Schatzkiste OÖ: Dem Heiligen Leonhard zur Ehre

Rund um den Gedenktag des Bauernheiligen Leonhard von Limoges am 6. November finden in vielen Leonhardi-Pfarren Flurumritte statt. Sandra Galatz hat in der Schatzkiste OÖ gekramt und sich in den Leonhardipfarren umgesehen.

„St. Leonhard, mir bittn sche, lass Kalm und Kuah fei sicha geh, Ross, Schafi, Fackn und a Kitz vor Seuch und Unreim alls beschütz!“ – Unzählige Segenssprüche zum Bauernheiligen und Viehpatron haben sich vor allem in der ländlichen Bevölkerung entwickelt. In vielen Gotteshäusern findet man heute noch Votivtafeln sowie Ketten und Hufeisen, die von kranken oder wieder gesundeten Tieren stammen.

Leonhardi-Verehrung in Desselbrunn

In der Leonhardi-Pfarre Desselbrunn wird die Tradition des Leonhardiritts hoch gehalten. An die hundert Leonhardireiter erbitten beim Leonhardiritt Jahr für Jahr den Segen für sich und ihre Tiere.

Leonhardiritt in Desselbrunn

Sandra Galatz

Der Leonhardiritt in Desselbrunn - ein Fest für den ganzen Ort.

Sendungshinweis:
„Servus Oberösterreich“
Sa. 5. Nov. 2016 um 17.10 Uhr

Hier wird auch der Heilige Leonhard selbst sinnbildlich als Statue auf dem Weg zur Leonhardiwiese mitgeführt. Zahlreiche Symbole erinnern im gesamten Pfarrgebiet immer wieder an den Viehpatron, wie Hausbilder, die Leonhardiwiese, Grabkreuze aus Hufeisen, das von Leonhardimotiven gezierte geschmiedete Gatter vor der Kirche sowie auch der Leonhardialtar in der Pfarrkirche selbst.

Kirchentüre in Desselbrunn

Sandra Galatz

Eine Kette aus Hufeisen ziert das Kirchentor der Pfarrkriche, die dem Hl. Leonhard geweiht ist.

Die Desselbrunner opfern ihrem Kirchenpatron auch kleine selbstgemachte Wachstiere und stellen sie vor dem Leonhardialtar auf - ein Ritual, das vor allem unter Landwirten sehr beliebt ist. Sie erbitten damit den Schutz des Viehpatrons. Kindergartenkinder begleiten den Flurumzug mit herbstlichen Leonhardibuschen, in die bunte Bänder eingebunden sind.

Wachstiere vor Leonhardialtar in Desselbrunn

Sandra Galatz

Ein Opfer für den Viehpatron: kleine Tiere aus Wachs.

Der Leonhardiritt führt mitten durch den Ort, vorbei am Leonhardikirtag zur Leonhardiwiese. Zur Stärkung gibts für die Pferde geweihtes Brot - für die Reiter ein Leonhardikipferl.

Geschicklichkeit hoch zu Ross

In der Innviertler Pfarre Geiersberg ist nach dem Leonhardiritt mit Pferdesegnung bei verschiedenen Reiterspielen das Geschick der Reiter gefragt. Dabei gilt das Kranzlstechen als beliebtester Geschicklichkeitsbeweis. Mit Hilfe eines Stocks muss im Vorbeireiten ein herabhängender Reisigkranz errungen werden.

Leonhardikult auch in Pettenbach

Einer der bekanntesten Leonhardiritte von Oberösterreich findet alljährlich in Pettenbach statt. Er wurde im Jahr 1931 anlässlich der 500-Jahr-Feier der Kirche in „Heiligen Leithen“ wieder eingeführt. Eine Rittmesse, die Predigt vor der Kirche sowie die Segnung der Pferde, denen eine geweihte Maulgabe verabreicht wird, und der dreimalige Ritt um das Gotteshaus gehören zum frommen Brauch dieses Tages. Früher sind hier die Rösser sogar durch die Kirche hindurchgeführt worden, woran die gegenüberliegenden Tore noch erinnern.

Leonhardiritt in Pettenbach

Sandra Galatz

Leonhardiritt in Pettenbach.

Der eigentliche Leonhardikult begann nach dem 11. Jahrhundert, als die Reliquien des Heiligen öffentlich ausgestellt wurden. Von Frankreich verbreitete er sich rasch nach Süden und Osten, was auch mit den Kreuzzügen zusammenhängt, in denen Leonhard als Patron der Gefangenen eine besondere Bedeutung als Fürsprecher zukam.

Attribute für den Viehpatron

In dieser Eigenschaft und später auch als Patron der Pferde und des Hornviehs wurden ihm hauptsächlich eiserne Weihegaben wie Hufeisen und Ketten dargebracht.

Grabkreuz aus Hufeisen in Desselbrunn

Sandra Galatz

Grabkreuz aus Hufeisen in Desselbrunn.

Leonhard wurde um das Jahr 500 als fränkischer Adelssohn geboren und lebte später als Eremit bei Limoges, wo er sich für Kranke, Gefangene und Hilfsbedürftige einsetzte. Die Legende besagt, dass auf seine Fürsprache hin zahlreiche Ketten von Gefangenen zersprungen sein sollen.

Der Leonharditag als Wetterlostag

Dargestellt wird der Viehpatron oft als Mönch mit Ketten. Der 6. November gilt auch als Wetterlostag. Eine Bauernregel besagt: „Wie das Wetter an Leonhardi is, bis Weihnachten es bleibt gewiss…“

Sandra Galatz; ooe.ORF.at

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