Der erste Mai - vom Kampftag zum Feiertag

Der 1. Mai fällt heuer nicht nur auf einen Sonntag, er ist auch ein Feiertag und nicht nur das, dieser 1. Mai ist in Österreich auch immer Staatsfeiertag - ein großes Thema für die Sendung Zeitgeschichte am Sonntag ab 21.03 Uhr.

Sendungshinweis:

„Lust aufs Leben“, 1.5.16

Es ist ein besonders geschichtsträchtiges Datum in der Geschichte der Sozialdemokratie und der Arbeiterbewegung. Seit 1890 wird dieser Tag als internationaler Tag der Arbeit in aller Welt gefeiert. 126 Jahre wechselvoller Zeitgeschichte – von den blutigen Anfängen über den Missbrauch während der NS-Zeit bis zu den heutigen sozialpolitischen Auseinandersetzungen. Ein Thema wichtiger denn je in einer hektisch und unübersichtlich gewordenen Arbeitswelt.

Aufmarsch SPÖ zum Tag der Arbeit

ORF

Linz 2015

Entwicklung der Arbeitsverhältnisse

Es ist nicht zu übersehen, dass Teile des wirtschaftlichen Risikos auf den Arbeitnehmer abgewälzt werden. Organisationsformen wie Ich-AG, die Zunahme prekärer Arbeitsverhältnisse, der Anstieg der befristeten Dienstverträge, der Leiharbeitsverträge und der auf Werkvertrag oder Honorar basierenden Beschäftigungsverhältnisse spricht eine deutliche Sprache. Dieser Zustand ist nicht nur primär der technischen Entwicklung und Globalisierung geschuldet.

Die Arbeitswelt ist unter Druck gekommen. Nicht viel anders war es Ende des 19. Jahrhunderts: da sprach man von 888. Acht Stunden Arbeit, Acht Stunden Schlaf, Acht Stunden Freizeit. Das waren die Forderungen der Zweiten Sozialistischen Internationale in Paris.

Maiaufmarsch, Einzug der Bezirksgruppen, winkende SPÖ-Politiker

ORF Wien

Wien 2015

25. April 1919

Erstmals eingeführt wurde der Staatsfeiertag in Österreich per Gesetz vom 25. April 1919 in der Ersten Republik. Die Nationalversammlung beschloss die Erhebung des 1. Mai zum „allgemeinen Ruhe- und Festtag“. 1920 sprechen auf der sozialdemokratischen Linzer Maikundgebung Landeshauptmann-Stellvertreter Josef Gruber und der Linzer Bürgermeister Josef Dametz. Eine erste Maifeier der Kommunistischen Partei Österreichs wird auf dem Hauptplatz in Linz abgehalten.

1933 verbot die Regierung unter Kanzler Engelbert Dollfuss die Abhaltung von Maifeiern in ihrer bisherigen Form. Unter Gewaltandrohung war jede Straßendemonstration verboten, auch wenn das Wiener Stadion bei einer Massenkundgebung bis zum letzten Platz gefüllt war. Und wie im übrigen Österreich gingen an diesem Tag die Wiener spazieren, d. h. sie trafen einander als Spaziergänger in den Straßen Wiens. Es war ein vierzig Kilometer langer Spaziergängerzug.

„Unser neuer Mai“

Trotz des Verbotes blieb also der 1. Mai als Feiertag unangetastet. Der austrofaschistische Ständestaat versuchte daher, den 1. Mai zum „Tag der Verfassung“ umzufunktionieren, ihm eine neue Sinngebung zuzuordnen. Die Parole hieß: „Unser neuer Mai“. Festgottesdienste, Militärparaden und Huldigungszüge der Stände vor den neuen Machthabern prägten nun das Bild dieses Feiertages, der zum Staatsfeiertag wird. Auch in Linz sind Maifeiern und Aufmärsche am 1. Mai 1934 untersagt. Trotzdem kommt es in der Linzer Südbahnhofhalle zu einer Versammlung des sozialdemokratischen Bezirksvereins, an der 10.000 Menschen teilnehmen.

SPÖ-Veranstaltungen zum 1. Mai

ORF

Linz 2012

Auch in Steyr versammeln sich mehr als 2000 Sozialdemokraten. In Linz, Mattighofen, Altheim, Braunau, Mauthausen, Steyr und Uttendorf kommt es zu Zusammenstößen, meist zwischen Nationalsozialisten und Sozialisten. In Altheim gibt es einen Toten ebenso wie in Uttendorf. Der Weg führte pfeilgerade zum „Tag der deutschen Arbeit“, wie der 1. Mai 1938 nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich genannt werden sollte.

Die Nationalsozialisten hoben den Tag nicht auf, sondern stilisierten ihn um. Nach Kriegsende 1945 hatte das bis 1955 besetzte Österreich keinen offiziellen Staatsfeiertag. Erst mit seiner Unabhängigkeit auf Basis des Staatsvertrages vom 15. Mai 1955 und des Beschlusses des Neutralitätsgesetzes zum 26. Oktober 1955 gab es dann die Veranlassung, ein eigenständiges Österreich zu feiern. Damit wurde dieser Tag ein arbeitsfreier für alle Österreicher.

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Hier hören Sie die ganze Sendung

Michael Huemer