Gutes Benehmen weiterhin gefragt

Dass gutes Benehmen so wichtig ist wie ehedem, hat das IMAS-Institut jetzt mit einer Umfrage untermauert. Die Umgangsformen haben sich in den vergangenen Jahrzehnten verändert, auf eine gute Kinderstube legt aber die Mehrheit großen Wert.

Die Meinungsforscher interviewten im heurigen August 1.077 repräsentativ ausgewählte Österreicher über 14 Jahre und verglichen die Daten mit einer Umfrage von 1973. Damals fanden es 74 Prozent höchst unschicklich, wenn Frauen mit Lockenwicklern einkaufen gehen oder Autofahrer einander den Vogel zeigen (61 Prozent). Theaterbesuche in Alltagskleidung waren für 60 Prozent der Österreicher ein „No-go“, heute mokieren sich darüber nur noch 33 Prozent. Kein eigenes Sonntagsgewand anzulegen, empfanden damals 30 Prozent als Fauxpas, heute tun das nur noch 15 Prozent.

Auch die Benimmregeln für Männer im Umgang mit Frauen haben sich geändert: 1973 fanden es 58 Prozent ungehörig, wenn er ihr nicht in den Mantel hilft, heute stört das nur noch 23 Prozent. Sitzen zu bleiben, wenn eine Frau den Raum betritt, war früher ebenfalls für deutlich mehr Leute (41 Prozent) ein Fehltritt als heute (zehn Prozent).

Titel nicht mehr so wichtig

Die Anrede „Herr oder Frau Doktor“ ist nicht mehr so verbindlich wie früher. Einen promovierten Akademiker nur mit seinem Namen anzusprechen widersprach 1973 noch für 32 Prozent der Etikette, heute stört das nur noch 18 Prozent. Von jemandem, den man lediglich flüchtig kennt, mit „Du“ angesprochen zu werden, empfinden 33 Prozent als nicht in Ordnung (1973 nicht erhoben).

Auch wenn vieles lockerer geworden ist, so legen die Österreicher nach wie vor Wert auf gute Umgangsformen. Ältere und besser Gebildete messen ihnen besonders viel Bedeutung zu. Dennoch sind auch 86 Prozent der unter 30-Jährigen der Ansicht, gutes Benehmen sei wichtig. Unter den über 50-Jährigen sind es 95 Prozent.

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Die Manierenmuffel von heute

Heute wird man laut Umfrage vor allem schief angeschaut, wenn man auf der Straße etwas wegwirft - für 73 Prozent ist das ungehörig - oder sich an der Kassa vordrängt (72 Prozent). Einem älteren oder gebrechlichen Menschen in der Straßenbahn keinen Sitzplatz anzubieten, halten 71 Prozent für ein Zeichen schlechter Kinderstube.

Wer einem anderen Autofahrer den Parkplatz vor der Nase wegschnappt, wird von 67 Prozent als Manierenmuffel empfunden, ebenso, wer sich nach dem Toilettenbesuch nicht die Hände wäscht. Im rauchfreien Bereich blauen Dunst zu erzeugen, halten 55 Prozent für ungehörig, sonntags Rasen zu mähen 44 Prozent. Neue Technologien bringen zudem neue Benimmregeln: Handyklingeln im Kino oder Spital ist 47 Prozent ein Dorn im Auge, öffentliches lautes Telefonieren 31 Prozent. Dem Sitznachbarn in öffentlichen Verkehrsmitteln über die Schulter zu schauen, wenn dieser liest oder surft, halten 42 Prozent für unhöflich.

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