„Schnulzodrom“ und der Charmeur Eugen Victor

Die Sendung „Lust aufs Leben“ am Sonntagabend besteht aus zwei unterschiedlichen Teilen, in denen zwei Schauspieler im wahrsten Sinn des Wortes eine Rolle spielen. Der eine feierte vor kurzem seinen 80. Geburtstag, der andere hat sich einen Namen im Rundfunk gemacht.

Sendungshinweis

„Lust aufs Leben“, 13.11.16

Können Sie sich noch an Haymo Pockberger und sein Schnulzodrom erinnern? Das war in den 70-ern eine Serie auf Ö3, in der Pockberger wie ein Säurebad über die aktuelle Schlagerproduktion drüberschwemmte und die gereimte Blödsinnigkeit populären Liedguts bis auf die Knochen freilegte. Haymo Pockberger hat sich bereits in den früher 60er-Jahren jenen musikalischen Katastrophen ausgesetzt, die er auf drei Begriffe reduzierte: Liebe, Schmalz und falsche Tränen.

Radiogerät

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Damals als die Radiomacher dem deutschen Schlager hörig waren, als selbst die Jugendredaktion bedenkenlos Vico Torriani spielte, während in England der Beat schon Furore machte, damals war einer wie Haymo Pockberger, der ernst gemeinte Musik zur Satire erniedrigte, eigentlich im Radio bahnbrechend.

Eugen Victor

Der zweite Protagonist der Sendung ist Eugen Victor, der am 27. August seinen 80. Geburtstag feierte. Es liegt mir am Herzen, ihm den zweiten Sendungsblock zu widmen, weil Victor von 1979 bis 2001 am Linzer Landestheater engagiert war. Der Schauspieler, Musical-Darsteller und Regisseur Eugen Victor wurde 1936 im 13. Bezirk in Wien geboren. Ursprünglich wollte er eigentlich Tierarzt werden. Eine Schüleraufführung in deutscher und griechischer Sprache, in der der Sechzehnjährige den König Ödipus spielte, ließen ihn seinen Kleintierzoo und die Veterinärmedizin vergessen. Ab diesem Moment war er dem Theater verfallen.

Sein Vater war strikt gegen das Schauspielstudium, sodass sich der junge Victor sein Studium selbst finanzieren musste und gleich sein erstes Engagement in Münster bekam. Es folgen Engagements an verschiedenen Bühnen in Detmold, Pforzheim und Luzern. 1977 kehrt Victor nach Münster zurück und folgte zwei Jahre später 1979 dem damaligen Intendanten Alfred Stögmüller ans Landestheater Linz in seine Heimat. Auf Anhieb avancierte er an der Promenade zum Publikumsliebling.

Heimo Pockberger

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Victor führt sehr genau Buch: Insgesamt hat er bisher 568 Rollen bei 10.765 Auftritten gespielt. Er inszenierte als Regisseur 43 Stücke wie Schauspiele, Operetten und musikalische Lustspiele. Eugen Victor ist vielseitig, er war und ist tätig für Rundfunk, Film und Fernsehen, zuletzt im Landkrimi „Die Toten am Teich“ mit Josef Hader. Im Linzer Hörfunkarchiv finden sich zahlreiche Hörspiel-Produktionen mit ihm, das Theater bestimmt(e) aber trotzdem immer sein Leben mit allen Vor- und Nachteilen.

Sprachfetischist

Der Schauspieler Victor ist ein Sprachfetischist und leidet sehr unter der heutigen allgemeinen Sprachverwahrlosung, wo statt verständlichem Bühnendeutsch seiner Meinung nach nur mehr gebrüllt, gebellt, geröchelt, gekreischt wird. Der Grand Seigneur selbst war immer ein Meister der Sprachkunst. Sie hören einen Ausschnitt aus einer Produktion aus dem Jahr 1992, in der Eugen Victor keinen Geringeren als Sherlock Holmes verkörpert, sein kongenialer Partner ist Günter Rainer als Hercule Poirot: „Der Mord in der Oper“.

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Hier können Sie die Sendung nachhören

Michael Huemer, ooe.ORF.at