„Schatzkiste OÖ“: Kunstwerke aus Federkiel

Es ist ein fast vergessenes Handwerk: die Kunst des Federkielstickens. Ein Windischgarstner gibt nun das Wissen um dieses Kunsthandwerk weiter und restauriert auch historische Federkielstickereien, die jahrelang in Truhen lagerten.

Pfauenfedern und Leder sind die Ausgangsprodukte für jedes der kleinen Kunstwerke, die in Federkielwerkstätten entstehen. Der Rest ist handwerkliches Geschick, verbunden mit viel Geduld und kreativen Ideen, bei denen Altes erhalten und Neues geschaffen wird.

Federkiel-Ranzen

Sandra Galatz

Federkielbestickte Ranzen sind der Aufputz einer Lederhose

Die Federkielstickerei war nicht nur - wie oft gehört - in Tirol, Bayern und Salzburg verbreitet. Auch in Oberösterreich trug man im Inn- und Hausruckviertel sowie im Kremstal oder im Raum Freistadt vor über 200 Jahren schon Lederranzen, die mit feinster Federkielstickerei verziert waren. Um das Jahr 1750 zählte man in Oberösterreich 53 Meister, die diese aufwändige Kunst beherrschten und die teilweise noch Gänsekiele verwendeten.

Sendungshinweis:
„Servus Oberösterreich“
Sa. 19. Nov. 2016 um 17.10 Uhr

Vergessene Kunstwerke neu entdeckt

Jahrzehntelang sind diese Kunstwerke oft in Kästen oder Truhen verstaut gewesen. Erst seit gut zwei Jahrzehnten werden sie wieder geschätzt. Erstens, weil es in Micheldorf den bereits verstorbenen Federkielsticker Karl-Heinz Gstettner gab, der es verstand, alte Ranzen zu restaurieren, und zweitens erkannten die Besitzer wieder den Wert des Kulturguts.

Junger Federkielsticker

Nun ist es Christian Schwentner aus Windischgarsten, der die Kunst des Federkielstickens in Oberösterreich ausübt und auch in Kursen weitergibt, denn das Handwerk – vor allem das Spalten der Pfauenfedernkiele – zu erlernen ist nicht einfach.

Christian Schwentner beim Sticken

Christian Schwentner

Christian Schwentner sieht sich für den Fortbestand des Handwerks verantwortlich

Ranzen mit Federkielstickerei sind der Stolz vieler Männer. Symbole und Inschriften wie „Jetzt ist eine schlechte Zeit, das Geld ist zu wenig bay die meisten Leut“ sind Zeugen vergangener Tage. Gerne wurden auch Zunftzeichen, Initialen sowie Blumen und Tiere aufgestickt. Bekommt der Federkielsticker ein so altes Kunstwerk zu sehen, begegnet er diesem mit Ehrfurcht:

Metzgertasche

Christian Schwentner

Federkielstickereien zieren viele Lederwaren

Gerne werden heute wieder Ranzen zur Lederhose getragen. Damen führen mit Stolz ihre Taschen und Damengürtel aus, und ein mit Federkiel besticktes Geldbörsel ist längst keine Seltenheit mehr. Nur einen Unterschied gibt es: Bezahlt wurde früher mit Tieren. Ein Kalb war der Preis für einen mittleren Gürtel.

Sandra Galatz; ooe.ORF.at

Links: