Schatzkiste OÖ: Stoabloß und Vierkanter

Ein Bauernhof im Mühlviertel sieht ganz anders aus wie im Salzkammergut, und ein Salzkammerguthof ist nicht mit einem Hausruckhof vergleichbar. Die Hofformenvielfalt in OÖ ist eine Besonderheit unserer Kulturlandschaft.

Den einen typisch oberösterreichischen Bauernhof, den gibt es nicht. Denn über viele Jahrhunderte lang haben sich die unterschiedlichen Hofformen in den verschiedenen Tälern und Regionen Oberösterreichs entwickelt.

Mühlviertler Bloßsteinhof

Hans Pammer

Mühlviertler Bloßsteinhof

Sendungshinweis:
„Servus Oberösterreich“
Sa. 14. Jänner 2017 um 17.10 Uhr

Man hat mit Hausverstand geplant und gebaut, hat dabei klimatischen Bedingungen genauso berücksichtigt wie die geographische Lage. Und man hat vorhandene Rohmaterialien genützt und sich an der Form der Bewirtschaftung orientiert. Die Unterschiede bei den Gehöftformen ergeben sich durch die verschiedenen Anordnungen der vier Hauptgebäude: Wohnhaus, Stall, Stadel und Wagenhütte zur Geräteaufbewahrung.

Vollkommenste Gehöftform

Da wäre einmal der markanteste Hof Oberösterreichs, der Vierkanthof, der im Zentralraum das Landschaftsbild prägt. Der Vierkanter besteht aus einem einzigen Gebäude, das einen Innenhof in gleichmäßiger, durchlaufender Firsthöhe umschließt. Die Außenmaße sind beeindruckend - die Fronten können bis zu 60 Meter Länge messen. Der Vierkanthof wird gerne als „vollkommenste Gehöftform der Welt" bezeichnet.

Vierkanthof

ORF

Vierkanthöfe haben gewaltig große Außenmaße

Nördlich der Donau findet man am häufigsten die Dreiseit- bzw. Dreikanthöfe. Dabei umschließen drei Gebäudetrakte einen Innenhof, der zur Straße hin durch eine Tormauer mit einem Tor abgeschlossen ist. Diese Hofform wurde in Verbindung mit dem wunderschönen Bloßsteinmauerwerk zu einem Markenzeichen für das Mühlviertel.

Bemerkenswert: Mühlviertler Stoabloßhöfe

Bloßstein oder „Stoabloß“ nennt man den Baustil, bei dem die Fassade aus freiliegenden Granitsteinen besteht, die dazwischen nur sparsam mit Kalk ausgefugt wurden.

Mühlviertler Stoabloßhof

Hans Pammer

Mühlviertler Dreiseithöfe haben zur Front hin ein Tor

Vom Mühlviertel ins Salzkammergut: Beim typischen Paarhof im Salzkammergut sind Wohnhaus und Stall voneinander getrennt. Je nachdem, wie die Beschaffenheit des Geländes ist, können die beiden Gebäude neben-, hinter- oder auch quer zueinander angeordnet sein.

Herrschaftlich anmutende Höfe im Westen

Die dominierende Hofform im Innviertel hingegen ist jene, bei der sich Wohnhaus, Stall, Stadel und Schuppen freistehend um einen quadratischen Hof gruppieren - der Vierseithof. Tormauern und Tore stellen die Verbindungen dar.

Im benachbarten Hausruckviertel ist der Hausruckhof ein Vierkanter, bei dem das Wohnhaus aus dem Gebäudeverbund ausbricht.

Hausruckhof

ORF/Sandra Galatz

Der Hausruckhof prägt mit seinen holzvertäfelten Wohngebäuden das Landschaftsbild

Und im Südosten Oberösterreichs dominieren die Haufenhöfe. Dabei sind unterschiedlich große Einzelbauten ganz unregelmäßig im Gelände angeordnet. Diese Hofform dürfte die ursprünglichste noch erhaltene in Oberösterreich sein.

Mischformen und Neubauten

Eine Fahrt durchs Land mit offenen Augen für Oberösterreichs einzigarte Kulturlandschaft mit ihren Hofformen soll nicht verzweifeln lassen, wenn diese nicht eindeutig zuordenbar sind – denn selbstverständlich gibt es durch Zu- und Neubauten auch Mischformen.

Sandra Galatz; ooe.ORF.at

Links: