Aus für Thomas-Bernhard-Archiv

Das Thomas-Bernhard-Archiv ist still und heimlich aus Gmunden verschwunden. Jahrelang hatte sich das Land Oberösterreich um den Verbleib des Standorts bemüht. Doch der Erbe und Halbbruder von Thomas Bernhard hat das Archiv nach Wien übersiedelt.

13 Jahre hat die denkmalgeschützte Villa einen wahren Literaturschatz beherbergt: Briefe, Notizen, Manuskripte, Bücher und Fotos von Thomas Bernhard. Rund 20.000 Originaldokumente gaben Einblicke in das Leben des Weltautors. Nun ist das Archiv in Gmunden geschlossen.

Für Verbleib gekämpft

Dabei gab es im Oktober 2012 noch strahlende Gesichter. Denn nach zähen Verhandlungen gelang es damals dem Land Oberösterreich - gemeinsam mit der Universität Salzburg - den Verbleib des Archivs in Gmunden zu sichern. Zum einen stellte das Land weiter das Gebäude in Gmunden zur Verfügung, zum anderen zahlten beide Kooperationspartner 150.000 Euro pro Jahr an die Thomas-Bernhard-Privatstiftung.

Thomas-Bernhard-Archiv Gmunden

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Seit 1. Jänner in Wien

Seit 1. Jänner befindet sich das Bernhard Archiv nun doch in Wien. Beim Land Oberösterreich und der Universität Salzburg ist die Enttäuschung groß. Man könne nicht immer alles verstehen, aber Manches müsse man einfach zur Kenntnis nehmen und das Gute behalten, so die Direktorin des Linzer Stifterhauses, Petra Maria Dallinger. "Es ist natürlich schade, wenn ein Projekt, das zunächst so hoffnungsvoll begonnen hat, dann nach relativ kurzer Zeit nicht weiter geführt werden kann“, sagt Manfred Mittermayr von der Universität Salzburg.

Bedauern beim Landeshauptmann

Bedauern gibt es auch bei Landeshauptmann und Kulturreferent Josef Pühringer (ÖVP). Die Zusammenarbeit zwischen der Universität Salzburg und dem Land Oberösterreich sei immer gut gewesen. Leider habe man sich auf der fachlichen, wissenschaftlichen Ebene nicht mehr getroffen. Die Initiative zur Auflösung sei aber nicht vom Land Oberösterreich ausgegangen.

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Peter Fabjan, der Universalerbe und Halbbruder von Thomas Bernhard wollte sich zu den genauen Hintergründen vor der Kamera nicht äußern. In einem Schreiben an den ORF Oberösterreich teilt er mit, dass sich das Bernhard-Archiv seit 1. Jänner in Wien befindet. Und weiter: „Diese Tatsache ist wahrlich kein Ruhmesblatt für das Land, insbesondere weil sie das Ergebnis einer vom Land initiierten anwaltlichen Auseinandersetzung über eine Frage des weiteren Umgangs mit dem hier leihweise zur Verfügung gestellten literarischen Nachlass ist. Sie hat mit unserem freiwilligen Rückzug geendet.“

Anwälte einigten sich auf einvernehmliche Trennung

Laut Dallinger wurde der Auflösungsvertrag ebenso lang verhandelt, wie die Kooperationsvereinbarung. „Die Anwälte haben sich dann auf einen bestimmten Modus der einvernehmlichen Trennung geeinigt."

Thomas Bernhard

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Thomas Bernhard vermag offensichtlich auch nach seinem Tod die Gemüter zu bewegen. Am kommenden Montag hätte er seinen 84. Geburtstag gefeiert. Die leerstehende Villa in Gmunden, die dem Land Oberösterreich gehört und einst mit viel Geld und Liebe saniert worden ist, soll in Zukunft als Gastatelier heimischen Künstlern aller Sparten offenstehen.

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