„Schatzkiste OÖ“: Woher kommt das Kipferl?

Was gibt es feineres, als ein frisches, herrlich duftendes Kipferl zum Frühstück? Es ist aber auch aus unserer Kaffeehauskultur nicht mehr wegzudenken. Doch woher kommt es überhaupt, das Kipferl? Und was hat es mit der Donau zu tun?

Das lateinische Wort „cippus" bedeutet ebenso wie das althochdeutsche Wort „kipfa" Pfahl. Die mittelhochdeutsche „Kipfe" wiederum bezeichnete eine Stange als seitliche Stütze am Leiterwagen oder bei Schiffen aus Holz - gebogene Pfosten, die den Schiffsboden zusammenhalten.

Sendungshinweis:
„Servus Oberösterreich“
Sa. 22. Okt. 2016 um 17.10 Uhr

Kipferl als Opfergabe an die Donau

Wo auch immer die sprachlichen Wurzeln der halbmondförmigen Köstlichkeit liegen, das Kipferl macht nicht nur am kulinarischen Parkett gute Figur. Es wird auch von einem abergläubischen, Brauch der alten Donauschiffer in Oberösterreich berichtet, die vor dem Eintritt in gefährliche Stromschnellen Kipferl in die Fluten warfen, um damit das Wasser und seine Geister zu besänftigen.

Kipferl mit Espresso

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Kipferl wurden früher den Wassergeistern der Donau geopfert.

Kulinarische Diplomatie ist gefragt – denn die „Erfindung" des Kipfels wird einer Legende nach häufig dem Wiener Bäcker Peter Wendler zugeschrieben. Dieser habe zum ersten Mal ein sichelförmiges Gebäck kreiert, und zwar während der Belagerung Wiens durch die Türken im Jahr 1683. Angeregt wurde er angeblich durch ihr wichtigstes Symbol, den Halbmond, der ehemals auf der Spitze des Stephansdoms geprangt haben soll, so die Legende.

Kipferl-Legenden aus Wien

Im Zusammenhang mit der Türkenbelagerung ist noch eine andere Entstehungsgeschichte des Kipferls überliefert. Die Wiener Bäcker waren schon zeitig am Morgen in ihren Handwerksstuben, als die Türken angeblich einen Tunnel graben wollten, um unter der Stadtmauer hindurch nach Wien zu gelangen. Die Bäcker wurden aufmerksam, schlugen umgehend Alarm, wodurch der Angriff verhindert werden konnte. Zur Siegesfeier soll die Wiener Bäckergilde dann ein Gebäck in Form eines Halbmondes kreiert haben.

So blumig diese Erzählungen auch alle sind, zum ersten Mal aufgeschrieben wurden die Kipferl-Legenden erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Also in einer Zeit, in der die in Wien verbreiteten Speisen zur „Wiener Küche“ erklärt wurden.

Croissant

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Das österreichische Kipferl ist aber auch zu einem wahren Europäer geworden - denn durch Marie Antoinette kam es an den französischen Hof. Daraus wurde im 19. Jahrhundert das herrlich duftende Croissant. Das österreichische Kipferl der Donauflößer hat also internationale Karriere am Frühstückstisch gemacht.

Sandra Galatz; ooe.ORF.at

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