Ex-Heimkind nicht mehr bei Prozess dabei

Ein heute 66-jähriger, ehemaliger Kinderheimbewohner, der das Land Oberösterreich auf 1,6 Mio. Euro Schadenersatz und Schmerzengeld geklagt hat, wird aus Gesundheitsgründen beim Prozess nicht mehr dabei sein.

Der heute 66-Jährige war nach dem Zweiten Weltkrieg fälschlicherweise als Vollwaise geführt und in Kinderheimen in Oberösterreich misshandelt und missbraucht worden. Der Mann, der seine Mutter erst nach eigener Recherche als Erwachsener gefunden hatte, spricht von „institutionalisiertem Unrecht“. Vom Land erhielt er 20.000 Euro als finanzielle Geste an frühere Gewaltopfer. Das berichtete der Kurier in der Dienstag-Ausgabe.

Frage der Verjährung

Bei der nunmehrigen Klage geht es darum, ob der Fall nicht verjährt ist. Laut seinen Rechtsanwälten hat der Kläger die Ereignisse verdrängt und nicht vollinhaltlich erfassen können. Erst durch eine lebensbedrohliche Operation im Jahr 2009 und die damit verbundene Todesangst sei alles wieder an die Oberfläche gekommen und der Mann habe daraufhin das Erlebte niedergeschrieben.

Wenige Tage nach dem Gerichtstermin im Oktober vergangenen Jahres erlitt der Mann einen Zusammenbruch. Die Ärzte diagnostizierten einen Schlaganfall, eine Lungenentzündung und eine Herzmuskelschwächung. Er musste reanimiert werden und lag in der Intensivstation.

Ärzte untersagten Teilnahme

Die Mediziner untersagten ihm die Teilnahme an weiteren Verhandlungen. Ein Psychiater sieht eine unmittelbare Verbindung zwischen dem für den Kläger sehr belastenden Prozess und seinem Kollaps. Seine Anwälte überlegen eine Erhöhung der vom Land geforderten Entschädigungssumme.

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