Roman Scheidl in „Lust aufs Leben“

Roman Scheidl - der Maler mit Hut - steht am Sonntag, 18. September, ab 21.03 Uhr im Mittelpunkt der Sendung „Lust aufs Leben“ mit Michael Huemer.

Der Sendung liegt ein Gespräch zugrunde, das Chefredakteur Johannes Jetschgo im Rahmen der Reihe „Treffpunkt Kunst“ mit Roman Scheidl führte.

Haus erinnert an Fernen Osten

Wenn man im 5. Bezirk von Wien in die Sonnenhofgasse einbiegt, dann fällt einem sofort ein Haus auf. Auf einer Seite dieses Hauses erzählt ein Fassadenbild von Stationen des Reisens und Wegfahrens, eine hervorstehende Veranda erinnert an den Fernen Osten. Hängt noch ein Fisch vor einem der Fenster, dann sind Freunde im Atelier von Roman Scheidl willkommen. Es handelt sich bei dem ausgehängten vom Wind aufgeblähten Fisch um einen Brauch aus Asien, den der Künstler in Wien-Margarethen pflegt.

Roman Scheidl

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Wichtige Einzelfigur der Kunstszene

Roman Scheidl ist in der Malerei eine wichtige Einzelfigur der österreichischen Kunstszene. Er gehörte nicht mehr zur Malergeneration der Zeit nach 1945, obwohl er in der unmittelbaren Nachkriegszeit südlich von Wien aufwuchs. Wie man so schön sagt hat er das Licht der Welt am 29. Juni 1949 in Leopoldsdorf in Niederösterreich erblickt. Er gehört aber noch nicht den Vertretern der „Jungen Wilden“ an. Er steht einzigartig irgendwie dazwischen, wenngleich er mit den damals jungen „Neuen Wilden“ deren Auflehnung gegen die konzeptuelle Kunst teilt.

Sendungshinweis

„Lust aufs Leben“, 18.9.16

Phantastisch wie verstörend

1969 begann der 20-jährige Scheidl sein Studium der Grafik und Malerei und schon bald waren seine Radierungen in Ausstellungen in Schweden, in Österreich und in der Schweiz zu sehen. Sie zeigen so phantastisch wie verstörend die Stimmung der Nachkriegsjahrzehnte. Kein Wunder, kam doch Scheidl nur vier Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs auf die Welt als Wien noch in Trümmern lag. Er traf auf die Atmosphäre einer verlorenen und zerstörten Welt, die er in seinen Anfangswerken mit dem Abbruch zerstörter Häuser und dem Wiederaufbau der Stadt eindrucksvoll dokumentierte.

Roman Scheidl

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Folgerichtig konnte Scheidl kurz nach Abschluss seines Studiums 1975 gerade diese Arbeiten unter dem Titel „Hauseinsturz“ in der Albertina zeigen. Das Reisen und die Kindheit waren prägend für ihn, die er in der Landschaft um Laxenburg verbrachte.1981 tauscht der Künstler Radiernadel und Bleistift gegen den Pinsel. Er wächst in die Popkultur Wiens hinein, spielt gemeinsam mit Lukas und Willi Resetarits in einer Band, beginnt, Tanzperformances malerisch live zu begleiten. Eines der ersten Leinwandarbeiten entsteht: „Menschenfresser“.

Schweiz, Stockholm, New York und Paris

Roman Scheidl bereist die Welt, sammelt dabei Erfahrungen, die seinen weiteren Weg beeinflussen. Aufenthalte in der Schweiz, in Stockholm, New York und Paris sowie die Zusammenarbeit mit Tänzern und Choreographen erweitern seine Weitsicht und seine Vorliebe, wenn er synchron zu Musik oder zu Ereignissen auf der Bühne arbeitet. Livezeichnungen auf dem Overhead werden so zu Bühnenbildern. In den darauffolgenden Jahren sollten ihn Reisen zu den Tempeln der japanischen Vergangenheit führen und ihm den Weg zu asiatischen Denkweisen zeigen. Gerade die asiatische Kunst unterstützt Scheidls Prinzip des Gleichgewichtes zwischen Gut und Schlecht, das schlägt sich auch in seinen Arbeiten nieder.

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„100 Ansichten des Berges Fuji“

Beispielsweise hat der österreichische Künstler die „100 Ansichten des Berges Fuji“ von Katsushika Hokusai paraphrasiert, jenem Künstler, dessen Bildnis „Die große Welle vor Kanagawa“ im Zuge der Tsunami-Katastrophe weltweit bekannt geworden ist. Für Scheidl ist der Fujiama ein Ort der Sehnsucht, ein gelobtes Land, falls es das überhaupt noch gibt auf dieser Welt, so seine Worte. 1990 wird das TAMAMU gegründet, das für Tanz Malerei Musik steht, einem Verein samt Ensemble, der multimediale Bühnenkunst fördert. Zusammen mit der Malerin Katharina Puschnig und dem Kameramann Gerald Frey entstehen unter dem Titel „Tamamu Cafe“ 83 Zeichenfilme für den TV- Sender Alpha Österreich.

Hier können Sie die Sendung nachhören:

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Michael Huemer; ooe.ORF.at