„Schatzkiste OÖ:“ Eiserne stumme Zeugen

Windischgarsten besitzt eine bemerkenswerte Sammlung von barocken Schmiedeeisenkreuzen, darunter eines der schönsten Kreuze Österreichs. Sandra Galatz hat diese Besonderheit aus der Schatzkiste Oberösterreichs hervorgekramt.

15 stumme Zeugen einstiger Grabkreuz-Schmiedekunst zieren die Außenmauer der Pfarrkirche von Windischgarsten. Diese Kunstwerke sind zum Teil über 300 Jahre alt und wurden von im Garstnertal ansässigen Schmieden hergestellt. Ein Großteil der Kreuze wurde von Ferdinand Lindemayr, dem einstigen Stiftsschmied von Spital am Pyhrn, der im barocken Stil arbeitete, gefertigt.

Grabkreuz in Windischgarsten

Sandra Galatz

Einige der Grabkreuze wurden bereits restauriert.

Sie repräsentieren als eine Art kunsthistorische Mustersammlung die Gattung der damals im Land üblichen reich verzierten und farbig bemalten Grabkreuze.

Sendungshinweis:
„Servus Oberösterreich“
Sa. 29. Okt. 2016 um 17.10 Uhr

Schönstes Grabkreuz des Landes

Das prunkvollste Grabkreuz aber wurde von einem unbekannten Meister geschaffen und fand im Inneren der Pfarrkirche einen sicheren Platz, der es vor Verwitterung schützt. Dieses sogenannte „Schoiswohlkreuz“ der Bürgerfamilie Schoiswohl gilt als eines der schönsten Schmiedeeisenkreuze Österreichs. Plastische Blätter, die zu Spiralenden ausgeschmiedet wurden, charakterisieren die Schmiedekunst des ausgehenden 17. Jahrhunderts.

Schoiswohlkreuz

ORF

Das Schoiswohlkreuz gilt als Meisterwerk barocker Schmiedekunst.

Jörg Strohmann, der umtriebige Obmann des Heimatvereins Windischgarsten, erkannte den Wert der Grabkreuze seiner Heimatgemeinde und ließ das „Schoiswohlkreuz“ bereits im Jahr 1982 restaurieren.

Kreuz in mühevoller Arbeit restauriert

„Etwa um 1960 hat Kunstschmied Pöttinger in Grieskirchen das Kreuz restauriert, danach wurde es wieder im Freien aufgestellt. Rund 20 Jahre später konnte ich unseren Pfarrer davon überzeugen, dass das wertvolle Kreuz, das als eines der schönsten barocken Schmiedeeisenkreuze Österreichs gilt, restauriert werden sollte und einen Platz im Inneren der Pfarrkirche bekommen soll. Mit meiner Frau zusammen habe ich die Blechschnitte nach Vorlage eines alten Fotos erneuert, Teile vergoldet und Schmiedemeister Wolfgang Auer aus Braunau, der bereits das Abschlussgitter in der Spitaler Kirche restauriert hat, hat sie bemalt, “ erzählt Jörg Strohmann.

Grabkreuz in Windischgarsten mit Jörg Strohmann und Sandra Galatz

Sandra Galatz

Jörg Strohmann und Sandra Galatz im Kirchenpark von Windischgarsten.

Bis ins Jahr 1847 wurden die Verstorbenen von Windischgarsten rund um die Kirche bestattet – Schmiedearbeiten zierten ihre Gräber. Hinter jedem dieser Grabkreuze steht eine Geschichte, die zum Teil dokumentiert ist und die der Heimatvereinsobmann zu erzählen weiß.

Kunstwerke brauchen Schutz

Immer wieder gab es Bemühungen, die Grabkreuze im Pfarrkirchenpark von Windischgarsten zu erhalten. Schon Baron Schwarz von Senborn, Leiter der Wiener Weltausstellung von 1873, erkannte den Wert der Kreuze und ließ einige davon in ein von ihm gegründetes Museum bringen.

Grabkreuz in Windischgarsten

Sandra Galatz

Die kunstvollen Kreuze im Kirchenpark sind Wind und Wetter ausgesetzt.

Der mittlerweile pensionierte Lehrer Christian Habersack restaurierte mit seinen Schülern vor einigen Jahren einen Teil der Kreuze und auch heute nimmt er sich zusammen mit dem Heimatverein dieser Kunstwerke an. Im Heimathaus trifft man sich, um die Kreuze von Rost zu befreien, ihre Oberflächen zu konservieren und sie in mühevoller Kleinarbeit neu zu bemalen.

Grabkreuzsammlung der Jahrhunderte

Durch das Grabkreuz aus Gusseisen wurden die geschmiedeten Kreuze nach und nach verdrängt. Im Rahmen der Landesausstellung 1998 errichtete man im Windischgarstener Kirchenpark einen Psalmenweg mit 44 Kreuzen aus Gusseisen, die aus ganz Oberösterreich dafür zusammengetragen wurden, um die historische Weiterentwicklung einstiger Schmiedekunst zu dokumentieren.

Sandra Galatz; ooe.ORF.at

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