Festakt zu „100 Jahre Oberösterreich“

Das Land hat am Sonntag in einem Festakt „100 Jahre Oberösterreich“ gefeiert und darin an die erste Landesversammlung 1918 und den Beitritt zur jungen Republik Österreich erinnert.

Vor dem Festakt im Landhaus nahmen das Bundesheer und Vertreter von Einsatzorganisationen vor dem Gebäude Aufstellung. Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) und der Militärkommandant Oberösterreichs, Kurt Raffetseder, schritten die Front ab. Nach der Flaggenparade sprachen Diözesanbischof Manfred Scheuer und Senior Friedrich Rößler gemeinsam Worte des Friedens.

Landeshauptmann Thomas Stelzer mit den Kindern Rosalie Nova und Levin Börner vor dem Gedenkstein

Land OÖ/Denise Stinglmayr

Im Anschluss wurde ein von dem Bildhauer Gerhard Knogler gestalteter Gedenkstein enthüllt.

Im Steinernen Saal des Landhauses wurde der Festakt fortgesetzt. Für Landeshauptmann Stelzer sind die wichtigsten Lehren, die man aus dem Republiksjubiläum ziehen kann: „Wir können und sollen Ansprüche an uns stellen. Wir können und sollen uns etwas zutrauen. Wir können und sollen mutig in die Zukunft gehen.“

Die Festrede wurde von der Historikerin, Buchautorin und Journalistin Gudula Walterskirchen gehalten. Sie schlug vor, in diesem Jahr nicht nur zu gedenken, sondern auch konkrete Erinnerungsprojekte anzugehen.

Landtagspräsident Viktor Sigl betonte in seiner Rede vor allem die zentrale Rolle unseres demokratischen Systems und der föderalen Strukturen für die gute Entwicklung unseres Bundeslandes.

Blick zurück zu den Anfängen

Die Begleitumstände im Spätherbst 1918 hätten nicht härter sein können: Die Bevölkerung war vom Krieg erschöpft, die Wohnungen blieben kalt und die Fabriken standen still, weil es keine Kohle gab, die Energievorräte lagen jetzt hinter den neuen Staatsgrenzen.Der Hunger trieb die Leute auf die Straßen, ein Kilogramm Butter kostete ein mittleres Monatsgehalt- auf dem Schwarzmarkt. Außerdem strömten täglich bis zu 30.000 Soldaten der aufgelösten kaiserlichen Armee durch den Linzer Hauptbahnhof.

Sicherheit als höchste Priorität

In diesen ersten Stunden muss die am 18. November im Rahmen der ersten, provisorischen Landesversammlung gebildete Landesregierung der Sicherheit und Versorgung höchste Priorität einräumen. Es kommt zu Geschäftsplünderungen, der Krieg hinterlässt jede Menge an Waffen.

Linzer Landhaus, Landesregierung OÖ

Land OÖ

Live-Übertragung des Festakts 18.11., 9.30 Uhr, ORF2

Es gibt nur die Gendarmerie, zwar formiert sich eine Volkswehr aus abgerüsteten Soldaten, aber die ist, wie ihr Kommandant selbst sagt eine „Notstandsaktion, welche die Existenzlosen und Beschäftigungslosen in einer disziplinierten Form zusammenhält“. Während sich in Bayern und Ungarn Räterepubliken etablieren und in der Bevölkerung das Gespenst der russischen Oktoberrevolution umgeht, gelingt es den Sozialdemokraten Josef Gruber und Ernst Koref die Soldaten- und Arbeiterräte zu integrieren und Richtung repräsentativer Demokratie zu lotsen.

Nepomuk Hauser erkannte die Zeichen der Zeit

Am 2. November 1918 hatte Landeshauptmann Johann Nepomuk Hauser von der Christlichsozialen Partei die Geschäftsführung der ehemaligen Statthalterei übernommen, Hauser war der einzige Landeshauptmann, der schon in der Monarchie Landeshauptmann gewesen war, der aber die Zeichen der Zeit erkannte und Kaiser Karl zur Abdankung geraten hatte. Hauser, nach ihm Josef Schlegel, Franz Langoth von den Großdeutschen (der allerdings später zum Nationalsozialismus wechselte) und der Sozialdemokrat Josef Gruber etablierten ab 1918 ein auf Konsens bedachtes politisches Klima in Oberösterreich, das hier viel länger das politische Tagesgeschäft bestimmte als im Bund, wo sich nach 1920 das Lagerdenken radikalisierte.

Festrednerin Gudula Walterskirchen, die kürzlich Dokumente von Zeitzeugen über Kriegsende und Neuanfang 1918 veröffentlichte, wies im Rahmen des Festakts darauf hin, wie wichtig Respekt und Interessensausgleich sind.

„Österreichisches Staatsgefühl“

Der Beschluss der Provisorischen Landesversammlung vom 18. November 1918, der Republik Deutschösterreich, wie sie sich damals noch nannte, beizutreten, habe erstmals etwas wie ein „österreichisches Staatsgefühl“ begründet, sagte ein Politiker der Ersten Republik. Ungeachtet der lebhaften Debatten um Zentralismus oder Föderalismus, die der Vater der österreichischen Verfassung Hans Kelsen als „riskant“ bewertete. Es etablierte sich die Auffassung, die in Oberösterreich zehn Jahre später öffentlich vertreten wurde, dass der Bundesstaat Österreich durch den Entschluss der Länder geschaffen worden sei.

Land und Leute im Wandel

Vor 100 Jahren ist das Land OÖ der 1.Republik beigetreten. Ein Linzer Fotograf dokumentiert, wie sich Land und Leute gewandelt haben.

Jedenfalls gelang es im November 1918, einen Mehrparteienparlamentarismus zu stabilisieren, der erst ab 1927 zunehmend angezweifelt und unterminiert wurde. Die Republik in ihrer ersten Stunde 1918 war eine unterschätzte Republik, ehe sie dann in den in den Dreißigerjahren zunächst durch Sprachradikalismus, extremes Lagerdenken und dann auch durch die Weltwirtschaftskrise zur „Gescheiterten Republik“ wurde.

Der Staatsakt am Sonntag im Landhaus soll an das denkwürdige Gelingen der ersten Stunde erinnern, das freilich zunächst nicht von Dauer sein sollte.

Vorschau „100 Jahre Landtag“

Darüber hinaus ist die Sonderausstellung „Zwischen den Kriegen“ im Schlossmuseum Linz von 13.30 bis 15.30 Uhr geöffnet. In einem Sonderpostamt ist von 13.00 bis 17.00 Uhr die Sonderbriefmarke samt Stempel „100 Jahre Oberösterreich“ erhältlich.

Johannes Jetschgo

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