet um eine längst erloschene Sonne kreist, die einst Mittelpunkt des Universums war.“

Perry Rhodan verhindert Dritten Weltkrieg

1971 landet der deutschstämmige Astronaut Perry Rhodan als erster Mensch auf dem Mond. Dort trifft er auf ziemlich ramponierte Außerirdische, die sich Arkoniden nennen. Sie sind die zweite Großmacht der Milchstraße neben den sogenannten Terranern. Der erste Terraner Rhodan verhindert, dass die arkonidischen Technologien in die Hände eines irdischen Machtblockes fallen und verhindert damit den Dritten Weltkrieg auf der Erde. Er ist also ein Guter und wandelt sich zu einem eher postmodernen Helden.

Perry Rhodan

Pabel-Moewig Verlag KG; Illustration: Arndt Drechsler

Das alles ist vor dem Hintergrund des sogenannten Wettlaufes ins All zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion zu sehen. Die NASA und verschiedene Industriebetriebe hatte 1960 einen Langzeitplan für die Weltraumfahrt erarbeitet und planten eine bemannte Mondumrundung. Es war ein knallharter Kampf der Supermächte, hatten die Sowjets bereits 1958 einen ersten künstlichen Satelliten in die Erdatmosphäre geschossen und damit die Amerikaner in Schockstarre versetzt.

Vielstimmiges Feature

Den Text zu diesem Feature hat Andreas Weber geschrieben, gelesen wird er von Daniela Wagner. Als Musikhintergrund werden Originalaufnahmen aus verschiedenen Perry-Rhodan-Soundtracks bzw. Stücke von Bill Frisell aus dem Album „Guitar in the Space Age“ zu hören sein. Außerdem nimmt ORF-Osteuropakorrespondent Christian Wehrschütz als langjähriger Fan dieser Heftreihe dazu Stellung. Seit 2001 gehören Kabarettist Leo Lukas und Michael Marcus Thumer zum Autorenteam der Perry-Rhodan-Serie. Sie berichten über ihre Tätigkeit als Schreiber.

Hier können Sie die Sendung nachhören:

Michael Huemer; ooe.ORF.at