Schatzkiste OÖ: „Niglo“ und „Midlaon“

Die finstere Jahreszeit hat in der Phantasie unserer Ahnen einige Masken und Umzüge entstehen lassen. Am Vorabend des Nikolaustages sind in Oberösterreich etwa „Midlaon“ und „Niglo“ unterwegs.

„Leutzammfresser“, „Grassatmandl“ und „Niglofrau“ sind alte Masken des Windischgarstener Niglo-Umzugs. Im Garstnertal hat man in den 1950er- Jahren diesen Nigloumzug wiederbelebt. Dank der Aufzeichnungen des Kremsmünsterer Benediktiners Pater Amand Baumgarten aus dem 19. Jahrhundert war dies möglich. Überliefert ist auch ein Bild, auf dem dieses Stubenspiel mit seinen phantasievollen Mittwintergestalten dokumentiert ist.

kolorierter Stich aus dem Jahr 1860 v. A. Greil: St. Nikolaus in Windischgarsten

Heimathaus Windischgarsten

Der kolorierte Stich aus dem Jahr 1860 zeigt das ursprüngliche Stubenspiel

Sendungshinweis:
„Servus Oberösterreich“
Sa. 3. Dez. 2016 um 17.10 Uhr

In St. Roman (Bezirk Schärding) sind am 5. Dezember die „Midlaon“ unterwegs. Helle und dunkle Gestalten begleiten bei diesem Umzug den Heiligen Nikolaus, der als Gabenbringer von Haus zu Haus zieht. Wie alt dieser winterliche Umzug ist, kann niemand sagen.

Gutmütige „Weiße“ einzigartig in St. Roman

Doch in St. Roman erinnern sich schon die Dorfältesten in ihrer Kindheit an das „Midlaon“ mit den beiden Figurengruppen, den „Weißen“ und den „Schwarzen“. Eine Besonderheit sind dabei die Weißen mit ihren Spitzmützen und gutmütigen Masken, die mit hoher Stimme Tierlaute imitieren.

Midlaon in St. Roman

Sandra Galatz

Die „Weißen“ treffen sich vor dem Umzug bei einem Bauernhof

Oberösterreich ist reich an wunderschönen gewachsenen Adventbräuchen wie dem „Nigloumzug“ in Windischgarsten oder dem „Midlaon“ in St. Roman.

Percht als Modeerscheinung im Advent

Doch bereits seit Mitte Oktober sind Ankündigungen zu Perchtenläufen für die Adventzeit im Umlauf. Die Ankündigungen betreffen aber nicht die Perchtennacht, den 5. Jänner, sondern Ausschmückungen von diversen Adventmärkten und Events mit bengalischen Feuern in den Monaten November und Dezember.

Percht - eine Figur der Raunächte

Der Begriff Percht wird für drei verschiedene Figuren verwendet. Es ist einerseits die stille, verhüllte Frau, die am Vorabend zur letzten Raunacht, der Nacht von 5. auf 6. Jänner, in die Häuser kommt und „Frau Percht“ genannt wird. Sie schaut auf Ordnung und kontrolliert, ob die Stube geputzt ist. Ihr Besuch gilt als glücks- und segensbringend.

Andererseits meint man mit Perchten auch die „Schönperchten“ mit ihrem schillernden Kopfschmuck, die vor allem im Salzburger Pongau daheim sind, sowie die teuflischen „Schiachperchten“. Alle drei haben ihren Auftritt aber nur in den Raunächten.

Krampus ist keine Percht - Percht ist kein Krampus

Der Krampus gehört im Gegensatz zu den „Schiachperchten“ nach Oberösterreich und ist Begleiter des Nikolaus. Seit dem Mittelalter werden artige Kinder vom Nikolaus belohnt und alle unartigen von seinem schaurigen Krampus gerügt. Diese pädagogischen Maßnahmen nahmen ihren Ausgang in Klosterschulen des 17. Jahrhunderts.

Midlaon in St. Roman

Sandra Galatz

Die „Weißen“ begleiten in St. Roman den Heiligen Nikolaus

Zu beobachten ist nun, dass die inflationär vorkommenden Event-Perchtenläufe, die zweifelsohne publikumswirksam sind, die bei uns stilleren Adventrituale überschwemmen.

Sandra Galatz; ooe.ORF.at

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