Offene Kamera Volksgarten
ORF Archiv Gernot Ecker
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Serie: 50 Jahre Landesstudio – Fernsehen

Lange Zeit wurde in unserem ORF Landesstudio nur ein Radioprogramm gestaltet. Fernsehen – das überließ man lieber den Kolleginnen und Kollegen in Wien. Erst Mitte der 70er Jahren wurden die ersten TV-Beiträge aus Oberösterreich auf Sendung geschickt.

Sendehinweis:
„Oberösterreich heute“
Montag, Mittwoch, Freitag
26.8.22 – 6.10.22

Nur ab und zu wird in Oberösterreich auch gefilmt. Zögerlich bekommt man in den Bundesländern das Selbstbewusstsein, dass man eigentlich auch im Fernsehen eine Rolle spielen könnte. Und wieder einmal geht die Initialzündung dazu von Oberösterreich aus. 1975 legt Landesintendant Hannes Leopoldseder mit den Linzer Mediengesprächen den Grundstein für die spätere Regionalisierung der Fernsehberichterstattung in Österreich. So ist es auch nicht verwunderlich, dass die erste bundesweite Großproduktion eines Landesstudios aus Oberösterreich kommt.

Linzer Mediengespräche
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ORF OÖ Mediengespräche

Franz Rohrhofer gestaltet 1975 das allererste Österreich Bild zum Thema Pendler. Die Produktion dieser rund halbstündigen Dokumentation ist allein deswegen bemerkenswert, weil es außer einem Kameramann in den Landesstudios gar keine technischen Voraussetzungen für Fernsehen gibt. Rohrhofer muss alles erst einmal organisieren.

Für die erste Ausgabe von „Österreich am Sonntag“, die in Oberösterreich entstanden ist, musste erst einmal ein Schneidetisch inklusive Cutterin aus Wien ausgeliehen werden, der entwickelte Film zurückgeschickt werden „… und dann haben wir den Film wirklich geschnitten, so wie es sich gehört“, erzählt Rohrhofer, der zur Mischung des Fernsehbeitrags anschließend nach Wien fahren musste.

Franz Rohrhofer
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Franz Rohrhofer

Dieses Österreich Bild aus Oberösterreich ist eine Initialzündung für das Fernsehen in den Landesstudios, das bis dahin ein Schattendasein fristen. In Oberösterreich etwa gibt es jahrelang nur einen freien Kameramann: Ernst Mühlberger. Der dreht, was ihm unterkommt. Das Material schickt er nach Wien, denn im Landesstudio in Linz kann ohnehin niemand so richtig etwas mit Fernsehaufnahmen anfangen.

Gedreht wird in den 70ern noch auf 16mm-Film. Ein Tontechniker nimmt parallel dazu den Ton auf – unter anderem von Peter Csombai: „Schnell nach Hause, Film und Tonband in a Sackerl hinein und damit zum Zugführer. Mit dem ist das Material dann nach Wien gekommen.“ In Wien hat schon jemand auf den Zug und das Material gewartet und ist damit zum Schneiden ins ORF Zentrum auf den Küniglberg hinaufgefahren.

Kameramann Ernst Mühlberger
ORF Archiv Gernot Ecker

Alles, was den Mittagszug nach Wien um 12 Uhr 50 nicht erreicht, geht an diesem Tag auch nicht mehr auf Sendung. Das ist unbefriedigend für die journalistische Arbeit. Einige wenige freie Redakteure werden daher in diesen Jahren zu rasenden Filmkurieren. Wie etwa der legendäre Sportreporter Manfred Payrhuber, der nach dem Schlusspfiff in der Fußballbundesliga mit dem Fernsehmaterial in seinem Sportwagen nach Wien eilt, um die Filmaufnahmen noch rechtzeitig für die Abendsendungen entwickeln und schneiden zu lassen.

Erst 1977 kommt das Fernsehen auch in den Bundesländern zu seinem Durchbruch: die erste tragbare elektronische Kamera feiert – wie könnte es anders sein – in Oberösterreich ihr Debut. Hier mit Kameramann Karl Benedikter. Damit gehört der Film und die Filmentwicklung im Fernsehen der Vergangenheit an. Jetzt wird digital aufgezeichnet. Zuerst auf solchen 1-Zoll Bändern – und später auf Kassetten wie diesen.

Offene Kamera Volksgarten
ORF Archiv Gernot Ecker
Offene Kamera im Volksgarten Linz

Digital bedeutet, man kann jetzt auch direkt in den Landesstudios beginnen, diese Aufnahmen zu bearbeiten. Der Zugtransport nach Wien fällt weg. Das ist ein weiterer Meilenstein für die regionale Fernsehberichterstattung.

Der ORF Oberösterreich testet die neuen elektronischen Kameras gleich im Rahmen einer neuen Sendereihe: bei der offenen Kamera am 11. Mai 1977 im Linzer Schillerpark kann jede und jeder im Fernsehen sagen, was sie oder er zu bestimmten Themen denkt. Wieder einmal schreibt der ORF Oberösterreich damit ein Kapitel Mediengeschichte.

50 Jahre: Fernsehen

In der Serie „50 Jahre“, über die Geschichte von Radio und Fernsehen in Oberösterreich, geht es diesmal um den Start des Fernsehens in Oberösterreich.

Eine Produktion des Landesstudio Oberösterreich.

Gestaltung: Gernot Ecker
Schnitt: Tanja Obermüller
Kamera: Michael Schindlinger